David Adams Richards: Brennendes Eis

Brennendes Eis

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-10-010110-5

Preis: 0,38 Euro bei Amazon.de [Stand: 24. September 2016]
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"Mein Sohn, ich bin den Großteil meines Lebens ungerecht behandelt worden" sagt Syd zu Lyle. Syd Henderson konnte sich noch nie gegen andere wehren. Lyles Kindheit war davon geprägt, dass die Leute seinen Vater für einen Einfaltspinsel hielten. Als Lyle 13 Jahre alt war, wurde er so wütend auf Syd und den ganzen Schlamassel, dass er den Laden im Dorf abfackelte, die Schule schmiss und sich als Holzfäller durchschlug. Jahre später erzählt Lyle dem Polizisten Therieux aus seinem Leben. Er erinnert sich an die zugige Bruchbude voller Bücher, in der er aufgewachsen ist, an seine Mutter Elly und die jüngeren Geschwister. Obwohl Syd aus einfachen Verhältnissen stammte und immer schwer arbeitete, hatte er einen natürlichen Sinn für Würde. Syd hatte als Kind mit Connie Devlin auf dem verschneiten Kirchen-Dach gerangelt. Connie stürzte vom Dach, blieb aber glücklicherweise unverletzt. Der schockierte Syd beschloss, nie wieder Gewalt anzuwenden. Connie Devlin sollte ihm noch öfter im Leben in die Quere kommen. Auch Lyles Mutter Elly Gowan konnte sich schlecht gegen andere zur Wehr setzen. Sie erinnerte sich an nichts als Schikanen im Waisenhaus als sie Lyle kennen lernte.

Lyle arbeitet für Leo MacVicers, den Sägewerksbesitzer und lebt natürlich auf MacVicers Land. Der alte Leo herrscht wie ein antiker Tyrann über sein Imperium aus Wäldern, Holzhandel und Lebensmittelgeschäft. Alle sind von ihm abhängig; er stellt ein, entlässt und entscheidet, wessen Kindern er den Schulbesuch finanziert. Von Arbeitnehmer-Rechten, Gesetzen oder Naturschutz-Bestimmungen haben seine Arbeiter noch nie gehört; sie haben zu kuschen und für Leos milde Gaben dankbar zu sein. Als gäbe es ein Naturgesetz, dass die, denen es schon schlecht geht, noch weitere Schicksalsschläge aufgeladen bekommen, geraten Elly und Syd unverschuldet in einen Strudel aus Misserfolgen und übler Nachrede. In ihrem abgelegenen Tal kommt es zu Mord, Vergewaltigung und Erpressung.

Lyle kennt seinen Vater - gläubig und bescheiden bis zur Selbstaufgabe - nur als Opfer von Nachbarn und Kollegen. Um Schulden abtragen zu können, sucht Syd schließlich außerhalb des Tals Arbeit und schickt regelmäßig Geld. Lyle versucht, unter deprimierenden Lebensbedingungen für seine Mutter und die Geschwister zu sorgen. Den Verrat an seinem Vater kann er nicht vergessen; er brütet über Racheplänen, säuft und läuft völlig aus dem Ruder. Er hat es allen gezeigt - ist geworden, was die Leute seiner Familie schon immer unterstellt haben. Im letzten, dramatischen Kapitel deckt der Autor seine komplizierte Konstruktion auf - Lyle hat endlich herausgefunden, was damals warum passierte.
Fazit
Richards Schilderung der bitteren Armut, in der Syd und seine Familie leben, wirkt unwirklich und wie aus einer anderen Epoche. Doch der Teufelskreis aus Armut und Unrecht ist in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt. In einem weiten Bogen verknüpft der Autor persönliche Schicksale mit wirtschaftlichen und ökologische Problemen der 80er Jahre zu einem gekonnt erzählten Gesellschaftspanorama.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 12. Februar 2008

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