Jack Ritchie: Für alle ungezogenen Leute

Für alle ungezogenen Leute

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-257-21384-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Jack Ritchie ist für mich der Meister der amerikanischen Krminalkurzgeschichte. Der Diogenes-Verlag hat mehrere Bände dieser "Short Storys" herausgebracht, wovon die vorliegende die beste ist. "Jack Ritchie ist nun einmal ein brillianter Mann auf dem falschen Dampfer, ein Miniaturenmaler im Zeitalter der Elefantenkrankheit. Er weiß, und das wahrscheinlich besser als irgend jemand sonst, der sich heute auf diesem Gebiet betätigt, daß bei einer Kurzgeschichte beide Wörter zu ihrem Recht kommen müssen - es sollte eine Geschichte sein, voll und rund, mit Handlung und Charakteren und gut ausgefeilt; und außerdem sollte sie kurz sein...."Jack Ritchie ist stets einer der orignellsten Autoren (und womöglich auch der knappste), die in Krimiheften zu finden sind."

Diesen Aussagen des Herausgebers Donald E. Westlake, selber ein bekannter Krimi-Autor, kann ich uneingeschränkt zustimmen. Mit Ausnahme von Cyril Hares "Mörderglück" kenne ich keinen besseren Autor von Kriminalkurzgeschichten, die auch Vorlage der ARD-"Krimistunde" gewesen sind (so die hier vorliegende Kurzgeschichte "Zwei Fliegen"), die vor über einem Jahrzehnt im deutschen Fernsehen gezeigt wurden. Ritchie zeichnet sich durch trockenen Humor aus. Außerdem verfügt er über ein Talent der Verknappung und ist ein Meister des Makabren. Die Geschichten werden immer aus der Sicht des Verbrechers erzählt, der manchmal allerdings selber der Genarrte ist und seine Verbrechen mit dem Tode bezahlen muß (so in der Geschichte "Mörderischer Spielverderber" in dem ebenfalls im Diogenes-Verlag erschienenen Sammelband "Einzelhaft"). Im Gegensatz zu den durchaus ähnlich gelagerten Kurzgeschichten von Slesar sind diese Geschichten allerdings äußerst realistisch und wirken nicht "an den Haaren herbeigezogen". Im Gegensatz zu den Verbrechergeschichten eines Jim Thompson ist allerdings auch kein "Schema F" zu erkennen, welches immer den Verbrecher triumphieren ließe. Gemeinsam ist ihm jedoch, dass die Geschichten in Ich-Form erzählt werden: dies zwingt den Leser, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren - ob er nun will oder nicht...
Fazit
Für Freunde des makabren Humors, aber auch für diejenigen, die intelligent unterhalten werden wollen, ein unbedingtes "Muß". Man sollte allerdings das Abendessen nicht unmittelbar vor der Lektüre genießen und keinen zu empfindsamen Magen haben...
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 26. März 2004

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