Anka Muhlstein: Die Gefahren der Ehe: Elisabeth von England und Maria Stuart

Die Gefahren der Ehe: Elisabeth von England und Maria Stuart

Verlag: Insel-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-458-17273-4

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Anka Muhlstein hat in ihrer flüssig zu lesenden Doppelbiographie das Leben der beiden Königinnen Elisabeth I. und Maria Stuart packend und fesselnd dargestellt. Dabei stützt sich die Autorin, wie die umfangreiche Bibliographie zeigt, auf den neuesten Forschungsstand.
Elisabeth I., als Bastard verschrien, da sie die Tochter Heinrichs VIII. aus seiner Ehe mit der enthaupteten Anna Boleyn war, wuchs unter Lebensgefahr am Hofe auf, die sich verstärkte, als Heinrich VIII. am 29. Januar 1547 starb. Sie musste sich verstellen, um während der Herrschaft ihrer Schwester Maria der Katholischen 1553-1558 nicht ermordet zu werden. Doch sie überlebt diese Zeit, wird als Elisabeth I. deren Nachfolgerin und ordnet die Interessen ihres Landes strikt ihren persönlichen Interessen unter. So weigert sie sich, zu heiraten oder sich in einen Krieg auf dem europäischen Kontinent hineinziehen zu lassen.

Im Gegensatz dazu hat Maria Stuart, die schottische Königin, niemals die Interessen ihres Landes bedacht und handelt ohne politischen Verstand, wobei sie vor Mord und Intrigen - unter anderem an ihrem Ehemann Darnley nicht zurückschreckt. Schließlich muss sie vor ihren Gegnern nach England fliehen. Dies tut sie, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass Elisabeth keinen Bürgerkrieg in England haben wollte und eine katholische Königin, die als Thronprätendentin Anspruch auf ihren eigenen Thron erhoben hätte. Maria wird eingekerkert und nach einem geplanten Attentat auf Elisabeth 1587 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Damit war Elisabeth I. auf Dauer die gefährliche Rivalin losgeworden, die während ihrer ganzen Gefangenschaft einen "verhängnisvollen Mangel an Wirklichkeitssinn" bewiesen hatte. Allerdings hatte die Hinrichtung der schottischen Königin schwerwiegende Folgen: so wurde erstmals ein Souverän von einem anderen hingerichtet, das Gottesgnadentum der monarchischen Herrschaft damit in Frage gestellt. Somit wurde mit der Ermordung Maria Stuarts ein weitreichender Präzedenzfall geschaffen, der später die Verurteilung und Ermordung Karls I., des Enkels von Elisabeth I. ebenso ermöglichte wie die Todesurteile für Ludwig XVI. von Frankreich und seiner Gemahlin Marie-Antoinette.

Anka Muhlstein stellt sich in dieser Biographie jedoch eindeutig auf Seiten der englischen Königin. Im Gegensatz zu früheren Biographen von Maria Stuart, etwa Stefan Zweigs, sieht sie in Elisabeth nicht das unheilvolle Monster, welches ihre Cousine ermordete, sondern die Königin, die den Bürgerkrieg verhinderte. "Man konnte ihre [Elisabeths, B.N.] Entscheidung in moralischer Hinsicht anzweifeln;...doch man konnte unmöglich bestreiten, daß sie in politischer Hinsicht recht hatte, als sie Maria aus dem Weg räumte. Nach den Wirren, die von ständigen Komplotten und fortwährenden Bedrohungen geschürt wurden, kehrte Ruhe ein." Nach dem Sieg über die spanische Armada 1588, die zum großen Teil ebenfalls der Umsicht Elisabeths zu verdanken war, erlebte England innen- und außenpolitisch eine Blütezeit und der realistischen, "jungfräulichen" Königin, die in Filmen - etwa der großen Bette Davis von 1955 - unsterblich wurde.

Diese Rehabilitierung Elisabeths und kritische Distanzierung von Maria Stuart prägt die vorliegende Biographie. Sie orientiert sich aber an den historischen Fakten und rückt von der ungerechtfertigten Glorifizierung Maria Stuarts, wie sie etwa Schillers Drama oder Zweigs Biographie prägten, die kritisch am Ende (S. 309-311) reflektiert werden, ab. Und dies ist - neben dem flüssigen und angenehmen Lesestil, äußerst wohltuend.
Fazit
Wer historisch getreu und mit einem Mindestmaß an Objektivität über diese beiden Frauen auf heutigem Forschungsstand gut informiert werden möchte, der greife zu diesem eindrucksvollen Buch, bei dem auf rund 320 Seiten alles Wesentliche zu beiden Frauen gesagt wird. Unbedingt lesenswert.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. März 2006

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