Sebastian Haffner: Der Teufelspakt

Der Teufelspakt

Verlag: Manesse [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-7175-4028-1

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Sebastian Haffners brilliante Analyse "Der Teufelspakt": 50 Jahre deutsch-russische Beziehungen" ist zuerst im Rowohlt-Verlag 1968 erschienen. Das Buch ist deshalb so interessant, weil es die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Kaiserreich und Lenin erstmals detailliert aufgezeichnet hat. Dieses Thema ist mittlerweile wieder aktuell geworden. Gerd Koenen hat in seinem preisgekrönten Werk "Der Rußland-Komplex" im Jahre 2005 Haffners Erkenntnisse wiederholt und erst im vergangenen Jahr hat der "Spiegel" ein Heft mit dem Titel: "Die gekaufte Revolution: Wie Kaiser Wilhelm II. Lenins Oktoberrevolution mitfinanzierte" geschrieben. Das Kapitel findet sich heute - verfasst von Klaus Wiegrefe auch im Spiegel-Spezial-Heft Geschichte: "Experiment Kommuinismus" (eine hervorragende Zusammenfassung der Geschichte des kommunistischen Rußlands zwischen 1917 und 1991) unter Kapitel 1: "Die Deutschen und die Revolution." Wiegrefe stützt sich hier auf die gleichen Quellen - und natürlich noch neuere - auf die sich schon Sebastian Haffner stützen konnte. Und hier zeigt sich die Brillianz Haffners: letztlich erfährt man aus Wiegrefes Artikel nicht wesentlich "Neues", wenn man Haffners Analyse von 1968 schon gelesen hat - und dies spricht für Haffner.

Der Manesse-Verlag hat sich allerdings entschieden, Haffners ursprüngliches Werk massiv zu kürzen. Die Manesse-Ausgabe enthält ungekürzt lediglich die Kapitel 1 bis 6 (Deutschland und die russische Revolution, Brest-Litowsk, Der Strick und der Gehängte, Rußland und die deutsche Revolution, Rapallo, Die Reichswehr und die Rote Armee). Das Kapitel 7: "Hitler und Stalin" findet sich im Manesse-Verlag stark gekürzt, in der Original-Ausgabe ist das Kapitel in 2 Teile geteilt: "Hitler und Stalin", "Pakt und Krieg". Die Motive Stalins zu den Massen"säuberungen" und -vernichtungen nach 1934, die Haffner in Zusammenhang mit dem geplanten "Schwenk" der Stalinschen Außenpolitik gegen den Westen und zugunsten Hitlers interpretiert, findet sich in der Manesse-Ausgabe ebenso wenig wieder wie die Beschreibung der Affaire Tuchatschewski, der 1937 von Stalin - aufgrund ihm zugespielter Falsch-Informationen durch Heydrich - mitsamt der Spitze der Roten Armee ermordet wurde. Auch das erschütternde Kapitel 9: "Die Deutschen in Rußland", in welchem der Vernichtungskrieg der Deutschen gegen die russische Bevölkerung, aber auch die Funktion der russischen Wlassow-Bewegung, einem - im nachhinein gescheiterten - Versuch russischer Generäle, ein Bündnis zwischen Deutschland und russischen antistalinistischen und antikommunistischen Offizieren zustande zu bringen - fehlt in der Ausgabe des Manesse-Verlages. Dies bleibt mir unverständlich und daher gebe ich einen Punkt Abzug.

Sehr gut verstehen kann ich allerdings, dass der Manesse-Verlag darauf verzichtet hat, die nach 1945 spielenden Kapitel: "Die Russen in Deutschland, Adenauer, Ulbricht und Moskau, Die Berlin-Frage und die Folgen" abzudrucken. Sie sind nicht mehr von der klaren brillianten Analyse der ersten Kapitel geprägt und enthalten viele Elemente, die aus der damaligen Situation (1968) heraus interessant, heute aber eher unwichtig geworden sind, da sie sich mit der Deutschen Einheit erledigt haben und unzutreffende Spekulationen, etwa in Bezug auf die Motive Stalins in Bezug auf seine berühmte Note von 1952.

So ist es ein Verdienst des Manesse-Verlages, durch die Kürzungen eine heute noch mustergültige Analyse der deutsch-russischen Beziehungen zwischen 1914 und 1945 vorgelegt zu haben, eine Analyse, die erst durch Gerd Koenens obiges Buch aktualisiert und übertroffen wurde.

Und da Haffner sehr anregend schreibt - er hat die Fähigkeit, das Wichtige vom unwichtigen zu trennen, das Wesentliche herauszuarbeiten und spannend wie ein Roman darzustellen (nicht umsonst sagt er, die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen in dieser Zeit sei "spannender wie ein Roman") lohnt sich die Lektüre dieses Buches von 1968 - auch in der gekürzten Fassung des Manesse-Verlages von 1988 - immer noch. Es schildert grundlegend die wesentlichen Stationen der so wechselvollen Beziehungen Rußlands und Deutschlands zwischen 1914 und 1945, die mit dem "Teufelspakt" zwischen dem Kaiserreich und Lenin 1917 begann und mit dem "Teufelspakt" von 1939, dem Hitler-Stalin-Pakt, einen Höhepunkt fand, der dann zum blutigen Finale, dem Krieg zwischen Deutschland und Rußland 1941 bis 1945 führte, der unzweifelhaft ein Angriffskrieg Hitlers gewesen ist. Dies hat Haffner, dessen Buch zunächst beim Erscheinen von der damaligen sowjetischen Führung zutiefst abgelehnt worden war (weil eben die geheime Zusammenarbeit zwischen Lenin und dem Kaiserreich erstmals enthüllt worden war) glänzend herausgearbeitet.
Fazit
Wer also über die deutsch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1914 und 1945 genau informiert werden möchte, der kommt an Haffners Buch - wie auch an dem von Gerd Koenen aus dem Jahre 2005 - nicht vorbei. Dass Haffners Buch heute noch so aktuell erscheint wie 1968, zeigt die Fähigkeit dieses Autors, durch brilliante Analyse wegweisend zu wirken. Und dies hat er - auch mit diesem Buch - getan.
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 06. April 2008

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