Philip Norman: John Lennon. Die Biographie

John Lennon. Die Biographie

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-426-27352-4

Preis: 17,98 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Mit Aggression werden 1968 die Schlachten nachgespielt, welche die Väter ihrer Vertreter in Musik und Politik einst selbst im Krieg und schließlich zu Hause mit ihren Kindern führten. Mehrfach gebrochene Konflikte sorgen für eine mehrfach gebrochene Generation - mit viel Hand zur Extravaganz, zu künstlerischem Reichtum und zugleich mit einer sehr leicht zerbrechlichen mentalen Disposition. Sie geht einher mit einer großen Liebe zu den eigenen Eltern, aber auch mit der Möglichkeit einer Verabscheuung und Entfernung von der Elterngeneration. So konnte John Lennon in seinem Lied "Julia" 1968 seine Mutter sehnsüchtig verehren und sie in seinem "Ocean Child" Yoko Ono wieder finden, um seiner Mutter Julia wiederum 1970 in seinem Titel "Mother" umso mehr vorzuwerfen, daß sie ihn verlassen habe und sie doch heimkommen möge.

Dennoch, die aufstrebende Jugend will die Last der Tradition nicht mehr tragen; alles wird geleugnet um nicht mit der Vergangenheit der Eltern konfrontiert zu werden. Das ist der Weg der eigenen Kompensation. 40 Jahre nach dem Welthit "Revolution", der das alles widerspiegelt, liefert der britische Autor Philip Norman die definitive Biographie der größten Legende der Popmusik ab: John Lennon. Dieses Buch kommt als atemberaubend facettenreiches Porträt des Gründers der Beatles daher - sachlich, leicht zu lesen und nicht von Ressentiments getragen.

Der Autor charakterisiert John Lennen in all seinen Facetten überaus spannend und das über alle 40 Jahre seines Lebens. Zum Vorschein kommen: Lennon als der charismatische Kopf der Beatles, seine musikalischen Inspirationen, seine skurrilen Texte, seine provokatorische Ader. Mit ihr versuchte er sich frei zu sprechen von jenem bürgerlichen Leben, das ihm nicht das bieten konnte, wofür das bürgerliche Leben stand und prahlte. Daher der Abstand von der schuldbeladenen Erwachsenenwelt. Lennon war also der Provokateur. Sollten sich die Beatles als Band vor dem Publikum verbeugen und ihre Hände auf dem Rücken halten, war es Lennon, der dies nicht tun konnte, ohne zugleich das Viktory-Zeichen sichtbar zu formen und dazu ein spastisches Gesicht aufzusetzen. Es war für ihn befreiend, das der Norm Entgegengesetzte zu tun. So etwa auch, als Lennon in seinem unverbesserlichen Hang zum Unfug eines morgens in Hamburg, nach einem Auftritt, den Rest der Beatles überredete, ein lebendes Ferkel zu erstehen. Passanten, die das Treiben um das Tier bemerkten, meldeten es sofort der Hamburger Polizei, die die Beatles zeitweilig in eine Zelle verfrachtete.

Dem ungeachtet war Lennon aber auch ein menschenscheuer Träumer, der der Welt Liebe versprach und diese einforderte und politisches Engagement walten ließ. Auch hockte er als Kind stundenlang in seinem Zimmer, zusammengekauert, die Füße an die Wand gestützt und las ununterbrochen. Später hortete er an seinem Bett immer wieder neue Bücher, die niemand berühren durfte. Er war also auf der anderen Seite stets der gebrechliche Mensch mit geringem Selbstbewußtsein und einer brennenden Liebe zu seiner Mutter. Nach ihr sehnte er sich als sie lebte und noch als sie überfahren wurde und starb. Er, der sich sehnende und oft verunsicherte, fragte sich noch in den 70er Jahren, ob er wohl als Solokarrierist jemals wieder selbst ein erfolgreiches Album wie Paul Mc Cartneys "Band on the run" veröffentlichen werde.

Daß John Lennon nicht frei von sexuellen Wirrungen war, ist bekannt, insbesondere sein spezielles, aber nicht direkt definierbares zum Manager Brian Epstein. Daß er aber ödipale Gedanken hegte und obendrein auch an seinem Beatle-Kollegen Paul McCartney Gefallen gefunden haben soll, das erzählt der Autor erstmals. Diese und mehr pikante Details bekommt der Leser geliefert, der sich die neue 1000 Seiten schwere Biografie über den ermordeten Musiker vorgenommen hat. Die Seiten verfliegen beim lesen trotz ihrer Fülle, ohne daß der Leser denkt, das Buch nehme kein Ende.
Fazit
Dem Autoren Philip Norman gelingt es somit, eine großartige Lebensschau zu bieten, die meisterlich spannende Details erwähnt, welche zwar für Fans nichts Neues sind, aber sich immer wieder gut lesen: So wird die Tatsache, daß Lennon in frühen Jahren Mitglied eines Onanistenclubs um das Portrait von Brigitte Bardot war, genauso beleuchtet, wie ein Sexakt auf einem Grabstein, bei dem sein "Hintern voller Blattläuse" war. Ein Buch mit vielen Anstößen!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Daniel Bigalke [Profil]
veröffentlicht am 19. September 2009

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