Francisco José Viegas: Der letzte Fado

Der letzte Fado

Verlag: Bastei Lübbe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-7857-1539-1

Preis: 5,16 Euro bei Amazon.de [Stand: 26. September 2016]
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Daß bei einem Kriminalroman nicht unbedingt das Verbrechen das Spannende sein muss, ist den Fans des Genres spätestens seit Patricia Hightsmith bekannt. Ebenso wie sie benutzt Francisco José Viegas, einer der "besten Romanschriftsteller (...), die in den letzten Jahren am Horizont der portugiesischen Literatur aufgetaucht sind", so die Tageszeitung "Diário de Notícias", Mord und Totschlag lediglich als Rahmenhandlung. Viegas widmet sich mit ausschweifendem Vergnügen den Emotionen und Beziehungen seiner Figuren, allerdings ohne die Spannung zu vermitteln, von der die Romane der "Grande Dame" des Psycho-Krimis leben. Sein zweiter ins Deutsche übersetzte Krimi "Der letzte Fado" dreht sich um das gewaltsame Ableben des Lissabonner Werbefachmanns João Alves Lopes, der mit zwei gezielten Schüssen ins Herz getötet und anschließend, zusammengefaltet wie ein Klappmesser, im Kofferraum seines eigenen Autos am Rande eines kleinen Dorfes in der Nähe von Porto deponiert wird. Die Essenz des Romans bilden das Denken und Handeln der in den Fall verwickelten Personen: Inspektor Jaime Ramos, sein Freund Filipe Castanheira, Maria Amélia Lobo Correia, die João Lopes heimlich in Mexico getroffen hatte und seit seinem Tod verschwunden ist. So dient die Reise des Inspektor Ramos nach Mexiko und Kuba ebenso zur Klärung der Frage wer mit wem und wann und wo gesehen wurde, als auch zur Selbstfindung des Mittvierzigers durch eine unerwartete Urlaubsromanze. Mit Lust belauscht Viegas die Psyche seiner Charaktere, und beschreibt mit lakonischer Distanz ausgiebig die Lebensumstände seiner Figuren. Wenn Filipe Castanheda mit Freunden voller Genuß in Knoblauch und Safran frittierte Stichlinge, Fischsuppe, Pfannkuchen und Frischkäse mit Knoblauchmousse verspeisen darf, oder Jaime Ramos seinem Assistenten Befehle erteilt, um dann "in aller Gelassenheit darauf zu warten, daß sich die Dinge von selbst erledigten", freut sich sicher so mancher Leser über die kleinen, bezeichnenden Fragmente eines portugiesischen Lebensstils. So gesehen paßt auch der Untertitel ganz hervorragend: "Jaime Ramos und Filipe Castanheda ermitteln". Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Ermittlungen, nicht deren Ergebnisse. Am Schluss weiß der Leser, aus welchem Grunde und von wem João Alves Lopes umgebracht wurde, aber anderes bleibt unklar: warum eine zweite Leiche, und was ist aus dem Mörder geworden? Falls Sie als Krimi-Leser darauf bestehen, am Ende über solche Nebensächlichkeiten aufgeklärt zu werden, oder falls Sie sich nicht an detaillierten Beschreibungen portugiesischer Lebenskunst erfreuen können: Finger weg! Andernfalls könnte "Der letzte "Fado" ein literarischer Leckerbissen für Sie sein.
Fazit
Für die Portugal-Liebhaber unter den Krimi-Fans eine wahre Freude, für solche literarisch hochwertiger Kriminalstories ebenso, für Leute, die nicht über die sprichwörtliche portugiesische "paciençia" (Geduld) verfügen, nicht zu empfehlen.
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Vorgeschlagen von Annette Rieck [Profil]
veröffentlicht am 26. Oktober 2004

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