Christine Wunnicke: Serenity

Serenity

Verlag: Osburg Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-940731-06-7

Preis: 1,67 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
Preisvergleich bei buecher24.de
Dr. Rüdiger Varendorf ist Direktor einer Stiftungsbibliothek mit täglich insgesamt zwei Benutzern, Chef über eine Bibliothekarin und eine studentische Hilfskraft namens Urs. Während sich die Bibliothekarin im Lesesaal der Schöpfung textiler Objekte widmet, lässt der Chef seine Hilfskraft ungestört den wertvollen Altbestand einscannen. BWL-Student Urs ist überzeugt davon, dass die Bibliotheks-Idylle auf die tägliche Anwesenheit eines Chefs gut verzichten kann und sinnt darauf, Varendorf zu beschäftigen. Varendorf, ein Meister absurder, weltfremder Schlussfolgerungen, besitzt weder Fernsehapparat noch Auto. Er bekommt nun von Urs einen persönlichen Rechner konstruiert. Aus pädagogischen Gründen haben Urs' Schöpfungen ein offenes Gehäuse, damit man jederzeit verfolgen kann, was in ihrem Innern geschieht. Ulf karrt das zwischen Holzplatten geschraubte Meisterwerk per Einkaufswägelchen heran und entlässt Varendorf in die Welt des Worldwide Web. "Das Internet ist voller Lügen. Passen Sie auf, dass Sie nichts falsch machen." gibt er seinem Boss noch mit auf den Weg. Bei dem Gedanken daran, was Varendorf als Internet-Anfänger bei seinen ersten Gehversuchen alles passieren könnte und vor allem, welche Kosten seine Eskapaden verursachen könnten, fühlt sich der Leser leicht schwach auf den Füßen.

Doch Varendorf hat einen tatkräftigen Schutzengel. Wie eine Enzyklopädie grast unser Geisteswissenschaftler an der Schwelle zum Vorruhestand das Internet ab. Er klickt sich beinahe um den Verstand und landet schließlich in der Welt der Blogs. Varendorf gerät an eine Gruppe bloggender junger Mädchen, die behaupten aus den USA und Australien zu stammen. Varendorf nennt sich nach einem Herpes-Balsam spontan "Serenity" und kommuniziert fortan als angeblich 15-jährige Münchnerin in Kürzestsätzen über Manga, Zellulite und den täglichen familiären Kleinkrieg. Varendorf rechtfertigt seine Nachtsitzungen vor sich selbst damit, dass er zum Thema Internet für die NZZ recherchieren würde. Doch zunächst muss er umgehend online und "real" seine Kenntnisse der weiblichen Psyche ausbauen, besonders der Psyche heranwachsender Mädchen. Blog-technische Herausforderungen treffen Schlag auf Schlag in Varendorfs Mailbox ein: Die Kanadierin April_Chan, eine seiner nächtlichen Blog- und Chat-Bekanntschaften, glaubt in Varendorf einen Bruder im Geiste getroffen zu haben, mit dem sie sich über paranormale Fähigkeiten austauschen kann. "Serenity" bildet sich derweil über Manga, Katzen, Psychotests und Piercings fort, um den Einträgen seiner Grazien folgen zu können. Die sind überzeugt davon, dass Serenity ihnen nichts vormachen könne; denn sie haben inzwischen alle Informationen über die Neue doppelt und dreifach per Persönlichkeitstest überprüft. Absolut köstlich geschildert ist Varendorfs verhaltene Art, sich von Urs Ratschläge über das Internet zu holen und Urs dabei im Unklaren zu lassen, für welchen Zweck sein betagter Internet-Azubi diese Ratschläge benötigt.
Fazit
Wunnickes spannende und zugleich rührende Internet-Groteske nimmt treffend die Abenteuer eines weltfremden Gelehrten in der virtuellen Welt aufs Korn.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

weitere Rezension zu diesem Buch schreiben
Rezension als PDF-Datei speichern
Direkt verlinken: http://www.buchtips.net/rez3876.htm

weiterführende Links:
noch keine Links vorhanden
Link vorschlagen zu: Christine Wunnicke, Serenity (zu dieser Rezension), Serenity (allgemein zu diesem Buch)

Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 25. Dezember 2008

Buchtips.net 2002 - 2016  |  Kontakt  |  Impressum