D.H. Lawrence: Lady Chatterley's Lover

Lady Chatterley's Lover

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-257-23650-7

Preis: 11,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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"Lady Chatterley" war ein Skandal- Buch Anfang des 20. Jhd. Die Freizügigkeit, mit der Lawrence über die Bedürfnisse einer Frau, ihren Orgasmus und ihrer Begeisterung am männlichen Geschlecht, erzählte. Auch heute, will ich meinen, ist es eine überraschend unverblümte aber nicht plumpe Herangehensweise an das Tabu-Thema Sex, was heutzutage kaum als solches bezeichnet werden kann, heute ist es eher das Gegenteil.
Doch der Roman war bis in die 50er Jahres des 20.Jhd eine so brissante Angelegenheit, dass sie nur mit Beschneidungen veröffentlicht werden konnte. Dabei schreibt Lawrence keineswegs schmutzig oder obszön, er bedient sich einer sehr behutsamen, überlegten aber dennoch klaren Sprache.
Aber damals war es ein Unding, die Gelüste und deren Befriedung einer Frau in solch deutlicher und ungeschmückter Art zu verkünden. Keine Frau von Stand hatte einen Trieb zu haben, und wenn dann nur zu Hause.
Leid zu ertragen war eine Kunst, die damals v.a. Frauen zu beherrschen hatten, man heiratete selten aus Liebe und musste sich damit abfinden, aber Constance ging her und befreite sich aus dieser Lage, sie lebte ihre Bedürfnisse aus und rettete sich somit das Leben, klar war sie egoistisch.
Was sind die Unterschiede? Da gibt es einige. Zu erst ist schon mal das Wirrwarr um den Titel zu klären. Im englischen heißt die endgültige und "autorisierte" Version "Lady Chatterley’s Lover, im Deutschen heißt die 1.Fassung schlicht "Lady Chatterley". Dann veröffentlichte Diogenes im Jahre 1975 die 2.Fassung unter dem Titel "John Thomas and Lady Jane" (diesen Titel hatte Lawrence als endgültigen Titel vorgesehen gehabt, umgangssprachlich stehen diesen beiden Namen für die Geschlechtsteile. Aber Lawrence musste das im Subtitel verstecken, also hieß der Roman "Lady Chatterley’s Lover- John Thomas and Lady Jane"). Die mir vorliegende Auflage aus dem Jahre 2007 heißt nun "Lady Chatterley’s Lover".

Andere Unterschiede:
Der Waldhüter in der endgültigen Version heißt Mellors, aber nicht nur der Name ist anders, der ganze Typus ist ein anderer. Mellors ist intellektuell, hat es im Krieg bis zum Offizier geschafft und spricht mehrere Sprachen, er ist groß gewachsen und hat blaue Augen. In der 2.Fassung heißt der Wildhüter Parkin, dunkelhaarig, von mittlerer Körpergroße mit Schnauzbart, ein einfacher Arbeiter. Parkin passt besser in das Bild, was Lawrence zeichnet wollte: Dass Liebe Hürden überwinden kann und vor nichts zurückschreckt. Mellors war viel annehmbarer für die Constance aus dem Adel, er konnte sich mit ihr auf ihrer Ebene unterhalten, er war kein so großes Ding der Unmöglichkeit, wie es Parkin ist. Er steht tiefer als Mellors, es wäre eine Schande für Connie, sich mit ihm einzulassen.
Clifford ist in der 2.Fassung erst überglücklich, dass er den Krieg überlebt hat, egal ob gelähmt oder nicht, er kann es nicht fassen. Mit den Jahren legt sich diese Euphorie und er fällt in eine Depression, in die er Connie mitreißt. Sie wird immer mehr zum Gespenst in Wragby und in Cliffords Gegenwart, sie fühlt wie sie innerlich verrottet und langsam dahin siecht. Mit Eintreffen der Pflegerin Mrs. Bolton ändert sich alles. Clifford widmet sich seinem maroden Geschäft, den Zechen, von denen er lebt und die lange nicht mehr gut laufen und Connie bekommt mehr Freiheit.

Clifford ist ein unguter Mensch, gehässig und stolz, beharrt auf alte Hirachiesysteme, will seinen Arbeitern kein Mitspracherecht erlauben, hält sie für dumm und einfältig und glaubt, dass er der rechtmäßige Herr über sie und es amüsiert ihn zu sehen,dass seine Frau sich auf die Seite der Unterworfenen stellt.

Die Beziehung von Connie Parkin rettet beide aus ihrer dunklen Gemütslage, sie finden ineinander die Freiheit, die sie gesucht haben, das Ungezwungene und die Möglichkeit frei zu lassen. Es bindet sie die Angst einen weiteren Verlust zu erleiden und die Hingabe aneinander. Zum ersten Mal bedeutet Körperlichkeit für Connie was, da kann sie sich frei fühlen von Scham und Klassendenken, von Clifford und der Düsterkeit von Wragby. Die Einfachheit von Parkin ist für sie kein Hindernis, sie schämt sich nicht für die Affäre und sie fordert sie für sich als lebensrettende Maßnahme ein.
Im Gegensatz zur endgültigen Fassung erfährt Clifford in der 2.Fassung nie was von der Affäre seiner Frau.

Das Ende ist hoffnungsvoller, und der Leser nimmt ein letztes Mal teil an der innigen Verbundenheit und der Verlustangst von Connie und Parkin.
Fazit
Auch die 2.Fassung ist eine Lesefreude, auch wenn mir Mellors aufgrund seiner Männlichkeit besser gefallen hat, so hat mir der Arbeitermensch Parkin und seine unbeholfene Liebe zu Connie mehr angerührt.
Gut, dass es beide Fassungen gibt.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Diyani Dewasurendra [Profil]
veröffentlicht am 18. Dezember 2008

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