Jeffrey Archer: Das letzte Plädoyer

Das letzte Plädoyer

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-502-10207-6

Preis: 9,88 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Monte Christo heute

Wer dem Klappentext des Buches vertraut und einen Rachethriller erwartet, in dem entweder 12 Geschworene nacheinander ermordet werden oder die Zeugen der Anklage vom Verurteilten in kalter Manier ausgeschaltet werden, der wird in der Geschichte eine Enttäuschung erleben. Einen "Justizthriller" moderner Machart, wie es auf der Rückseite des Buches angekündigt wird, hat Jeffrey Archer definitiv nicht verfasst.

Eher hat er, mit einigen Anspielungen im Buch auch offenkundig, die alte Geschichte von Alexandre Dumas des "Grafen von Monte Christo" für die Gegenwart adaptiert und einer eigenen Interpretation unterzogen. Dass die vier Männer, die den Mord an Danny bestem Freund Bernie auf dem Gewissen haben, für den die Hauptfigur des Romans, Danny, trotz aller Unschuldbeteuerungen und trotz der Aussage seiner ihn treu liebenden Verlobten Beth (die Schwester des Ermordeten Bernie) zu 22 Jahren Zuchthaus verurteilt wird, sich selbst als "die vier Musketiere" bezeichnen, ist nur einer der ganz offenkundigen Hinweise Archers auf sein literarisches Vorbild.

Nicht nur übrigens für den, der das Vorbild von Dumas kennt, sondern eigentlich für jeden aufmerksamen Leser, sind die Ereignisse des Buches vorhersehbar. Weder die (mehrere übrigens) Gerichtsverhandlungen selber noch die vielfältigen späteren Gefährdungen der Hauptfigur Danny bergen große Überraschungen. Die Abläufe vor Gericht werden zwar kenntnisreich und ausführlich dargestellt, geschliffene Dialoge nehmen den Leser mitten hinein in die Finten und Strategien der Anwälte, spannend aber wäre das falsche Adjektiv ("Meister des Spannungsromans", so kündet der Klappentext Archer an). Eher trifft eine Kennzeichnung als "detaillierte Darstellung", hier und gar zu ausführlich und damit einige Längen im Buch auch provozierend.

Dass das altbekannte Sujet dennoch durchaus im Rahmen der Geschichte funktioniert und eine anregende, wenn auch wenig fordernde, Lektüre darstellt, ist der souveränen Gestaltung durch Jeffrey Archer geschuldet. Akribisch und mit vielen Details versehen gestaltet er seine Figuren, vermag es überzeugend, fesselnde innere Entwicklungen einiger der eigentlich Schuldigen darzustellen und legt einen flüssig erzählten "Schicksalsroman" vor, der alle Elemente des "Grafen von Monte Christo" in verfremdeter Weise enthält. Noch einmal führt Archer damit die erzählerische Kraft der alten Geschichte vor Augen. Da stört es nur ein wenig, dass, bei aller Sorgfalt der Figurengestaltung, die Protagonisten ohne große Zwischentöne entfaltet werden. Die Guten sind gut, die Bösen schlecht, die Liebe hält und Aufrichtigkeit ist Teil des guten Charakters.

Die Umstände, die die Flucht Dannys aus dem Gefängnis gelingen lassen, sind zudem unglaublich weit hergeholt und in dieser Form schlechterdings nicht vorstellbar, es sei denn, sämtliches Personal des Gefängnisses samt der Hälfte der Mitgefangenen wären von heute auf morgen völlig erblindet. Gut erzählt aber ist es, was sich Archer als Lösungen gefährlicher Situationen vorgestellt hat, wenn auch in Teilen nicht sonderlich realistisch

Das Ende des Buches wartet dann mit einer in sich logischen und nachvollziehbar konzipierten Lösung all der Verwicklungen, Täuschungen und fremden Identitäten auf, in deren Verlauf die Verhältnisse endgültig zurechtgerückt werden. Alles in Rahmen eines "letzten Plädoyers", in dem die vielen Fäden der Geschichte zueinander finden.
Fazit
Jeffrey Archers Roman bildet eine sprachlich gut gestaltete, moderne Version des "Grafen von Monte Christo", der als eine Form von "Schicksalsroman" besser gekennzeichnet worden wäre denn als "Justizthriller". Mit klaren Abgrenzungen der Figuren untereinander versehen stellt das Buch eine anregende und angenehm Lektüre in den Raum, die mit einigen Längen, teilweise zu detaillierten Alltagsschilderungen und einigen stark konstruierten Wendungen dennoch gut zu unterhalten versteht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 27. April 2011

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