Astrid Lindgren: Kalle Blomquist (Gesamtausgabe)

Kalle Blomquist (Gesamtausgabe)

Verlag: Oetinger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinderbuch
ISBN-13 978-3-7891-4130-1

Preis: 16,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. September 2016]
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Die Kalle-Blomquist-Trilogie (in Deutschland erschienen 1950 - 1954) gehört für mich zu den besten Kinderkrimis in Deutschland. Das "Lexikon der Kriminalliteratur" aus dem Corian-Verlag bezeichnete den zweiten Teil "Kalle Blomquist lebt gefährlich" sogar als besten schwedischen Kinderkrimi überhaupt. Im ersten Teil "Meisterdetektiv Blomquist" entlarvt Kalle Blomquist zusammen mit seinen Freunden Anders und Eva-Lotte Juwelendiebe. Dabei bestechen nicht nur die kindgerechten, im lockeren Astrid-Lindgren-Ton gezeichneten Charaktere, sondern auch die Tatsache, wie wichtig logisches Denkvermögen und die Fähigkeit zur Detektion (die Fähigkeit, aus Spuren und Beobahtungen logische Schlussfolgerungen zu ziehen, die zur Aufklärung enes Verbrechens führen) bei der Verbrechensbekämpfung sind. Für den unverwüstlichen Humor der Autorin, die nach eigener Aussage keine Krimis las, spricht der Vergleich des 13-jährigen Kalles mit berühmten literarischen "Vorgängern" wie Lord Peter Wimsey, Hercule Poirot und - natürlich - Sherlock Holmes. Beeindruckend ist, wie psychologich genau die kindlichen Charaktere herausgearbeitet werden - so etwa bei der Erfindung des "anonymen Zuhörers", den Kalle erfindet, um für seine Thesen Lob und Anerkennung zu bekommen. Im zweiten Band hat Astrid Lindgren die Charaktere noch genauer differenziert und altersgemäß entwickelt. Hier zeigt sie am deutlichsten, wie Verbrechen die von ihr idyllisch gezeichnete "heile Welt" konfrontiert. Sie bricht dafür ein "Tabu" im Kinderkrimi, da ein Mord geschieht und Eva-Lotte nur knapp einem Giftanschlag des Mörders entgeht, da sie eine wichtige Zeugin ist. Diese Szene nutzt die Autorin auch dazu, zu vermitteln, wie wichtig neben der im ersten Band geschilderten Fähigkeit zur Detektion auch chemische Kenntnisse sind, ohne die heutige Polizeiarbeit nicht mehr auskommt. So findet Kalle mit Hilfe der von der Autorin (sie hatte zeitweise als Chemieassistentin gearbeitet) ausführlich geschilderten "Marshen Arsenikprobe" heraus, dass eine an Eva-Lotte verschickte Schokolade vergiftet worden war. Astrid Lindgren macht den Kindern nichts vor, sie konfrontiert diese mit der - sehr brutalen - Realität. Gleichzeitig zeigt sie jedoch, dass es eine bessere Welt gibt: zu Entspannung baut sie witzige und humorvolle Szenen ein, etwa in den breit geschilderten Spielen der beiden Kindergruppen, der "roten" und der "weißen" Rose. Zum anderen bereiten diese Bandenspiele die Protagonisten auf die Auseinandersetzung mit den Verbrechern vor, indem sie Fähigkeiten vermitteln, die dazu nötig sind: mittels Zeichen und Geheimsprache ist eine Verständigung in Gegenwart der Verbrecher möglich, die Handlungsorte sind bekannt und ausgeforscht und die Spiele dienen dazu, am Schauplatz des Verbrechens zu sein, wenn dies notwendig ist. Dies wird besonders deutlich im dritten Band der Trilogie. Hier werden die Spiele aufgrund der Verpflichtungen der Hauptpersonen, die älter geworden sind und mehr in den Ferien im Haushalt helfen müssen, in die Nacht verlegt. Dort werden Kalle, Anders und Eva-Lotte prompt Zeugen einer Entführung. Ein schwedischer Professor und sein kleiner 5-jähriger Sohn, den die drei kurz zuvor kennenlernten, wird entführt. Kalle und seine Helfer können den Ort der Entführer finden und schließlich alles zu einem guten Ende führen. Actionszenen wie in amerikanischen Gangsterfilmen (die zu jener Zeit von den Protagonisten gerne im örtlichen Kino gesehen werden) sind hier gehäuft zu beobachten. Auch hier ist die Auseinandersetzung mit den Tätern durchaus realistisch gezeichnet. Gut gelungen sind die Charaktere des kleinen Jungen Rasmus, den der Leser sofort lieb gewinnt, und eines der Entführer, der eigentlich ein harmloser Seemann ist und sich am Ende auf die Seite der Kinder schlägt.
Fazit
Insgesamt ein faszinierender Kinderkrimi. Dies gilt für alle 3 Teile in dieser Gesamtausgabe. Unbedingt lesen und in die wunderbare Welt der Autorin eintreten. Dieses Buch beweist, dass Astrid Lindgren zu recht zu den Großen unter den Kinderbuchautorinnen gezählt hat.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. Mai 2003

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