Joachim Rühler hat eine neue Chefin bekommen. Von den gewohnten
Kommunikations-Wegen am Arbeitsplatz abgeschnitten, wird er bald darauf
kaltgestellt und erhält schließlich die fristlose Kündigung. Dass im
Öffentlichen Dienst anscheinend so einfach fristlos gekündigt werden kann, mag
Rühlers Frau kaum glauben. Die Ereignisse hinterlassen ihre Spuren im
Familienleben. Nüchtern beschreibt Jos Frau, wie sich die Rühlers einander nach
einer Aneinanderreihung von Fehleinschätzungen, Missverständnissen und
Unterstellungen entfremden. Jos Situation als gemobbter Arbeitnehmer spiegelt
sich im Erleben seiner Frau. Sie erlebt Jos Welt wie aus zweiter Hand, zweifelt
bald an seiner und ihrer Urteilsfähgikeit. Als Leser muss man sich aus dem
Wenigen, das Jo preisgibt, selbst ein Bild machen.
Schon als Rühlers ihr zweites Kind erwarteten, kreisten Jos Gedanken nur um seinen Arbeitsplatz. Nach der Geburt erfährt Jos Frau kaum Unterstützung, hat zwei kleine Kinder zu versorgen und einen Patienten im Haus, der jedes ihrer Worte in den falschen Hals bekommt. Zwischen Dulden und Schweigen blitzt bei Jos Frau ab und zu Widerspruch auf. Von der Kündigung hatte sie sich erhofft, dass Jo nun zu Hause ist, sie mit den Kindern unterstützt, dass er mit seiner unerwarteten Freizeit etwas anzufangen weiß. Nichts ist in Ordnung bei Rühlers. Jo kann sich nur schwer ins profane Alltagsleben einfügen; Überlegungen, dass seine Frau arbeiten und er zu Hause bleiben könnte, versanden. Beide Partner nehmen nur die eigene Perspektive wahr. Die Familie kann in alltäglichen Ritualen keinen Halt mehr finden. Schließlich ertragen - bei allem Mitgefühl - selbst alte Freunde das geballte Unglück nicht länger und ziehen sich zurück. Auch nachdem Jo seine Klage vor dem Arbeitsgericht gewonnen hat, befindet er sich noch immer im Krieg. Selbst der Satz "Wir haben gewonnen" hinterlässt beim Lesen ein ungutes Gefühl; denn seit der Kündigung ist Jo kein Ehepartner, kein Vater mehr; er ist zum überempfindlichen Einzelgänger geworden. Fazit
Annette Pehnt hat ein wichtiges soziales Thema auf hohem literarischen Niveau
dargestellt. Präzise und nüchtern protokolliert sie Jos Demütigung am
Arbeitsplatz und die daraus enstehende Entfremdung zwischen Jo und seiner Frau.
Haus der Schildkröten Ich muss los! weitere Rezension zu diesem Buch schreiben Rezension als PDF-Datei speichern Direkt verlinken: http://www.buchtips.net/rez2997.htm Vorgeschlagen von Helga Buss
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