Vladimir Sorokin: Der Tag des Opritschniks

Der Tag des Opritschniks

Verlag: Kiepenheuer & Witsch [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-462-03923-8

Preis: 18,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 25. September 2016]
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Ich habe mich jetzt an einen Autor - erneut - gewagt, der entweder sehr gemocht oder absolut verrissen wird: das Buch des russischen Schriftstellers Vladimir Sorokin: "Der Tag des Opritschniks", 2008 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Rußland im Jahre 2027. In einem Land, welches dank seiner Handelsbeziehungen mit China technisch auf dem neuesten Stand ist, fällt gesellschaftlich in die Zeit Iwans des Schrecklichen aus dem 16. Jahrhundert zurück. Nicht nur die reichen Öl- und Gasreserven sichern die Macht des Alleinherrschers, des "Gossudaren": wie einst Iwan den Schrecklichen umgibt ihn eine Schar ergebener Gefolgsleute, die "Opritschniki", die an SS bzw. SA aus dem dritten Reich erinnern. Diese Truppe fährt in roten Limousinen, ihr Erkennungszeichen ist ein Hundekopf. Sie merzen jeglichen Widerstand aus und verhalten sich einfach nur als Sadisten. Politische Gegner werden umgebracht und ausgepeitscht. Dabei versäumen sie keinen Gottesdienst der russisch-orthodoxen Kirche und träumen vom "Heiligen Russland".

Das Buch wird aus Sicht von Andrej Komjaga geschrieben, der in Ich-Form seinen kompletten Arbeitstag schildert. Er beginnt mit der Hinrichtung eines in Ungnade gefallenen Oligarchen, wobei dessen Frau von der gesamten Garde vergewaltigt, die Kinder verschleppt und dessen Gut zerstört wird. Die Auspeitschung von Intellektuellen, ein Frühstück mit der liebestollen Gemahlin des Gosudaren und eine dekadente Orgie schließen sich an.

Wie zahlreiche Rezensenten hat mich dieses Buch, welches aus meiner Sicht vollkommen zu Unrecht mit politischen Zukunftsromanen eines Samjatin, eines Huxley oder Orwell verglichen wird, einfach nur abgestoßen. Die Sprache vulgär, kaum übersetzbar, die Szenen der Gewalt werden ohne Plan voyeuristisch ausgewalzt, ohne dass ein "Masterplan" der Handlung in irgendeiner Form erkennbar ist.

Natürlich soll dadurch die Brutalität des Rußlands - der Gossudar erinnert an Stalin, es gibt aber natürlich Anspielungen auf das Rußland unter Putin - verdeutlicht werden. Was aber fehlt, ist eindeutig eine kritische Reflexion zur Gewalt. Und insofern ist das Buch für mich einfach abstoßend, da eine kritische Reflexion über diese Gewalt nicht stattfindet.

Nun ist man von Sorokin ja gewohnt, dass er im Übermaß Gewaltszenen schildert. Aber hier wird zwar die Psyche dieser "Täter", ihre Einstellungen und Feindbilder, mit dem sie ihre Existenz rechtfertigen, durchaus angedeutet, aber die Gewaltszenen selber sind einfach zu sehr ausgewalzt und haben keine Funktion in der Handlung.

Nochmals: Gewaltdarstellungen alleine ohne sinnvollen Plot sind für mich nichts anderes als Voyeurismus und somit nicht zu rechtfertigen. Schade, meine Erwartungen wurden ganz und gar nicht erfüllt. Die als Vergleich genannten berühmten politischen Science-Fiction-Romane setzen sich mit der von ihr geschilderten Welt auseinander; dies gilt für Samjatins "Mo", Orwells "1984", Huxleys "Brave new world", und ihre Nachfolger. Hier - in diesem Werk - fehlt dies vollkommen.
Fazit
Nicht zu empfehlen!
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. Juni 2009

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