Pierce Brown: Golden Son (The Red Rising Trilogy 2)

Golden Son (The Red Rising Trilogy 2)

Verlag: Del Rey Books [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-0-345-53981-6

Preis: 24,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Darrow au Andromedus ist auf den ersten Blick ein junger Mann, der sich glücklich schätzen kann. In der von Pierce Brown erdachten Zukunftsgesellschaft gehört er zur Spitzenkaste der "Goldenen", die seit Jahrhunderten über das von Menschen besiedelte Sonnensystem herrschen. Er ist intelligent, einfallsreich und mutig, ja, sogar charismatisch. Doch wie die Leser bereits seit dem ersten Teil Red Rising wissen, ist Darrow in Wahrheit ein genetisch veränderter "Roter", der damit zur untersten Gesellschaftsschicht der Weltengesellschaft gehört, die in Kasten gegliedert ist, die jeweils eine Funktion und eine Farbe repräsentieren, mit den genetisch hochgezüchteten Goldenen an der Spitze.

Die Goldenen haben vor Jahrhunderten in der frühen Phase der Kolonisation des Sonnensystems die Macht in den Kolonien ergriffen und anschließend die Nationen der Erde vernichtet. Demokratie und Gleichberechtigung sind für die Goldenen Krebsgeschwüre der menschlichen Zivilisation, für sie zählt nur das Recht des Stärkeren - so wie die Goldenen einst die Nationen und Allianzen der Erde überwanden. Die neue Weltengesellschaft dient vor allem dem immensen Wohlstand der Goldenen, die anderen Kasten werden in Abhängigkeit gehalten und unterdrückt.

Darrow ist vor allem ein von Rache getriebener zorniger junger Mann, der die korrupte Weltengesellschaft brennen sehen will - selbst wenn dies erfordert, dass er selbst dabei verbrannt wird. Zu Beginn des Romans fungiert er als Adjutant von Nero au Augustus, dem Erzgouverneur des Mars, der wie mehrere andere Planeten und Monde des Sonnensystems längst terraformt ist und nun über Meere, Seen, Felder und Wälder verfügt. Doch schon in den ersten Kapiteln erleidet Darrow Verluste und dies sollen nicht die letzten sein.

Darrow fällt ohne eigenes Verschulden in Ungnade und muss bei einem Empfang auf dem terraformten Erdmond Luna, dem Zentrum der Weltengesellschaft, damit rechnen, auch sein Leben zu verlieren. Die "Söhne des Ares", die Darrow zwei Jahre zuvor in einen Goldenen verwandelt hatten, damit er die Weltengesellschaft infiltrieren kann, planen einen großen Aufstand und Darrow spielt in diesem Plan eine entscheidende Rolle. Er selbst entscheidet sich jedoch für seinen eigenen Weg. Auf dem Empfang eskaliert die Situation, als er seinen ehemaligen Freund und jetzigen Todfeind Cassius au Bellona zum Duell auffordert - ein Duell, das nach jeder Erwartung Darrow nur verlieren kann. Doch nicht nur hier bietet Brown eine überraschende Wendung. Darrow gelingt es, die ohnehin angespannte Situation zwischen den mächtigen Häusern Augustus und Bellona zu seinen Gunsten zu manipulieren. Es kommt zum offenen Bürgerkrieg, den Darrow scheinbar als zuverlässiger und überaus einfallsreicher Offizier an der Seite von Nero au Augustus bestreitet, wobei Darrows Mut oft an Tollkühnheit grenzt und er nicht selten alles auf eine Karte setzt, um sein geheimgehaltenes Ziel zu erreichen.

Die Handlung weitet sich erheblich aus und gewinnt rasch an Tempo. Der Leser besucht mit Darrow den terraformten Jupitermond Europa, wo das Meer bis zu 90 Meilen tief ist. Man erlebt plastisch beschriebene Raumgefechte zwischen gewaltigen Flotten, dazu eine monumental anmutende planetare Invasion. Und dies sind nur einige der Wegmarken in Browns großartiger Darstellung. Dazu kommen mehrere politische Schattenspiele, Wendungen und gut erzählte Dialoge, in denen immer wieder auch Humor aufblitzt.

Die interessanten Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet, seien es Darrows nicht erfüllte Liebe, die überaus intelligente Virginia au Augustus, ihr harter und ehrgeiziger Vater Nero, der für den Tod von Darrows Frau verantwortlich ist, oder die ebenfalls durchtriebene Octavia au Lune, das Oberhaupt der Weltengesellschaft. Darrow selbst ist ein charismatischer und intelligenter Killer, der aber gleichzeitig ein moralisches Fundament hat, das ihn immer wieder an seinem Tun Zweifeln lässt. Er begeht Fehler und verliert Freunde, während der Gedanke an Rache immer wieder überschattet wird von einem Hadern, ob der nun eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist. Darrows Ziel ist nicht die Vernichtung aller Goldenen, sondern der Einsturz der dekadenten Weltengesellschaft, die nicht nur die anderen Farben ausnutzt und brutal unterdrückt, sondern auch die Goldenen selbst dazu anhält, stets als Darwinist zu handeln und jeden anderen als potentielle Beute zu betrachten.
Fazit
Browns zweiter Roman schlägt sein schon sehr beachtliches Debüt in jedem Bereich: Handlung, Hintergrund, Charaktere, Tempo und Form sind jeweils mindestens eine Klasse besser, was schon an sich eine große Leistung ist. Verblüffend ist m. E. aber, dass es sich um den zweiten Teil der Trilogie handelt - all die spannenden und flüssig erzählten Schilderungen lassen eher den Eindruck eines Finales aufkommen. Darrow ist kein Titan, der unaufhaltsam seinem Sieg entgegeneilt. Er scheint vielmehr im Tempo der Ereignisse zu verglühen und bleibt doch bei allen Fehlern ein Charakter, dessen Handlungen nachvollziehbar bleiben und der ein letztlich gerechtes Ziel verfolgt. All seine Handlungen führen aber auch zum tragischen Höhepunkt im letzten Kapitel, das den Leser vielleicht leicht verstört, aber doch staunend zurücklässt. Nun beginnt das lange Warten auf den letzten Band "Morning Star".

Golden Son ist ein mehr als lesenswertes Buch, nicht nur für Sci-Fi-Fans - und für mich bereits ein früher Höhepunkt des Jahres: eine unbedingte Leseempfehlung.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 07. Januar 2015

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