Martin Cruz-Smith: Treue Genossen

Treue Genossen

Verlag: C. Bertelsmann [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-570-00470-8

Preis: 0,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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"Treue Genossen" ist ein sehr nachdenkliches Buch über die Gesellschaft und die politische Situaton in Rußland. Inspektor Renko, den die Fans des Autors bereits in "Gorki Park" erstmals kennenlernen konnten, bemüht sich um die Aufklärung eines mysteriösen Selbstmordes. Der Chef der Firma Novi Rus, Pascha Iwanow, stirbt nach einem Sturz aus seinem Fenster im dritten Stock seines Büros. Dort war er erst rund 10 Minuten vorher eingetroffen, wie eine Videokamera festhält. In seiner Wohnung entdeckt Renko lauter Salz. Wofür brauchte Iwanow Salz? Erst recht verzwickt wird die Sachlage, als sich herausstellt, dass dieses Salz radioaktiv ist. Renkos Vorgesetzter besteht darauf, die Todesursache sei Selbstmord und versucht Renko mit allen Mitteln, an weiteren Ermittlungen zu hindern, die diesen in die Todeszone von Tschernobyl führen. Dort taucht eine weitere Leiche auf...

Dieses Buch ist kein Thriller wie es Gorki Park war. Es ist ein zutiefst nachdenklicher Roman über Kontinuitäten der russischen Gesellschaft vom Kommunismus bis heute. Beeindruckend vor allem die Szenen in der Zone von Tschernobyl, die mich an die Schilderungen von Jurij Scherbaks Buch: Tschernobyl erinnert haben. Dies gilt vor allem für die Charakterzeichnung der dortigen Menschen, die der Autor mit großer Authentizität und viel Feingefühl gezeichnet hat. Sicherlich hat sich Cruz-Smith intensiv mit den dramatischen Ereignissen um die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ihren Folgen beschäftigt.
Fazit
Ich fand das Buch dennoch - insbesondere zu Beginn - etwas zäh zu lesen. Lange Zeit wollte bei mir keine Spannung aufkommen; ich fing immer wieder zu lesen an. Dies mag daran liegen, weil ich einen Thriller im Stile von Gorki Park erwartet hatte. Wie oben bereits dargelegt, werden diese Erwartungen nicht erfüllt. Das Buch besticht jedoch durch enorme Sachkenntnis und realistische, authentische Charaktere. Insbesondere die Persönlichkeit des zähen Inspektors Renko überzeugt. Außerdem gibt der Roman ein meines Erachtens gutes Bild der sogenannten Bismeny, also der kleinen Schicht der russischen Superreichen, die sich in der Ära Jelzin bildete und zu der der Ermordete gehörte. Also ein sehr authentisches Bild der heutigen russischen Gesellschaft, aber auch ihrer Kontinuiten zur kommunistischen Vergangenheit, wird durch diesen Roman gezeichnet. Dies tröstet über einige zähe Stellen, besonders zu Beginn, hinweg. Daher nicht nur für Thrillerfans, sondern für alle Interessierten Rußlands und für alle diejenigen, die sich für die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl interessieren, lesenswert.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 02. April 2005

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