Friedrich Gerstäcker: Die Regulatoren in Arkansas

Die Regulatoren in Arkansas

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-596-21625-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Friedrich Gerstäcker, "spannend, widerborstig und widersprüchlich", wie der Herausgeber Wolfgang Bittner zu recht schreibt, hat ein abenteuerliches Leben geführt. In diesem Roman beschreibt der Autor, der zwischen 1837 und 1843 selber in Amerika lebte, das Leben in Arkansas um diese Zeit und das Treiben der sogenannten "Regulatoren". Diese waren Vereinigungen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast überall im amerikanischen Westen auftraten und sich zusammentaten, um Verbrecher, insbesondere Pferdediebe zu jagen und zu richten. Insbesondere nach der Aufhebung der Todesstrafe für Pferdediebstahl im Jahre 1839 bildete sich diese "Bügerwehr", die jedoch häufig zur - ungerechten - Selbstjustiz griff, wie Gerstäcker selber in seinem Vorwort deutlich macht.
Realitätsnah wie kaum ein anderer Autor des 19. Jahrhunderts schildert Gerstäcker das Leben der sogenannten "Grenzer", der Pioniere des Wilden Westens und war Vorbild für Karl May, der ganze Passagen und Motive, etwa die Figur des schurkischen Predigers, von Gerstäcker übernahm - so Bittner korrekt in seinem Nachwort.

Wer wissen möchte, wie das Leben zu jener Zeit in den USA gewesen ist, welche Philosophie die Nachkommen der "Pilgrim fathers" hatten, der greife auch heute noch zu der immer noch spannenden Lektüre. Er erfährt Einzelheiten über das Leben der amerikanischen "Hinterwäldler" und über das Land, welches sie gerade in Besitz genommen hatten. Eßgewohnheiten, Familienfeste und Gerichtsfeste werden ebenso wie der Ablauf von Wahltagen genauestens beschrieben. Gerstäckers Erlebnisse fließen in dieses Buch ein. Die geschilderten Charaktere sind glaubwürdig beschrieben und lebensecht - häufig nach realen Personen - dargestellt. So hat etwa die plastisch und fesselnd beschriebene Hauptfigur dieses spannenden Romans, ein schurkischer Methodistenprediger, ebenso existiert wie auch die Schauplätze des Romans authentisch sind.
Fazit
Es ist der Büchergilde Gutenberg zu verdanken, dass sie in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft in Braunschweig diese Lizenzausgabe vor nun rund 15 Jahren herausgebracht und nach der Ausgabe letzter Hand bearbeitet hat. So ist die vorliegende Ausgabe keine Jugendfassung. Dies führt zwar zu einer gewissen Langatmigkeit, bewahrt jedoch die ursprüngliche Atmosphäre und hebt das Buch über den reinen "Abenteuerroman" hinaus, da es über Personen, Land und Leute zu jener Zeit ein präzises und sehr zutreffedes Bild zeichnet. Diese Vielschichtigkeit geht in den bearbeiteten Jugendfassungen häufig verloren. Gerstäcker ist heute noch ausgesprochen lesenswert und trägt zum Verständnis der Geschichte der Vereinigten Staaten sehr viel bei. Er ist daher - wie oben gesagt - nicht nur spannend zu lesen, sondern äußerst aktuell. Daher stelle ich diese Buchausgabe hier vor.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. Dezember 2003

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