"Ehe wir hier jetzt noch lange rumreden, mache ich das doch lieber
selbst." Martin Posth (damals Personalvorstand bei AUDI Ingolstadt) hatte
seinem Gesprächspartner in der VW-Personalabteilung signalisieren wollen, dass
er sich als ersten Mann im in Anting bei Shanghai geplanten Automobilwerk einen
Vollblutunternehmer wünschte, der mit Menschen umgehen kann. Der
Personalfachmann für Auslandseinsätze nahm ihn beim Wort. Posth begann 1984
gemeinsam mit Hans-Joachim Paul und einem kleinen Team deutscher Mitarbeiter die
Vorarbeiten für das Joint-Venture zwischen der Volkswagen AG und dem damaligen
Staatsbetrieb STAC.
Zu einer Zeit als Pudong noch hauptsächlich aus Reisfeldern bestand und in chinesischen Staatsbetrieben jährlich insgesamt rund 6000 Pkw für das ganze Land gebaut wurden, hatte in beiden Ländern noch niemand etwas von Cross Cultural Management gehört. Das Team unter Posth/Paul machte in China alles anders als an anderen Standorten, qualifizierte zukünftige Mitarbeiter, entwickelte ein gemeinsames Leitbild für das Unternehmen und legte so den Grundstein für die erfolgreiche Produktion eines an den chinesischen Markt angepassten Santana-Modells. Posth vergleicht die Herausforderungen des Gemeinschaftsunternehmens mit denen der Wende im wiedervereinten Deutschland 1989. Selbstkritisch erinnert er sich daran, wie deutsche Techniker ihre Qualitätsanforderungen in ein Team mit chinesischen Kollegen einzubringen versuchten, von denen bislang nur erwartet worden war, Anordnungen ausführen und sich anzupassen. Sich aus dem eigenen hierarchischen Denken innerhalb des Mutterkonzerns zu lösen, fiel den deutschen Mitarbeitern nicht leicht. Welche Anpassungsleistung ihre chinesischen Kollegen bewältigten, wird erst in der Rückschau und aus den Erinnerungen dieser Kollegen an ihre erste Zeit bei Shanghai Volkswagen deutlich. Fazit
Martin Posth beschreibt aus der Perspektive eines Pioniers der ersten Stunde den
Beginn deutsch-chinesischer Zusammenarbeit in China so fesselnd, dass man sein
Buch erst aus der Hand legt, nachdem auch die letzte Seite gelesen ist. Es wird
bei seinen Mit-Pionieren auf großes Interesse stoßen. Jedem Kapitel folgt ein
Kasten mit Posthschen Gesetzen für deutsche Unternehmen, die auf dem
chinesischen Markt Fuß fassen wollen. Das Lernen aus der Geschichte ist eng mit
der chinesischen Kultur verknüpft. Ob Posths Lehrsätze seinen jüngeren
Nachfolgern vermittelbar sind, wird die Zukunft zeigen.
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