Eric Ambler: Der Fall Deltschev

Der Fall Deltschev

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-257-20178-9

Preis: 0,40 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2016]
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Eric Ambler gilt als einer der führenden Vertreter des frühen Spionageromans (eine glänzende Analyse seiner Werke findet sich in: Hans-Peter Schwarz: Phantastische Wirklichkeit: Das 20. Jahrhundert im Spiegel des Polit-Thrillers. - München: DVA, 2006, Kapitel: Von Mitte der dreißiger bis Mitte der siebziger Jahre: Eric Amblers Anti-Helden in den Terrorwelten des 20. Jahrhunderts, S. 61-91). Schwarz hat Ambler zu recht als "Kafka des Thrillers" bezeichnet. "Sein großes Thema dieser ersten Schaffensphase ist die Preisgegebenheit des einzelnen in einer undurchschaubaren Welt von Geheimdiensten, Polizeiapparaten und weltumspannenden Konzernen, welche die Strippen ziehen. Alle seine Helden sind...Anti-Helden..., die zuerst gar nicht glauben wollen, daß brutale Killer hinter ihnen her sind, Anti-Helden, die Angst haben und die davonzulaufen versuchen, bis sie letzten Endes der Zorn packt, wobei sie dann doch schneller und brutaler sind als die heimtückischen Gegner."

Amblers "Fall Deltschev" ist jedoch in erster Linie kein Agentenroman, wohl aber ein Politthriller. Ambler rechnet hier mit den stalinistischen Schauprozessen in den Kommunistischen Parteien der Balkanstaaten ab. Konkretes Vorbild war der Schauprozess um Nikolaj Petkov, der als Führer einer antikommunistischen Agrarpartei 1947 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Anklänge an Samjatins "Mo" und Orwells "1984" sind beabsichtigt und nicht zufällig. Besonders offensichtlich wird Amblers Faszination für den Balkan, den er - einschließlich seiner Landschaften - packend beschreibt. Dies geschieht auch hier, ähnlich wie in seinem bekanntesten Roman: "Die Maske des Dimitrios". Ambler bedient sich des Kunstgriffes, einen britischen Journalisten, Foster, als Berichterstatter zu dem Prozess reisen zu lassen. Dieser beginnt, die Lebengeschichte Deltschevs zu recherchieren. Besonders packend ist der Verzicht auf Schwarz-Weiß-Malerei. Der ehemalige Kommunist Ambler, der aufgrund des Petkov-Prozesses sich - nach Desillusionen über den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 - endgültig vom Stalinismus abwendete, rechnet nebenbei auch mit dem American Way of Life ab, der für ihn keinesfalls nach dem Bruch mit dem Kommunismus zum Non plus Ultra verklärt wird. So auch im vorliegenden Roman.
"Keine Seite ist im Recht, es gibt Verschwörungen, gebrochene Lebensläufe, mord- und verratbereite Politiker, Fehleinschätzungen, Terrorismus und Gemeinheiten. Der Balkan bleibt der Balkan, wie er ihn schon in den Thrillern der dreißiger Jahre beschrieben hat. Die kommunistischen Diktaturen sind nur ein weiteres Kapitel der unheilbaren Geschichte dieser Region." (H.P. Schwarz, ebd., S. 83).
Fazit
ein sehr spannendes Buch und Wolfgang Steuhls Fazit aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, abgedruckt auf dem Buchrücken, kann ich nur teilen:
"Ihn [Ambler, B.N.] bloß einen Autor spannender Spionage- und Kriminalgeschichten zu nennen, wird sich vielleicht einmal als kleinmütiges "Understatement" erweisen. Von künftigen Generationen könnte Ambler als einer der bedeutendsten Romanciers unserer Zeit verehrt werden."
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 21. Februar 2010

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