Klaus-Rüdiger Mai: Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow

Verlag: Campus Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-593-37400-1

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Noch eine Biographie über Michail Gorbatschow? fragte ich mich, als ich die Ankündigung gelesen hatte. Ich interessiere mich sehr für die neuere russische Geschichte und habe alle bisher in Deutsch erschienenen Gorbatschow-Biographien, von der von Christian Schmidt-Häuer bis zu der jetzigen von Klaus-Rüdiger Mai gelesen. Um es kurz zu sagen: diese Biographie ist beeindruckend für denjenigen, der genauer über die Kultur- und Geistesgeschichte Russlands informiert werden möchte. in Anlehnung an die Publikationen von Richard Pipes, Orlando Figes und Alexander Jakowlew zeichnet der Autor ein bedrückendes Bild über die kommunistische Herrschaft der Sowjetunion. Der Autor verwendet auch Schriften von Gorbatschow, unter anderem dessen Erinnerungen. Dabei wird deutlich, dass Gorbatschow versucht hat, den patrimonialen Staat (Richard Pipes) freiheitlich zu gestalten. Damit ist er gescheitert. Wasilij Grossmans Edikt: "Russland hat in den tausend Jahren seiner Geschichte viel Großes gesehen...Nur eines hatte Russland in dem Jahrtausend nicht gesehen - die Freiheit" (S. 323)ist korrekt. Es bleibt das Verdienst Gorbatschows, die Demokratisierung in Russland eingeleitet zu haben, wird von Dr. Klaus Rüdiger Mai gut dargestellt. Gerade in der heutigen Zeit, in der unter Präsident Putin Autoritarismus und restaurative Tendenzen in Rußland einziehen, wird Gorbatschows Verdienst - im Abstand von 20 Jahren - deutlich. "Gorbatschows Bedeutung für Russland liegt darin, das er wie kein zweiter im vorigen Jahrhundert die Gesellschaft reformiert und die Welt zum Guten verändert hat." Darin ist Mai recht zu geben. Zu kurz kommt mir allerdings die Regierungszeit Gorbatschows ab 1985, insbesondere die wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen. An die Biographie Archie Browns: "Der Gorbatschow-Faktor" (die leider im Literaturverzeichnis nicht erwähnt wird) kommt die Biographie nicht heran. Die Auseinandersetzung mit dem diktatorischen Regime des Stalinismus ist allerdings gut gelungen. Insofern eine - gerade im Abstand - gut zu lesende Kurzbiographie, die die Verdienste Gorbatschows betont, allerdings ihre Schwerpunkte auf die Entwicklung des totalitären Systems vor 1985 hat.
Fazit
Interessant ist das insgesamt nüchterne Fazit: Jelzin und Putin hätten Gorbatschows Erbe verspielt und momentan sei ein Rückschritt zur halbsowjetischen "gelenkten" Demokratie eines Wladimir Putin zu beobachten, der allerdings kein Diktator, allerdings auch kein Demokrat sei. Richtig bleibt, dass ohne das Verständnis der von Gorbatschow geprägten Epoche, Russland nicht verstehen kann. Insgesamt trotz obiger Schwächen eine interessante Einführung in die sowjetische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Lesenswert.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 28. Januar 2006

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