Andreas Etges, Historiker für amerikanische Geschichte am John F. Kennedy
Institut für Nordamerikastudien an der Freien Universität in Berlin, hat eine
hervorragende Biographie über John F. Kennedy vorgelegt. Wie in allen mir
bekannten Bänden der Reihe dtv portrait besticht diese Biographie auch optisch:
neben dem Haupttext werden - z.T. farbig illustrierte - weitere Texteinschübe
gegeben, etwa über die Krankheitsgeschichte Kennedys, über die Aufgaben von
Senat und Repräsentantenhaus etc.
Diese Biographie, die sich schwerpunktmäßig auf den Politiker Kennedy und sein Wirken konzentriert, ist äußerst sachlich und informativ. Sie wahrt in angenehmer Weise Distanz zu Kennedy und ist nicht unkritisch dem Politiker und Menschen Kennedy gegenüber. Außerdem befindet sie sich auf der Höhe der Forschung, was exemplarisch am Kapitel der "Kuba-Krise" nachgewiesen wird. Eine Zeitttafel und eine umfassende und aktuelle kommentierende Bibliographie rundet dieses hervorragende Werk ab. Zielgruppe sind - wie immer bei der Reihe dtv portrait diejenigen Leser, die sich kurz und gezielt über Kennedy informieren wollen, ohne die Zeit zu haben, große "Wälzer" zu studieren. Ideal daher für Schüler und - aufgrund der Kompaktheit der Information - auch für Studenten. Besser kann eine Biographie zur Einführung meines Erachtens nicht sein. Natürlich gibt es umfangreichere Biographien Kennedys. Diese haben aber entweder den Nachteil, von früheren Freunden und Beratern des ermordeten Präsidenten geschrieben und daher zu unkritisch zu sein (wie die von Ted Sorensen oder Arthur Schlesinger aus den 1960-ger Jahren, die Kennedy zu einem Mythos und einer Heiligengestalt erheben) oder sie sind zu kritisch und konzentrieren sich auf Kennedys Affairen wie die von Thomas C. Reeves "Kennedy, Entzauberung eines Mythos" (1992). Die vorliegende Biographie ist auch sehr lesbar geschrieben. Schwerpunktmäßig wird naturgemäß die ereignisreiche Präsidentschaft Kennedys zwischen 1961 und 1963 abgehandelt, wobei innen- und außenpolitische Krisen gleichermaßen abgehandelt werden. Fazit
Wirklich eine sehr gute Biographie, die von Umfang und Informationsgehalt
vergleichbar ist mit der Duographie von Karl Drechsler: Gegenspieler - John F.
Kennedy - Nikita Chruschtschow, die ebenfalls hervorragend ist. Meines Erachtens
durch die Konzentration auf das Wesentliche sogar noch besser - weil kritischer
und distanzierter, als die doch eher glorifizierende Kennedy-Biographie von
Dallek.
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