Konstantin der Große (reg. 306 bis 337) gilt als der erste christliche Kaiser
und als der bedeutendste Kaiser der Spätantike. Er privilegierte nicht nur das
Christentum (das allerdings erst von Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben
wurde), sondern errichtete auch im Osten des Reiches eine neue Hauptstadt,
Konstantinopel, das Neue Rom - und heutige Istanbul. Ansonsten sind viele
Details über sein Leben kaum oder nur unzureichend bekannt. Weder steht sein
genaues Geburtsjahr fest, noch ist bekannt, ob er sich wirklich als
"Christ" empfand oder nicht viel eher im Christentum nur eine ihm
passende religiöse Spielart sah. Das Jahr 2007 steht ganz im Zeichen
Konstantins, denn die große Ausstellung in Trier ist die bisher umfassendste
dieser Art. Eine Vielzahl von neuer Fachliteratur bezüglich Konstantin ist in
den vergangenen Monaten erschienen, darunter auch die hier anzuzeigende
Biographie der Trierer Althistorikerin Herrmann-Otto (hiernach H.-O.
abgekürzt).
Die Biographie ist neben Prolog und Epilog in fünf Hauptkapitel unterteilt (Der Usurpator, Der Befreier Roms, Der Pontifex Maximus, Der Alleinherrscher, Der Gesetzgeber). Sehr knapp wird auf den Aufstieg Konstantins und der Übernahme des Erbes seines Vaters Constantius I. eingegangen, der ein recht erfolgreicher General und einer der vier Tetrarchen war (dem von Diokletian eingeführten Kaiserkollegium). Nach dessen Tod im Jahr 306 konnte sich Konstantin im Westen des Imperiums behaupten und 312 seinen Rivalen Maxentius vor den Toren von Rom besiegen. H.-O. widmet dieser Episode breiten Raum - und dies zu Recht. Denn die Begleitumstände des Siegs Konstantins, vorgeblich im "Zeichen des Kreuzes" errungen, beschäftigen bis heute die moderne Forschung, wie auch die Frage weiter aktuell ist, ob die Bekehrung Konstantins "echt" war. Die wichtigsten Forschungsmeinungen werden gut verständlich referiert und ermöglichen so auch Laien einen Einstieg in die komplexe Materie. Im dritten Kapitel wird Konstantins Religionspolitik in der ersten Hälfte seiner Regierungszeit behandelt. Auch hier bietet H.-O. einen allgemeinen Überblick über die verstreuten Forschungsmeinungen, teils eingebettet in den relativ umfangreichen Anmerkungsapparat. Während in Kapitel 4 die Zeit der Alleinherrschaft Konstantins, nach dessen Sieg über den letzten Widersacher Licinius im Jahr 324, beschrieben wird, hat das letzte Kapitel Konstantins gesetzgeberische Tätigkeit zum Thema, wo H.-O. unter anderem auch die Gesetzgebung hinsichtlich Frauen und Sklaven anspricht. Die (knappen) Literaturhinweise sind auf dem neuesten Stand, wie auch der Anmerkungsteil sehr nützlich ist. Angenehm sind auch die zahlreichen Quellenzitate (in deutscher Übersetzung), die aber im Text etwas untergehen, da sie nicht kursiv o.ä. abgesetzt sind. Der Index erschließt leider auch nur Namen und Orte, aber keine Sachthemen. Fazit
Insgesamt liegt mit H.-O.s Werk eine leicht zugängliche und aktuelle Biographie
vor, die insgesamt auch Laien empfohlen werden kann, wenngleich Vorwissen
hilfreich ist. Problematisch ist jedoch, dass das Werk die Ereignisgeschichte
eher am Rande mitbehandelt (was sich besonders hinsichtlich der Darstellung der
Feldzüge Konstantins bemerkbar macht) und auch viele strukturgeschichtlichen
Themen nur anschneidet. So gesehen ist H.-O.s Darstellung nicht die definitive
Konstantin-Biographie, wohl aber ein nützlicher Überblick, an dem besonders die
Einbeziehung von Forschungsproblemen hervorzuheben ist, wenngleich man
vielleicht nicht immer alle Schlussfolgerungen teilt.
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