Jacques Lusseyran: Das wiedergefundene Licht

Das wiedergefundene Licht

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-423-30009-4

Preis: 2,15 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Das vorliegende Werk von Jacques Lusseyran gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Es behandelt die Lebensgeschichte des Autors, der durch einen frühen Unfall im Kindesalter erblindete und nun eine neue "Welt" erlebt: das "wiedergefundene Licht." Die Beschreibungen seiner Welt sind plastisch gehalten und dürften blinden Personen Hoffnung geben. Doch nicht nur dies - auch sein weiteres Leben beschreibt der Autor spannender wie einen Krimi: er arbeitet in der Résistance mit und wird durch Verrat verhaftet, ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und 1945 - sozusagen in letzter Minute - von den Amerikanern befreit. Und hier kommt die Stelle, die mich so sehr beeindruckt hat: als Blinder hat Lusseyran gelernt, auf seine anderen "Sinnesorganen" zu achten und sich auf sein "Gefühl", seinen "Instinkt" zu verlassen. So wird er immer bei Neuaufnahmen in der Résistance befragt und sein Urteil entscheidet, ob ein Mitglied neu aufgenommen oder abgelehnt wird - um die Einschleusung eines Spiones zu verhindern. Eines Tages wird ihm ein Mann vorgeführt, vor dem ihm seine Sinnesorgane deutlich "warnen"; sein Instinkt rät zur Ablehnung. Lusseyran beschreibt anschaulich den Zwiespalt der Gefühle, dem er sich durch diese Entscheidung ausgesetzt sieht. Er wird sich über diesen Menschen nicht klar; Stimme und Händedruck "harmonieren" nicht. Lusseyran äußert daher Bedenken gegen die Aufnahme der ihm vorgestellten Person in die Gruppe. Doch die anderen Mitglieder der Résistance raten eindringlich zur Aufnahme des neuen, durch sein Organisationstalent beeindruckenden, Mannes: er könne der Résistance durch seine Fähigkeiten unschätzbare Dienste leisten. Lusseyran gibt nach, der Mann wird aufgenommen und... entpuppt sich als Verräter, der die Widerstandsgruppe auffliegen lässt.Nie zuvor wurde mir deutlich, wie Blinde mit ihrem Schicksal fertig werden. Lusseyran hat diese Tatsache jedoch in seinem eindringlichen und eindrucksvollen Werk aufgezeigt; er macht deutlich, dass trotz des Verlustes der Sehfähigkeit sich diesen Personen eine neue Welt erschließen kann und diese Personen durchaus ihr Leben meistern - und sogar lernen können, das Leben mit neuem Mut anzugehen. Die Menschenkenntnis des Autors, die durch einen "Zugewinn" der restlichen "Sinne", gewonnen wurde, hat mir gezeigt, wie wichtig es im Leben ist, auf seine "innere" Stimme zu hören.Wunderbar ist die plastische Beschreibung der neuen Situation und die bildhafte Darstellung dessen, was sich im Innern des Autors, abspielt: er findet, obwohl äußerlich blind, das Licht wieder. Darüber berichtet Lusseyran ausführlich und gibt so meines Erachtens Blinden Hoffnung und Trost. Und dies ist für mich das Faszinierende an diesem Buch.
Fazit
Ein eindrucksvolles Buch. Äußerst lesenswert.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 08. August 2003

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