"Ich wollte erzählen, wie ein kleiner Junge vor einem halben Jahrhundert
gelebt hat", so Erich Kästner über seine 1957 erschienene autobiografische
Erzählung "Als ich ein kleiner Junge war". Kästners Kindheit heißt vor
allem Dresden, "eine wunderbare Stadt". Detailreich geschildert wird
der Familienweg in "die königlich-sächsische Haupt- und
Residenzstadt", wobei Kästner sehr sorgsam recherchierte (er schrieb
während der Arbeit am Text zahllose Briefe, überhäuft mit Fragen zu Familie und
Herkunft, an seinen Vater Emil), bis auf den Vater seines Vaters seines Vaters;
bei seiner Mutter deckt er Verzweigungen bis ins 16. Jahrhundert hinein auf. Die
Beschäftigung mit Dresden reicht bis zum 13. Februar 1945, dem Tag (vor) der
Bombennacht, die 35.000 Menschen ihr Leben nahm. Kästners Kindheit heißt auch
Familie und Herkunft. Seine "handwerkliche Sorgfalt", sein
"turnerisches Talent", "die echte und unbelehrbare Abneigung vorm
Reisen" (nicht ernst zu nehmen) seien den sächsischen Kästners veranlagt.
Kästners Kindheit ist eine strebsame, eine lehr- und lernreiche. Es bleibt, das
ist bekannt, nicht bei der Freude am Lernen (Kästner über sich: "Der beste
Schüler und der bravste Sohn."), die Begeisterung fürs Lernen-Lehren kommt
dazu, Kästners Freundschaft mit den beiden Lehrern Franke und Schurig hat
"es hinter den Ohren": "Ich wollte Lehrer werden, nichts
anderes.". Nichts anderes? "Ich kann nicht Lehrer werden!" -
"Gut, mein Junge! Studiere!", sagt die Mutter (Ida Kästner), Jahre
später, kurz vor seiner Lehramtsprüfung; Kästner promoviert mit 26 Jahren.
Fazit
"Als ich ein kleiner Junger war" ist ein charmantes, geistreiches,
heiteres und ernstes, für Groß und Klein fassbares Buch; Kästner schreibt wie
die wenigsten deutschen Dichter: perfekt -und humorvoll. Seine
Kindheitserinnerungen eignen sich nicht nur für Dresdner Stadtliebhaber, nicht
allein für 1899 Geborene, sondern für alle, die in ihrer Familie ihre Heimat und
in ihrer Herkunft sich selbst sehen.
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