Natscha Dragnic: Jeden Tag, jede Stunde

Jeden Tag, jede Stunde

Verlag: Deutsche Verlagsanstalt [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-421-04516-4

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Die Orte der Ereignisse sind Markaska, die Perle an der kroatischen Küste und Paris, die Stadt der Kunst und Malerei
und zugleich die Hauptstadt Frankreichs.
In der Erzählung von N.Dragnic, die wie ein psychologischer Entwicklungsroman angelegt ist, läßt die Autorin die frühe Kindheit, den Trennungsschmerz der Kinder, Jugend, Erwachsensein, das zufällige Zusammentreffen beider Protagonisten auf einer Kunstausstellung, das befristete Zusammenleben als erwachsene Menschen, die "endgültige Trennung" als Flucht vor einer Entscheidung vor den Augen des Lesers vorbeiziehen, ein letztes Zusammenkommen und ein Ende, das manches offenläßt, wie bei Skakespeare, was die Schriftstellerin selbst so andeutet.

In diesem Roman, mit einer Geschichte wie aus einer fernen Vergangenheit, ist alles enthalten: eine unbeschwerte frühe Kindheit, was durch die Erwähnung von Mato Lovrak und seinem Jugendroman " Zug im Schnee" signalisiert wird, und später eine Welt voller Gefühle und Gedanken, geprägt von Warten und Hoffen, zwischen Dora und Luka, als hätte Pablo Neruda von ihrer Existenz gewußt. Überhaupt Pablo Neruda. Seine Sonetten werden zum Ausdrucksmittel ihrer tiefsten Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen.
Der Romantitel " Jeden Tag, jede Stunde " stammt aus einer Verszeile eines Liebessonettes Nerudas.

Dora und Luka sind auch sogenannte sprechende Vornamen. Dora, die Kurzform von Theodora oder Dorothea, bedeutet nichts anderes als das " Gottesgeschenk, Gabe Gottes.
Lukas ist einer der vier Evangelisten des Neuen Testaments.Deutet man es als altgriechisches Wort, bedeutet es so viel wie " ins Licht hineingeboren". Wie passend für einen Maler, der das Licht und die Farben liebt.

Ihre Sprache ist einfach und klar, voller sprechender Bilder, die sich eindringlich im Kopf des Lesers festsetzen. Die Sätze aus ihrer Feder sind rhythmisch, lange und kurze Sätze wechseln sich in rascher Folge ab, wie die Wellen an einem Sommertag an der Adria: sanft und lang, und dann wild und kurz. Ein Wort mit einem Punkt ist oft ein Satz. Und besonders auffällig, als Stilmittel, die Wiederholung von bedeutsamen Sätzen an bestimmten Stellen.

Ein besonderes und eigenes Kapitel sind Lukas Ohnmachtsanfälle sowie die zwei Männer, mit denen Dora
für eine kurze Weile in Paris verbunden war und die Beziehung
und spätere Ehe Lukas mit Klara. Alle drei Personen sind die traurigen Verlierer in diesem Spiel, weil sie nicht teilhaben können, an den Kindheitsgeheimnissen beider Protagonisten.
Lukas als Liebender wird in seiner ganzen Schwäche schonungslos gezeichnet, weil er nicht die Kraft besitzt, den Traum aus seiner Kindheit, zu verwirklichen. Aber auch Dora ist nicht Starke, denn sie ist nur stark, durch die Liebe zu Lukas.
Fazit
Der Roman ist für mich ein Juwel moderner Erzählkunst, zugleich spannend und empfindungsreich, nachdenklich und temperamentvoll, optimistisch und melancholisch. Ganz der europäischen Tradition verpflichtet, unbeeinflußt vom Postmodernismus.
Fast ist man geneigt zu sagen, der Roman " Jeden Tag, jede Stunde" ist eine moderne Version eines uralten Märchenstoffes,
eingebettet in einer traumhaften Wortmalerei über das Lebensgefühl am Meer und den darüber hinwegziehenden Wolken. Sie werden zum Geheimnis und Symbol ihres Lebens.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Oswald Poplas [Profil]
veröffentlicht am 13. Mai 2011

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