Joachim Fest: Der Untergang

Der Untergang

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-499-61537-5

Preis: 8,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Joachim Fest ist ein guter Erzähler. Dies wird an dem vorliegenden Buch deutlich, in dem er die letzten Tage des Dritten Reiches Revue passieren lässt. Der Wahnsinn des bis zuletzt absolut herrschenden Diktators Hitler wird gut verdeutlicht. Nicht zuletzt dient das Buch als Vorlage zu dem neuen Film von Bernd Eichinger, der zur Zeit in den Kinos anläuft. Dies war Anlass für mich, das Buch erneut zu lesen. Trotzdem habe ich mich gefragt: Warum dieses - sicherlich brilliant geschriebene - Buch? Es bringt gegenüber dem von Fest selber zitierten Werk von Hugh R. Trevor-Roper, der bereits 1946 in: "Hitlers letzte Tage" dessen "Untergang" im Führerbunker eindrucksvoll beschrieben hat, nichts Neues. "Bis heute ist dieses Licht kaum schärfer geworden" bilanziert Fest, auf Trevor-Roper eingehend. Ein grosses Versäumnis sei es gewesen, so Fest, dass Trevor-Ropers Untersuchung erst Monate nach den Ereignissen eingesetzt habe, als wichtige Zeugen verschwunden waren. Die 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden Zeugen wurden nicht befragt - ein grosses Versäumnis, wie Fest es empfindet. Es gibt auch die - auch verfilmten - Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge und - last not least - Fests umfangreiche Hitler-Biographie von 1973, erneut aufgelegt 1998. Aus diesem Werk wird einiges hier seitenweise wiederholt, etwa das Kapitel: "Konsequenz oder Katastrophe: Hitler in der deutschen Geschichte. Hier lehnt Fest eindeutig die These, es habe von Friedrich dem Großen über Bismarck bis Hitler eine Kontinuitätslinie in der deutschen Geschichte gegeben, ab. Dieser Abschnitt - der sich in Fests Hitler-Biographie ebenfalls findet, ist eine der besten Darstellungen über die langfristigen Ursachen von Hitlers Machtübernahme 1933 und führt ausgezeichnet in die Geistes- und Mentalitätsgeschichte der Deutschen im letzten Jahrhundert ein.

Fazit: Für diejenigen, die Fests Hitlerbiographie - neben Haffners: "Anmerkungen zu Hitler" die bis heute beste Publikation über den deutschen Diktator - nicht lesen wollen - sie ist weit über 1000 Seiten stark - der ist mit diesem Werk gut bedient.
Fazit
Neuigkeiten gegenüber Trevor-Roper oder Fests eigenen Feststellungen von 1973 habe ich jedoch nicht gefunden. Und die Tatsache, dass keine neuen Fakten gegenüber diesen früheren Erkenntnissen angeboten werden, macht es weniger wertvoll für Wissenschaftler, wenn auch die außerordentliche Plastizität und die großartige Schilderung dieses Zeitabschnittes den grandiosen Erzähler Fest - der er neben dem Historiker Fest eben auch ist - verrät. Daher auf jeden Fall trotz des Mangels an wirklich Neuem lesenswert.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 17. September 2004

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