John Ronald Reuel Tolkien: Herr der Ringe

Herr der Ringe

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-608-93544-8

Preis: 0,88 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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Der "Herr der Ringe" gilt bis heute - zu Recht - als das wichtigste Werk der Fantasy-Literatur. Wenn es ein Werk gibt, welches diese Gattung begründet, so ist es dieses Werk. Das Werk, an dem Tolkien siebzehn Jahre gearbeitet hat und welches zuerst 1954 in London veröffentlicht wurde.

Die Geschichte spielt sechzig Jahre nach den Ereignissen des 1937 erschienenen "Kleinen Hobbit" (welcher extra nach Erscheinen des "Herrn der Ringe" umgeschrieben wurde, wie Michael Magula in seinem hervorragenden Werk "Tolkiens Welt" aus dem Jahre 2001 belegt). Frodo Beutlin, Neffe von Bilbo Beutlin, der Hauptfigur des "Hobbit", feiert seinen 33. Geburtstag, als der alte Zauberer Gandalf ins Auenland kommt. Er berichtet Frodo von einem bösen Wesen namens Sauron, das den Ring für sich haben wolle. Sauron habe diesen Ring den Elben gestohlen, um dadurch Macht zu erlangen und auf der Welt zu herrschen. Der Ring jedoch wurde ihm wiederum von Gollum gestohlen, der ihn an Bilbo verlor, wie im "Hobbit" und im ersten Kapitel des "Herrn der Ringe": "Vom Ringfund" ausführlich begründet wird. Frodo und seine Freunde Sam Gamdschie, Merry und Pippin machen sich auf, um sich unerkannt im Osten des Hobbitlandes niederzulassen. Jedoch werden sie auf ihrer Reise von neun Ringreitern, Knechten Saurons, verfolgt. Nach zahlreichen Abenteuern, die im ersten Band: "Die Gefährten" behandelt werden, kommen die Protagonisten sicher nach Bruchtal, wo der weise Halb-Elb Elrond lebt. Er beruft eine Versammlung ein, die über das Schicksal des Ringes entscheiden soll und schließlich beschließt: der Ring muss vernichtet werden. Nur dadurch kann verhindert werden, dass Sauron ihn wieder in seinen Besitz bringt. Der Ring muss in den lodernden Schlund des Schicksalsberges geworfen werden. Ob dies gelingt? Die Handlung zieht sich über 2 weitere Bände: "Die zwei Türme" und "Die Rückkehr des Königs" hin. Weltbekannt sind inzwischen die Abenteuer Frodo Beutlins und seiner Freunde, nicht zuletzt aufgrund der aufwendigen - meines Erachtens hervorragenden - Neuverfilmung.

Als Tolkien mit der Niederschrift des Romans begann, glaubte er noch, eine Fortsetzung zum "Hobbit" zu schreiben. Aber im Laufe der siebzehn Jahre, die er an dem Manuskript arbeitete, entwickelte es sich - so Magula in "Tolkiens Welt" - zu etwas, was nichts mehr mit dem Kinderbuch des "Hobbit" gemein hatte. Die ersten, sehr heiter gefassten Kapitel, sind noch unter dem Einfluss des "Hobbit" verfasst worden. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und der umfangreichen Stoffmenge wird das Buch immer "düsterer" und verliert seinen Charakter als Kinderbuch. Magula führt diese qualitative Veränderung auf die Arbeitsweise Tolkiens zurück. Sich auf Tolkiens Biograph Humphrey Carpenter beziehend, schreibt Magula, Tolkien habe ohne vorweg überlegten Plan gearbeitet. "Er begann dort, wo der Hobbit geendet hatte, im Auenland, und zunächst sah es so aus, als variiere er nur den unvorhergesehenen Aufbruch und die Abenteuer Bilbo Beutlins, ergänzt um die seines Neffen Frodo. Erst nach einem halben Jahr, als Tolkien sich über die Funkton des Ringmotivs klar geworden war, entwickelte er einen gedanklichen Rahmen [für das neue Werk], den des Herrscherrings. Damit war auch der Titel des Romans gefunden und zugleich der Rahmen einer Kindergeschichte weit überschritten, denn anders als im Hobbit münden die Ereignisse im Herr der Ringe in einen grausamen Krieg, der die gesamte Mittelerde zu verderben droht."
Wie Magula weiter schreibt, habe Tolkien-Übersetzer Wolfgang Krege erklärt, dass aufgrund der oben geschilderten Faktoren eine Ersetzung des bisherigen Hobbit-Helden Bilbo durch Frodo unbedingt notwendig gewesen sei. Bilbo sei als Held weiterer Abenteuer mit dem Ring, die sich nun in ganz andere literarische Sphären erheben sollten, ungeeignet gewesen. Doch Frodo sollte nicht nur Bilbo, sondern auch die Weisen und Mächtigen von Mittelerde ersetzen, die selbstkritisch genug waren, den Ring nicht für sich haben zu wollen. Frodo sei eine weniger scharf umrissene Figur als Bilbo, aber nachdenklicher, widersprüchlicher und offener für Stimmungen, Träume, Vorahnungen und Eingebungen. Dies ist entscheidend für das Ende der Trilogie, welches hier nicht verraten werden soll.
Diesen Hintergrund der Entstehung muss man bei einer objektiven Bewertung des "Ringes" immer vor Augen haben.

Tolkien hat sich immer als Märchenerzähler verstanden, der aus der bedrückenden Alltagswirklichkeit in eine Welt fantastischer Weiten entfliehen wollte. Dies hat er mit diesem Buch eindrucksvoll bewiesen. Es fasziniert, mit welcher Phantasie die verschiedenen Welten erdacht wurden und auch die Charaktere sind glaubhaft und interessant dargestellt. Leider hat der Zyklus - besonders im ersten Teil - unglaubliche Längen. Es fehlt ihm auch die ursprüngliche Heiterkeit und Unbeschwertheit des "Hobbit", den ich - wie ich ehrlich gestehen muss - daher lieber mag als diesen "Klassiker." Dennoch: Beim Lesen erstaunt mich immer wieder, wie sehr die gesamte neue Fantasy-Literatur Ideen von Tolkien übernommen hat. Wenn es einen "Grundstein" der Fantasy-Literatur gibt, dann ist es - neben dem - Tolkien übrigens bekannten - Klassiker: "Der Wurm Ouroboros" von E. R. Eddison aus dem Jahre 1926 - ohne Zweifel dieses imposante Werk.
Fazit
Wer sich für Fantasy-Literatur interessiert, kommt daher um diese drei Werke meines Erachtens nicht herum.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 17. Mai 2003

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