Jean-Jacques Rousseau: Bekenntnisse, Aus dem Französischen von Ernst Hardt. Mit einer Einführung von Werner Krauss

Bekenntnisse, Aus dem Französischen von Ernst Hardt. Mit einer Einführung von Werner Krauss

Verlag: Insel-Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Philosophie
ISBN-13 978-3-458-32523-9

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Rousseau, geboren 1712 in Genf, war ein origineller Denker, der Bedeutung für Deutschland, die Romantik und den Sozialismus hat. Er ist aber ein gescheiterter Denker im Bereich politischer Philosophie, erkannte jedoch im Gegenzug die Krise der Moderne und hatte sie selbst durchlitten und kritisiert. Die wesentlichen Übel der Moderne sind für ihn Eigentum und Aneignung. Er wollte die politischen Verhältnisse analysieren und kam schnell zu dem Schluß, daß die kulturelle Verkommenheit vom Menschen selber stamme. Damit hegt er großes Mißtrauen gegen die Menschen, denn die Zunahme der Zivilisation bringe Zerfall und Laster. Die Menschen seien nicht mehr bei sich selbst. Rousseau will aber den natürlichen Menschen - ein Ziel, das er mit der Kritik der Moderne und dem Lobpreis der Natur zu erreichen trachtete.

Erst wenn man mit Sentiment den Naturzustand betrachtet, erkenne man, daß es dort das Prinzip der Selbsterhaltung (amour de soi) und das Mitleid miteinander (pitié) gab, welche Basis für alles moralisches Handeln seien. Die Rückentwicklung zum Naturzustand ist aber nicht mehr möglich. Es geht Rousseau also um die Rückgewinnung einer zweiten Natur, weil die erste verloren ist, einer zweiten Bewußtseinshaltung. Das vorliegende Buch "Bekenntnisse" umfasst zwei Teile. Der erste Teil behandelt den Zeitraum 1712 bis 1741, der zweite den von 1741 bis 1765. Tatsächlich jedoch vollendet Rousseau 1770 sein Buch, d.h. der erste Teil reicht von der Geburt bis zum 29. Lebensjahr, der zweite vom 29. bis zum 58. Lebensjahr.

Auffällig ist, daß Rousseaus eigentliches Wirken als Philosoph in den zweiten Teil der "Bekenntnisse" fällt. Das Leiden, das Traurige, das Unglückliche versuchte Rousseau in diesem Buch zu verarbeiten. Rousseau erscheint hier vielmals als weibliche Natur. Er schreibt u.a. als Anwalt der Frauen. Bis heute haben wenige Leser zur Kenntnis genommen, dass Rousseau mit seinem Buch keinen Bestseller schreiben wollte, sondern einen Kampf mit sich selbst ausgetragen hat. Er wehrte sich gegen die dunklen Emotionen, ähnlich wie Martin Luther oder Blaise Pascal. Nietzsche demgegenüber versuchte mit ihnen zu leben und zu kämpfen. Die vorliegende Schrift ist kein Beispiel einer wahnsinnigen, erfolgsorientierten und gewinnsüchtigen Person, sondern sie enthält die Erkenntnisse einer einsamen, gedemütigten und weisen Persönlichkeit.

Zwar ist es ein dickes Buch, aber der Leser wird nicht enttäuscht. Man lernt zu verstehen, warum die alte akademische Wissenschaftlichkeit mit ihren Ausklammerungen, Verheimlichungen, Ausgrenzungen ihrem Ende entgegenstrebt. Mag man den Autor stellenweise als wahnsinnig einstufen, so wird man doch intensiv mit einem tiefen Denker konfrontiert, der in zwölf Büchern seine Kindheit und Jugend bis 1741 darstellt, von der Zeit seiner Wanderschaft berichtet und parallel dazu Wünsche und Sehnsüchte
nachempfinden läßt. Gemäß seinem philosophischen Grundanspruch vermag Rousseau desgleichen die idyllische Natur zu vermitteln: das Freie, das Majestätische,
die Welt der Berge, welche die Seele weitet.
Fazit
Fazit: Ein Denker, der die entartete Kultur bekämpft und für einen Rückweg zur Natur steht, in der alle Menschen gleich und frei waren, breitet hier sein Innerstes aus. Dieses Innerste war einst auch dazu in der Lage, politiktheoretisch die Option einer aufgeklärten Diktatur zu denken und auf Hegel und Lenin fortzuwirken. Solche Hintergründe machen es spannend, das Wesen des Philosophen in seinen Bekenntnissen mehr zu ergründen.
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Vorgeschlagen von Daniel Bigalke [Profil]
veröffentlicht am 21. März 2009

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