Es war nicht die Absicht Elizabeth von Arnims, in ihrem "Garten der
Kindheit" ihre eigene Chronistin zu spielen; nein, sie verzichtet auf
genaue Einzelheiten, und schafft stattdessen eine seltsam schöne, bezwingende
Atmosphäre-; man liest dieses Buch, und das liegt nicht an nur 76 Seiten Umfang,
sondern vor allem an "einer verzweifelten Sehnsucht nach den guten Dingen
der Kindheit, den Liebkosungen, dem Trost, dem wärmenden Glauben an die
unfehlbare Weisheit der Erwachsenen", flott, ohne unterbrechen zu wollen,
gebannt, vielleicht zunehmend melancholisch mit einem Mal durch. "Zurück
zur Vergangenheit mit all ihren Geistern" geht's, zwei wichtige Abschnitte
bilden die liebenswerten Spleens des orakelnden Großvaters, und die Beziehung
zum Vater, "meinem Spielgefährten, Bewunderer und Freund". Mehrmals
löst sich das Vergangene im Hier und Jetzt auf, die beiden Zeitebenen wechseln
sich ohne Verwirrung des Lesers ab, "ich stand mit klopfendem Herzen im
Garten meiner Kindheit" heißt es, nachdem sich die Protagonistin durch das
"Törchen" [zum Garten] gestohlen hat. Ein nicht aufgeklärtes Ärgernis
mit der Verwandtschaft gibt dem heimlichen, unbemerkten Besuch der Erzählerin
zusätzlichen Auftrieb, die Suche nach Bildern der Kindheit wird zu etwas mit
diebischer Freude Verbundenem - - Freude über die Angst, ertappt zu werden.
Fazit
"Ich glaube, jedes Kind, das viel allein ist, durchlebt eine gewise Zeit,
in der es stündlich den Tag des Jüngsten Gerichts erwartet" - - vieles
dieses unübertrefflich kindlichen Glaubens hat Arnim in wenigen Worten sehr gut
wiedererzählt.
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