Werner Dahlheim: Augustus. Aufrührer - Herrscher - Heiland

Augustus. Aufrührer - Herrscher - Heiland

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-406-60593-2

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Gaius Octavius (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.), der Nachwelt besser bekannt als Augustus ("der Erhabene"), war eine zwiespältige, aber auch interessante Persönlichkeit. Augustus, Neffe Julius Caesars und erster römischer Kaiser, begann seinen Aufstieg nach dem Tod des Onkels 44 v. Chr., der ihn noch adoptiert hatte. Brutal, rücksichtslos und teils unter gewaltigen Schwierigkeiten schaltete er nach manchen Rückschlägen seine Konkurrenten um die Macht in der untergehenden Römischen Republik aus, bis er 30 v. Chr. Alleinherrscher war. Nach den blutigen Bürgerkriegen schuf er eine republikanische Fassade, wonach er nur der "erste Bürger" des Staates war, aber faktisch weiterhin die fast uneingeschränkte Kontrolle besaß, vor allem über die Gesetzgebung und die Armee. Die Zeit des sogenannten Prinzipats sorgte für eine neue kulturelle Blütezeit Roms und schuf einen inneren Frieden, der bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. andauerte. Mit der Freiheit der Republik, die freilich nur einer privilegierten Minderheit wirklich zugestanden hatte, war es aber vorbei, wie etwa Tacitus in seinen Geschichtswerken immer wieder betonte.

Augustus wird in der historischen Forschung oft distanziert betrachtet. Respekt vor seinen historischen Leistungen hat man durchaus, doch sympathisch erschien er gerade aufgrund der Zeit seines Machtaufstiegs nicht. Jochen Bleicken, dem wir eine umfassende moderne Augustus-Biographie verdanken, meinte sogar, Augustus sei "der schlimmste Bluthund der Bürgerkriege" gewesen. Damit schloss er sich weitgehend Ronald Syme an, der Augustus als einen kalten und kalkulierenden Machtmenschen betrachtete. Es ist eben schwierig, zu einem ausgeglichenen Urteil zu gelangen, in dem die brutale Machtpolitik des Kaisers beschrieben und andererseits die geschickte innenpolitische Leistung gewürdigt wird. Schließlich gilt es nicht nur die teils sehr parteiischen antiken Quellen, sondern auch die überaus reiche moderne Literatur auszuwerten.

Werner Dahlheim, ein Experte für die Geschichte der römischen Kaiserzeit und Verfasser einer hervorragenden Caesar-Biographie, bezieht in seiner anzuzeigenden Biographie recht klar Stellung. Sein Augustusbild ist letztendlich ein positives, denn es geht von den schwierigen zeitgenössischen Umständen aus. Tatsächlich hat sich Augustus nicht viel anders verhalten als seine politischen Konkurrenten, die ebenfalls nicht vor Gewalt zurückschreckten - auch die sogenannten Republikaner um Brutus und Cicero nicht.

In gewohnter chronologischer Reihenfolge und mit griffigen Überschriften versehen, behandelt Dahlheim das Leben des Augustus: Vom schwierigen Aufstieg nach Caesars Tod, den verschiedenen zeitweisen Bündnissen, dem Sieg über Marcus Antonius, der Errichtung der Prinzipatsordnung und der anschließenden Ausgestaltung, bis zum Tod und politischen Erbe des Kaisers. Die Kapitel sind relativ knapp gehalten, aber beinhalten doch alles Wichtige und bieten teils interessante Einblicke, etwa zur Selbstinszenierung des Kaisers und dem zeitgenössischen Geschichtsbild. All dies ist nicht gerade neu, aber anschaulich und lesenswert präsentiert auf über 380 Seiten, die nie langweilig geschrieben sind. Anmerkungen und eine knappe (aber gut gewählte) Literaturauswahl beschließen den Band, der mit guten Karten und modernen Abbildungen zur Rezeptionsgeschichte versehen ist.

Interessant ist der Untertitel von Dahlheims Biographie, der tatsächlich eine Art Leitlinie ist. Augustus' Taten werden nicht beschönigt, aber in einen geschichtlichen Kontext eingeordnet. Vor allem im Rückblick auf die Leistungen des ersten Kaisers scheint dann doch Dahlheims grundsätzlich positive Gesamtwertung durch. Augustus wurde bereits von Zeitgenossen besonders gewürdigt, aber nicht nur aus politischen Notwendigkeiten heraus. Der Kaiser erschien sogar Tacitus als derjenige, der die blutigen Bürgerkriege beendete und dem Reich einen langen Frieden im Inneren schenkte und vom Senat den Ehrennamen Augustus erhielt. Für die antiken Christen, die keineswegs alle paganen (heidnischen) Kaiser positiv sahen, war er ein Friedensfürst, in dessen Zeit Jesus geboren wurde, was viel Symbolkraft besaß. Eine gespaltene Persönlichkeit war der Kaiser gewiss, ebenso kalt und rücksichtslos, wie politisch versiert - und eben, auch anders als manch spätere Kaiser, ein geschickter Herrscher.

Zäh und entschlossen stieg er auf und hinterließ dabei eine Blutspur. Am Ende seiner Herrschaft hatte er aber auch eine politische Ordnung geschaffen, die dem Reich fast 200 Jahre weitgehenden Frieden schenkte. Sein politisches Erbe, das römische Kaisertum, endete im Westen erst 476, im Osten sogar erst 1453. Dahlheim schließt seine Biographie mit den Worten: "Wenn die Dauer einer Leistung der Maßstab für Größe ist, dann war dieser Römer ein großer Mann." (S. 405). Dem wird man nur schwer völlig widersprechen können.
Fazit
Dahlheim hat eine hervorragend recherchierte und sehr gut lesbare Biographie vorgelegt. Im Unterschied zu manch anderen heutigen Historikern kann er auch sehr gut und klar formulieren. Manche Stilblüten lassen sich zwar finden und manche seiner Wertungen wird man kaum teilen, zumal Dahlheim manches Forschungsproblem bewusst ausklammert. Für den allgemeinen Leser sind derartige Punkte aber leicht zu verschmerzen. Dahlheims Werk ersetzt keinesfalls die Werke Symes, Bleickens oder Kienasts und will dies auch gar nicht. Dahlheims Ziel war es vielmehr, das Leben dieser bedeutenden, aber auch umstrittenen antiken Persönlichkeit, dem heutigen Leser zu schildern. Dies ist ihm gelungen, so dass man dieses schöne Buch jedem historisch interessierten Leser nur empfehlen kann.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 27. April 2012

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