Annette Pehnt: Mobbing

Mobbing

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-492-05070-8

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Joachim Rühler hat eine neue Chefin bekommen. Von den gewohnten Kommunikations-Wegen am Arbeitsplatz abgeschnitten, wird er bald darauf kaltgestellt und erhält schließlich die fristlose Kündigung. Dass im Öffentlichen Dienst anscheinend so einfach fristlos gekündigt werden kann, mag Rühlers Frau kaum glauben. Die Ereignisse hinterlassen ihre Spuren im Familienleben. Nüchtern beschreibt Jos Frau, wie sich die Rühlers einander nach einer Aneinanderreihung von Fehleinschätzungen, Missverständnissen und Unterstellungen entfremden. Jos Situation als gemobbter Arbeitnehmer spiegelt sich im Erleben seiner Frau. Sie erlebt Jos Welt wie aus zweiter Hand, zweifelt bald an seiner und ihrer Urteilsfähgikeit. Als Leser muss man sich aus dem Wenigen, das Jo preisgibt, selbst ein Bild machen.

Schon als Rühlers ihr zweites Kind erwarteten, kreisten Jos Gedanken nur um seinen Arbeitsplatz. Nach der Geburt erfährt Jos Frau kaum Unterstützung, hat zwei kleine Kinder zu versorgen und einen Patienten im Haus, der jedes ihrer Worte in den falschen Hals bekommt. Zwischen Dulden und Schweigen blitzt bei Jos Frau ab und zu Widerspruch auf. Von der Kündigung hatte sie sich erhofft, dass Jo nun zu Hause ist, sie mit den Kindern unterstützt, dass er mit seiner unerwarteten Freizeit etwas anzufangen weiß. Nichts ist in Ordnung bei Rühlers. Jo kann sich nur schwer ins profane Alltagsleben einfügen; Überlegungen, dass seine Frau arbeiten und er zu Hause bleiben könnte, versanden. Beide Partner nehmen nur die eigene Perspektive wahr. Die Familie kann in alltäglichen Ritualen keinen Halt mehr finden. Schließlich ertragen - bei allem Mitgefühl - selbst alte Freunde das geballte Unglück nicht länger und ziehen sich zurück. Auch nachdem Jo seine Klage vor dem Arbeitsgericht gewonnen hat, befindet er sich noch immer im Krieg. Selbst der Satz "Wir haben gewonnen" hinterlässt beim Lesen ein ungutes Gefühl; denn seit der Kündigung ist Jo kein Ehepartner, kein Vater mehr; er ist zum überempfindlichen Einzelgänger geworden.
Fazit
Annette Pehnt hat ein wichtiges soziales Thema auf hohem literarischen Niveau dargestellt. Präzise und nüchtern protokolliert sie Jos Demütigung am Arbeitsplatz und die daraus enstehende Entfremdung zwischen Jo und seiner Frau.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 26. Februar 2008

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