Mats Wahl: Die Rache

Die Rache

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-423-62396-4

Preis: 7,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Anneli Tullgren kandidiert für die rechtsradikale Gruppierung Nya Serige für einen Sitz im schwedischen Reichstag. Sie ist noch keine 30 Jahre alt und eine kompromisslose Streiterin für Arbeit, Pflicht und Vaterlandsliebe. Als eloquente Kritikerin der so genannten Bittsteller-Gesellschaft fordert Tullgren harte Bandagen gegen die, die den schwedischen Staat ihrer Meinung nach ausnutzen wollen. Peinlich für Anneli ist nur, dass sie vor 13 Jahren als Jugendliche einen Jungen mit Fußtritten tödlich verletzt hat (Der Unsichtbare und Kaltes Schweigen). Als verurteilte Straftäterin, die ihre Strafe abgesessen und im Gefängnis ein Studium abgeschlossen hat, steht die Nachwuchspolitikerin nun im Mittelpunkt heftiger Diskussionen und erhält als Person des öffentlichen Lebens Polizeischutz. Noch kann Anneli nicht ahnen, dass eine erbitterte Gegnerin ihren Tod beschlossen hat. Es ist die 13-jährige Tove, eine der Zwillingstöchter des jungen Mannes, den Anneli damals tötete. Tove ist überzeugt davon, dass Anneli nicht verdient, zu leben; denn Hilmer, von dem Toves Mutter damals Zwillinge erwartete, hätte auch kein Recht auf Leben gehabt. Tove glaubt fest daran, dass ihr Vater solange keinen Frieden finden kann, wie sie ihn nicht gerächt hat. Tove lebt bei ihrer Großmutter, einer Pastorin, die gern an das Gute im Menschen glauben möchte, die Zwillingsschwester Lydia bei der Mutter. Am Familientisch kündigt Tove an, dass sie Anneli töten wird - im klaren Bewusstsein, dass sie mit 13 Jahren noch nicht strafmündig ist. Großmutter Aina weiß sich nicht anders zu helfen, als für Tove einen Termin bei einer Kinderpsychiaterin zu vereinbaren. Toves Mutter Ellen dagegen fühlt sich für Toves unverhohlene Drohungen nicht zuständig. Wenn überhaupt jemand Tove den Rachefeldzug ausreden kann, ist es Kommissar Fors, der das Mädchen schon seit der Zeit kennt, als er im Fall des getöteten Hilmer ermittelte.

Als Anneli in ihrem Haus überfallen und schwer verletzt wird, sieht sich Ermittler Harald Fors plötzlich zwischen den Fronten von verängstigten Bürgern, von Politikern, die sich den kompromisslosen Kampf gegen jugendliche Straftäter auf die Fahne geschrieben haben, und einer für ihre Aufgaben nur unzureichend ausgestatteten und motivierten Polizei. Die schwedische Polizei hat nach einer Reihe von fremdenfeindlichen Vorfällen ihr öffentliches Ansehen verspielt. Eine ausufernde Bürokratie verhindert schnelles Handeln. Die Fälle Anneli Tullgren, die Mord-Drohung von Tove und andauernde Scharmützel mit aggressiven Jugendlichen scheinen für Fors und sein unzureichend ausgestattet Team offensichtlich eine Nummer zu groß. Der von Wahl nüchtern geschilderte schwache Staat kann seinen Bürgern keinen Schutz bieten und duldet im öffentlichen Dienst antidemokratische, nicht leistungswillige Mitarbeiter. Die erwachsenen Söhne des schwer verletzten Seferis finden sich als Opfer einer Gewalttat allein gelassen und greifen zur Selbsthilfe, weil sie die schwedische Polizei für völlig unfähig und für auf dem rechten Auge blind halten.

Wahls Jugendkrimi setzt sich kritisch mit dem Verhältnis Schwedens zu seinen Einwanderern, mit unverhohlenem Rechtsradikalismus, fremdenfeindlichen Tendenzen innerhalb der Polizeikräfte und mit Jugendkriminalität auseinander. Die Figur der Tove, die mit ihren sonderbaren Gedanken bewusst und lustvoll Grenzen überschreitet, steht stellvertretend für das menschliche Bedürfnis nach der Sicherheit eines funktionierenden Rechtsstaates. Tove hat ihren Vater nie kennengelernt. Als nicht geplantes Kind einer sehr jungen Mutter fehlt Tove ganz offensichtlich eine vertraute Person, die ihr in der Pubertät Halt und Orientierung bieten kann. Mit den Rachegefühlen des Mädchens sind Mutter und Großmutter völlig überfordert. Erst Fors nimmt Toves Empfindungen an und kann ihr begreiflich machen, dass niemand Unrecht tun darf, auch niemand, der sich im Recht fühlt.
Fazit
"Die Rache", Wahls dritter Jugendkrimi um Kommissar Fors, erweist sich als spannendes Jugendbuch, das Einblick in die Motive jugendlicher Straftäter wie in die Gedankenwelt ihrer Opfer und deren Angehörigen gibt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 23. März 2009

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