Theo Schwarzmüller: Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-423-31000-1

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Neben Volker Ullrichs Biographie über den Reichsgründer ist dies das lesbarste Werk über Otto von Bismarck. Zunächst zeichnen sich alle dtv-portraits durch Lesbarkeit und besonders durch Übersichtlichkeit aus. Erläuterungen - z.T. farbig unterlegt - und zahlreiche Abbildungen illustrieren den Text. Schwarzmüller ist eine lesbare Biographie gelungen, die keinesfalls den Vergleich mit den Standardwerken von Eyck oder Gall zu scheuen braucht und die großen Zusammenhänge erläutert. Dies gelingt sonst nur Volker Ullrichs Bismarck-Biographie (bei rororo) und der soeben erschienenen Lebensbeschreibung von R. Schmidt (Kohlhammer). Der Werdegang des "weißen Revolutionärs" wird ebenso deutlich dargelegt wie das Wirken des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Bundes- und Reichskanzlers. Dabei wird ebenso auf seine Außen-, wie auch Innen- und Sozialpolitik eingegangen.Während die Außenpolitik insgesamt das Wohlwollen des Autors findet ("Nach 1871 erlebten die Menschen eine Epoche des Friedens, was nicht zuletzt Bismarcks Außenpolitik zu verdanken war"), wenn er auch hier konzediert, dass die Politik des Reichskanzlers immer komplizierter und schwieriger geriet - insbesondere was das schwierige Verhältnis zu Rußland anging, so kritisiert er Bismarcks Innenpolitik, vor allem seinen Kulturkampf, sehr deutlich und kompetent. Auch die Verfolgung der Sozialdemokratie sei nicht nur ein Fehler gewesen; die Willkürmaßnahmen hätten kontraproduktiv gewirkt, waren "'psychologisch und politisch ein schwerer Fehler" (S. 125). Sein Freund-Feind-Denken prägte langfristig die deutsche politische Kultur. Seine Sozialpolitik, Neuland in Europa, knüpfte an patriarchalische Traditionen an. Der Staat als "Fürsorgestaat" sollte bei den Arbeitern Dankbarkeit erzeugen und so der Sozialdemokratie den Boden abgraben. Schwarzmüller hält sich damit an das traditionelle Bismarck-Bild. Er wird weder überschwenglich "verehrt" noch als "Dämon" gesehen, wie dies Willms getan hat. Schwarzmüller argumentiert (wohltunend)differenziert und ausgewogen und verwendet neueste Sekundärliteratur, die im Anhang übersichtlich zusammengefasst ist.
Fazit
Diese Biographie ist unbedingt - vor allem neben der von Volker Ullrich - zu empfehlen, wenn man sich einen ersten Überblick über das Wirken dieses wichtigen Politikers machen möchte. Gut geeignet auch für Referate.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 28. Dezember 2004

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