Akira Iriye, Jürgen Osterhammel: Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege

Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-406-64105-3

Preis: 48,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Das hier zu besprechende Werk ist der erste Band einer in Kooperation der Verlage C.H. Beck und Harvard University Press publizierten Weltgeschichte. Es ist ein ambitioniertes Unterfangen, nicht nur aufgrund der Komplexität des Themas, sondern auch aufgrund eines veränderten Leseverhaltens im digitalen Zeitalter. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass hier Wissen nicht verknappt, sondern in anspruchsvoller Weise und dennoch insgesamt gut lesbar präsentiert wird.

Fast zeitgleich erscheint die "Neue Fischer Weltgeschichte", doch beide Verlagsprojekte haben absolut ihre Berechtigung. Während die Neue Fischer Weltgeschichte eher ein "Update" (in weniger Bänden) für die immer noch sehr lesenswerte alte Fischer Weltgeschichte darstellt und dort vor allem Epochen und geographische Räume getrennt behandelt werden, ist die Beck/HUP "Geschichte der Welt" strukturell anders angelegt. Chronologische und geographische Aspekte spielen auch hier eine Rolle, doch werden sie stärker verzahnt dargestellt. Die Darstellung ist in erster Linie an großen Themenkomplexen orientiert, in denen die Entwicklung global erörtert wird. Auf diese Weise soll auch die Wechselwirkung der unterschiedlichen Räume geschildert werden, wobei die neuesten Forschungsergebnisse verarbeitet wurden. Somit entsteht ein komplexeres, aber auch differenziertes Gesamtbild der "Geschichte der Welt", das freilich bisweilen auch Mut zur Lücke beweisen muss. Aufgrund des Umfangs der Darstellung mit fast 1.000 Seiten, gilt dies auch für diese Besprechung, in der nur Grundzüge angesprochen werden können.

Der erste erschienene Band der "Geschichte der Welt" (jährlich soll jeweils ein weiterer der insgesamt sechs Bände erscheinen) ist von Emily S. Rosenberg herausgegeben, während Iriye und Osterhammel als Hauptherausgeber fungieren. Der Band beinhaltet neben der guten Einleitung fünf große Kapitel, verfasst von verschiedenen Autoren. In "Leviathan 2.0. Die Erfindung moderner Staatlichkeit" wird Staatsordnung und Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert thematisiert. Die staatliche Entwicklung (unter anderem auch in China oder im Osmanischen Reich) wird knapp skizziert, ebenso verschiedene "nationale Einigungskriege". Der Übergang zu einer modernen Staatlichkeit war demnach mit vielen Brüchen verbunden und sie bürgte keineswegs für stabile Verhältnisse, wie die Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert zeigte. Das Kapitel "Imperien und Globalität" befasst sich mit dem Aufbau und der Entwicklung der "Imperien", vor allem der Kolonialreiche und deren Konflikte. Auch hier wird aufgrund der Breite der Darstellung deutlich, wie komplex dieser Prozess verlief und wie unterschiedlich und problematisch dies im Einzelfall war. "Migrationen und Zugehörigkeiten" betrachtet global Ursachen und Entwicklungen der verschiedenen Migrationen in diesem Zeitraum und die daraus erwachsenen Probleme und Chancen. Obwohl Wirtschaft auch in den anderen Kapiteln eine Rolle spielte, wird dieser Aspekt besonders im Kapitel "Warenketten in einer globalen Wirtschaft" zusammenfassend analysiert. Handel und Finanzwesen wurden zunehmend vernetzt und die Märkte beeinflussten sich mehr und mehr - eine "vorglobalisierte Welt", wenn man so will. Im letzten Kapitel "Transnationale Strömungen in einer Welt, die zusammenrückt" wird der Punkt einer immer stärker vernetzten Welt noch einmal aufgegriffen und anhand soziokultureller Strömungen in diesem Zeitraum betrachtet.

Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register schließen sich an.
Fazit
Man darf die beteiligten Verlage zu dem ambitionierten Projekt beglückwünschen. Bereits der erste erschienene Band (Band 5 von insgesamt 6 Bänden) setzt einen hohen Maßstab und man darf hoffen, dass dieser auch in den folgenden Bänden eingehalten wird. Diese "Geschichte der Welt" ist keine traditionelle "Weltgeschichte", sondern der Versuch, die unterschiedlichen globalen Räume in ihrer Komplexität und Wechselbeziehung (soweit vorhanden) zu erfassen. Entstanden ist eine materialreiche, bei allem Anspruch aber lesbare Darstellung, der viele Leser zu wünschen sind. Es ist nur schade, dass es nun noch einige Zeit dauert, bis das Werk abgeschlossen ist.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 05. November 2012

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