Brian Falkner: Angriff aus dem Netz

Angriff aus dem Netz

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-3-423-24841-9

Preis: 0,60 Euro bei Amazon.de [Stand: 09. Dezember 2016]
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Sam, 16jähriger Schüler ist ein erfolgreicher Hacker. Sich in das Computernetz vom Weissen Haus, dem Machtzentrum der westlichen Welt, einzuhacken, schafft nicht jeder. Allerdings sollte man nicht erwischt werden. Dann wäre man der beste Hacker. Sam hingegen wird erwischt und belegt für einige Zeit das Schulfach Knastologie und Gitterkunde. Nach den Gesetzen der Vereinigten Staaten von Amerika kann er für den Rest seines Lebens weggesperrt bleiben. Keine besonders guten Aussichten für jemanden, der die Freiheit liebt, das zu machen, was er will. Glücklicherweise ist Sam nicht auf den Kopf gefallen und setzt seine Fähigkeiten, den ungewollten Studiengang Knastologie und Gitterkunde abzubrechen. Sams Freude über die Flucht währt nicht lange, denn er bleibt im Mittelpunkt des gesteigerten Interesses verschiedenster Personen und wird wieder erwischt. Die Regierung erkennt in dem Hacker eine Person, die man nicht zum Feind haben sollte und macht sie zum Freund. Sam erhält einen Job, der ihn nicht zurück in den Knast befördert. Im Gegenteil, sein neuer Job ist ein sehr gut bezahlter Job, der ihm dazu Spass macht. Im Auftrag der amerikanischen Regierung soll er seine Fähigkeiten auf der Seite der Guten(?) einsetzen. Ein Traumjob für den Jugendlichen. Sein neues Leben beginnt gut, doch nach kurzer Einarbeitung tritt der Ernstfall ein. Eine Attacke auf das gesamte Computernetz der Welt legt einen Rechner nach den anderen lahm (darunter geht es wohl nicht mehr). Sam erkennt einen Zusammenhang zu den neuentwickelten Neuro-Headsets. Sie ersetzen nicht nur Maus und Tastatur, mit ihnen kann man ohne Umweg Musik und Spiele direkt im Hirn erleben. Letztere direkte Eingriff stellt aber auch eine Gefahr dar. Sam, der inzwischen seine Freunde aktivierte, sucht verzweifelt nach einer Lösung um die weltweite Bedrohung abzuwehren. Und wieder einmal wird Sam zum Gejagten.
Fazit
Brainjack, so der Originaltitel des spannenden Buches, ist ein rasantes und vor allem fundiert recherchiertes Buch. Der Titel Brainjack könnte man am ehesten mit Gehirnbuchse übersetzen. Vorbild für die Neuro-Headsets dürften solche Maschinen sein, wie sie der geniale Wissenschaftler Hawkins benutzt. Auf diese Weise hätte man schnell eine willfährige Bevölkerung und könnte ohne lästige Wahlen, Einsprüche und Gegenorganisationen herrschen. Cyberpunk ist eine Literaturgattung, die sich nie damit aufhielt, eine freundliche Welt zu entwickeln. Bald wurden aus den Romanen eine Art Krimis mit einem Untergangsszenario, wie sie später in den Shadowrun-Romanen und -Spielen gang und gäbe waren. Cyberpunk ist eine Art Gegenliteratur innerhalb der SF. Sie prangert die Unfähigkeit der Politik und die Macht der Konzerne an (jüngstes Beispiel Kanzlerin Merkel und die Atomlobby), die die Angst der Menschheit schürt und gleichzeitig deren Hilf- und Machtlosigkeit ausnutzt und anprangert. Die Konsolen-Jockeys der Autoren Bruce Sterling, Greg Bear, Walter Jon Williams, Julius Shepard sind älter und härter als der Sam dieser Erzählung. Auch ist die Thematik besser, oder sagen wir treffender, anders ausgearbeitet. Ihre Cyber-Helden nutzen das Netz um zu es unterwandern, um kriminelle Aktivitäten durchzuführen und finden sich immer in die Ecke des Robin Hood gedrängt, da sie sich immer an "noch böseren Organisationen" bereichern. In einigen der Romane wird auch mal die Welt gerettet. Seit den 1980er Jahren versucht man immer wieder mittels Technik direkten Zugriff auf den menschlichen Körper zu erhalten und damit eine Symbiose beschreiben, ohne dass aus dem Menschen gleiche ein Cyborg wird, dessen technische Ausstattung die menschlichen Körperteile voll ersetzt. Die zur Zeit zur Verfügung stehende Technik ist aber schon viel weiter, als vor zwanzig Jahren, als sich das Thema Cyberpunk ausbildete. Eine Exkursion zum Thema Cyberpunk sollte an anderer Stelle geführt werden.
Doch zurück zum Buch selbst. Angriff aus dem Netz liest sich nach Brian Falkners Beschreibung nicht mehr als zukünftige Bedrohung, sondern entwickelt sich zu einer Dystopie, die sich als ein Thriller der Jetztzeit darstellt. Brian Falkners Helden um Sam innerhalb der Cyber Defense Divison kurz CDD genannt, sind zwar ziemlich jung, wirken aber in einem sehr erwachsenen Roman mit. Wer den Roman liest, wird vieles für Technogebabbel und Fachidiotengeschwätz halten. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, man muss kein System-administrator sein, um diese Teile zu verstehen. Ein preisgekröntes Jugendbuch, dass zurecht den Weg nach Deutschland gefunden hat.
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Vorgeschlagen von erik schreiber [Profil]
veröffentlicht am 03. März 2011

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