Cyril Hare: Mörderglück

Mörderglück

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-257-20196-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Cyril Hare (1900-1958) war Jurist und Schreiber bekannter Detektivgeschichte. Sein Detektivroman "Tragedy at law" (Tragödie im Gerichtssaal) gehört zu den 100 besten Romanen des Genres, wie Julian Symons 1970 zu recht konstatierte. Der Diogenes-Verlag hat hier seine - meines Erachtens noch besseren - Kurzgeschichten herausgebracht mit einer hervorragenden Einführung des Hare-Spezialisten Michael Gilbert. Dieser schreibt völlig zu recht: "Die Handlung der kurzen Detektivgeschichte ist notwendigerweise kompliziert. Gerade darin...unterscheidet sie sich von Kurzgeschichten anderer Art...Jede Geschichte muß eine strafbare Handlung mit allen erforderlichen Einzelheiten schildern. Es braucht nicht immer ein Mord zu seih. Sie werden in diesen Seiten Überfall und Raub, Einbruch und Diebstahl, Betrug und Erpressung, Fälschung und Verrat finden. Und die verbrecherische Handlung darf nicht nur beschrieben werden, sie muß gewissermaßen auch ausgearbeitet werden. Ein Verbrechen darf nicht nur einfach erzählt werden und dann in der Luft hängenbleiben. Man muß auch den Versuch unternehmen, mit dem Verbrecher abzurechnen. Dieser Versuch wird nicht immer erfolgreich sein...Aber das Gesetz mulß immer vorhanden sein. Es ist das "tertium quid" in jeder Kriminalgeschichte. Es gibt noch einen Punkt...in dem sich die Kriminalgeschichte von ihrer legitimeren Schwester unterscheidet: sie ist oft wie eine Taschenspielerei aufgemacht. Der erzählende Teil ist nur ein Stück Ablenkungsmanöver, das dazu bestimmt ist, Ihre Aufmerksamkeit auf die rechte Hand des Taschenspielers zu lenken, während er in seiner hohlen Linken das Pik-As verbirgt, mit dem er Sie auf der letzten Zeile auszustechen gedenkt.In dieser Technik konnten es Cyril Hare...nur sehr wenige gleichtun. Die sorgfältige Ausarbeitung seiner regulären Detektivromane...kam ihm unzweifelhaft auch in diesem Zweige seiner Kunst sehr zustatten. Wenn Sie ein Bepspiel für das suchen, was ich meine, lesen Sie die anspruchslose kleine Geschichte "Die Rivalen". Aber mogeln dürfen Sie nicht. Decken sie den letzten Absatz zu. Nun versuchen Sie sich zu entscheiden, welcher der beiden betreffenden jungen Männer die Wahrheit gesprochen und welcher von ihnen gelogen hat. Und nachdem Sie dann den letzten Abschnitt gelesen haben, blättern Sie zurück und beachten Sie, wie die Spur gelegt wurde."

Genau diese Äußerungen des Herausgebers Michael Gilbert zeigen deutlich die Vorzüge dieser Geschichten auf: ein spezieller britischer Humor (besonders sichtbar in der ersten Geschichte "Wo ein Wille ist", bei der es um den letzten Willen einer verstorbenen älteren Dame geht, wofür sich insbesondere ihr missratener Neffe interessiert...), zahlreiche unvorhergesehene Wendungen und - wie bei Tragedy in law auch messerscharfe Logik (ohne Kenntnisse des englischen Rechts sind viele der Lösungen nicht verständlich) kennzeichnen Cyril Hares Werke und die vorliegenden Kurzgeschichten, die der Autor - der Übersichtlichkeit halber - in drei Kategorien hat: Erzählungen mit juristischem Hintergrund unter "Recht und Gesetz", Geschichten, die von Mord handeln und Geschichten, die andere Verbrechen zum Inhalt haben.
Fazit
Cyril Hare, wie sein berühmter Kollege Anthony Berkeley Mitglied des legendären britischen "Detection Clubs" (eine seiner hier versammelten Geschichten: "Mörderglück" ist eine meisterhafte eigenständige Adaption von Anthony Berkeleys Kurzgeschichte: "Der rächende Zufall", die Grundlage von seinem späteren Meisterwerk: "Der Fall mit den Pralinen") sah nicht nur so aus wie Sherlock Holmes, er war auch einer der besten Autoren von Detektivromanen und -geschichten, wie der vorliegende Band beweist.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 29. März 2004

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