Susanne Hornfeck: Ina aus China

Ina aus China

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-423-62330-8

Preis: 8,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 26. September 2016]
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Die junge Frau, die in Taipeh auf dem Markt einkauft, sieht aus wie eine Einheimische, doch die chinesische Sprache kommt ihr nur zögernd über die Lippen. Als der Verkäufer Chen Ynna anspricht, zieht ihre Kindheit im Shanghai der 30er Jahre an ihr vorbei. Ynna (Silbermädchen) war in der ehemaligen französischen Konzession in Shanghai aufgewachsen. Im Sommer 1937 befürchtet Vater Chen einen Angriff der japanischen Armee. Wie viele andere Familien schickt er sein einziges Kind Ynna in ein Kinderheim nach Tsingtau. Doch auch Tsingtau hält Herr Chen nicht für sicher genug. Ynnas Cousine Meihua studiert in Deutschland und so reift die Idee, die 7-Jährige Ynna nach Brandenburg an der Havel zu schicken. Sie kann dort als Pensionsgast bei Frau von Steinitz leben, bei der schon Meihua und ihre Brüder während ihrer Ausbildung gewohnt haben. Meihua und Ynna begeben sich per Schiff und mit der Bahn auf die lange Reise nach Deutschland. Meihua beginnt in Berlin ihr Studium und Ynna (die nun Ina genannt wird) ist in der fremden Umgebung allein. Für die aufgeweckte kleine Chinesin ist das Leben in Deutschland ein Kulturschock: die Deutschen essen und trinken völlig anders, sie öffnen ihre Bücher vorn und unter einem Markt stellen die Menschen sich hier etwas ganz anderes vor als die Chinesen. Flink entdeckt Ina zusammen mit der deutschen Sprache ihre neue Umgebung. Als der erste Brief ihres Vaters in Brandenburg eintrifft, stell Ina zu ihrem Schrecken fest, dass sie ihn nicht allein lesen kann. Sie hatte vor ihrer Abreise in China noch nicht genug Schriftzeichen gelernt, um Chinesisch lesen zu können. Meihua kommt nun regelmäßig zu Besuch, um Ina Chinesisch-Unterricht zu geben. Die kleine Cousine soll ihre Muttersprache nicht vergessen. Der beginnende Nationalsozialismus mit seinen Aufmärschen, Jugendbünden und seinem martialischen Vokabular fordert Inas Anpassungsfähigkeit heraus. Man kann die Gedanken förmlich in ihrem Kopf arbeiten sehen: Wenn die Juden die Feinde der Deutschen sind und Ina gar keine Deutsche ist, dann kann der jüdische Vater ihrer Freundin Inge doch wohl nicht Inas Feind sein? Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs wird Inas Lage als Ausländerin in Deutschland zu gefährlich; die 13-Jährige muss ihre Flucht aus Deutschland vorbereiten.
Fazit
Susanne Hornfecks Roman beruht auf einer wahren Geschichte. Die Autorin verknüpft spannend und glaubwürdig Inas Abenteuer in der Fremde und ihre Begegnung mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Mit großem Einfühlungsvermögen gibt Hornfeck Einblick in die Gefühle eines Kindes, das ohne Eltern in einem vermeintlich sicheren Land mit einer ihm völlig fremden Kultur konfrontiert wird. Die erwachsene Ina lenkt mit dem Rückblick auf ihre Kindheitserlebnisse die Aufmerksamkeit der Leser vom persönlichen Schicksal auf unterschiedliche Aspekte des Fremdseins und des Rassismus in der Gegenwart. Ein Jugendbuch, das auch erwachsene Leser bewegen wird.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Oktober 2007

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