Steven Erikson: The Bonehunters

The Bonehunters

Verlag: Bantam Books [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-0-593-04630-2

Preis: 15,34 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Kanada scheint ein gutes Pflaster für Fantasyautoren zu sein, denn sowohl Guy Gavriel Kay als auch R. Scott Bakker stammen von dort - ebenso wie Steven Erikson. Erikson, eigentlich Archäologe und Anthropologe, veröffentliche 1999 das Buch "Gardens of the Moon" (dt. Ausgabe Die Gärten des Mondes), welches auf Anhieb positiv aufgenommen wurde. Dabei war die Geschichte alles andere als leicht verdaulich: Statt einer bunten Fantasywelt, wo der Böse am Ende sicher besiegt ist und der Gute die Prinzessin zur Frau nimmt, beschrieb Erikson eine komplexe und düstere, von Kriegen zerrissene Welt, in der die Guten weniger edel und der Böse weniger leicht zu erkennen war - und ersterer nicht zwingend die Handlung überleben musste. Gerade das Charakterdesign und die sehr komplexe, wirklich epische Geschichte hebt Erikson von der Masse der Autoren ab, zumal er sich eines durchaus nicht anspruchslosen Stils bedient.

Eriksons Welt ist eine, in der Magie kuriose Formen annimmt, uralte Kulturen aus den Trümmern vergangener Zeiten entstanden sind. Es handelt sich um eine Welt, in der die Götter von Menschen getötet werden können und Menschen zu Göttern werden können - nicht umsonst ließ sich Erikson stark von der Ilias inspirieren. Ein weiteres Vorbild stellte Glenn Cooks "Black Company" Reihe dar, in der Cook das Schicksal einer Söldnerkompanie in einer Fantasywelt beschrieb. Bei Erikson stellt ein wichtiger Erzählmittelpunkt die Geschichte der "Brückenverbrenner" dar, einer Eliteeinheit des malazanischen Imperiums, welches sich fast unaufhaltsam auf allen Kontinenten von Eriksons Fantasywelt ausgebreitet hat. Die Reihen der wenigen verbliebenen Brückenverbrennern haben sich in den vergangenen Büchern gelichtet - nicht umsonst trägt Eriksons auf 10 Bände angelegte Reihe den Titel "A Tale of the Malazan Book of the Fallen" - "Eine Geschichte aus dem malazanischen Buch der Gefallenen".

Im vorliegenden sechsten Band, The Bonehunters, wird das Ende der malazanischen Strafexpedition im "Reich der Sieben Städte" beschrieben, wo Rebellen (in Nachahmung des Sepoy-Aufstandes in Indien 1857) brutal und gnadenlos die malazanischen Besatzungen und Zivilisten niedergemacht hatten. Nur einige tausend Menschen waren in die Stadt Aren entkommen, wofür die 7. malazanische Armee allerdings mit dem Leben ihrer Soldaten bezahlte ("The Deadhouse Gates"). Die malazanische 14. Armee hat nun das Zentrum des Aufstandes zerschlagen ("House of Chains") und marschiert nun zur letzten Stadt, die von den Rebellen gehalten wird: Y'Ghatan, wo Jahre zuvor bei der Eroberung des Subkontinents der größte General des Imperiums, Dassem Ultor, durch Verrat starb. Erikson beschreibt mit seinem gewohnt trockenen Sinn für Humor die Gespräche zwischen den malazanischen Soldaten, die sich jeweils ganz persönlich auf den Kampf mental vorbereiten - oder versuchen, mit ihren Ängsten fertig zu werden. In Y'Ghatan plant derweil Leoman, der Kommandeur der Rebellen, die malazanische Armee bei der Eroberung verbluten zu lassen. Als es zum Angriff kommt, wird ein Viertel der Malazaner in der mit Öltöpfen präparierten Innenstadt vernichtet, ebenso aber auch die Reste der Rebellenarmee, während Leoman sich absetzen kann, wobei er seinen verbitterten Freund und zweiten Kommandeur, Corabb, zurücklässt. Die Malazaner ziehen schließlich ab und versuchen, durch das von der Pest heimgesuchte Land einen sicheren Hafen zu erreichen. Schließlich gelangen sie mit der Flotte nach Malaz, dem alten Zentrum des Imperiums, wo die Kommandeurin der 14. Armee, Tavore Paran, feststellen muss, dass der Kaiserin Laseen, die nach den Katastrophen der letzten Zeit nur noch ihre Macht sichern will und dabei auch mit höchst zweifelhaften Personen paktiert, nicht mehr zu trauen ist.

Ein weiterer Schwerpunkt der Handlung stellt die Geschichte um den Gott Cotillion und seinen Versuch dar, einen magischen Thron von den Tiste Edur zu schützen. Diese nicht-menschliche Rasse wurde bereits im Band "Midnight Tides" eingehend vorgestellt. Auf einem weit entfernten Kontinent haben sie ein Imperium errichtet, wobei sie vor der grausamsten Barbarei nicht zurückschreckten, angetrieben von ihrem Imperator, der sich mit dem "angeketteten Gott" eingelassen hat, einem Wesen aus einer fremden Welt, der vor Jahrtausenden besiegt, aber nicht vernichtet wurde.

Auch Ganoes Paran, ein bereits aus den ersten Büchern bekannter Malazaner, der nebenbei im Spiel der Götter eine wichtige Rolle spielt, tritt auf. Er übernimmt das Kommando über die Armee von Dujek Einarm - und muss, um sie zu retten, eine Göttin töten.
Fazit
Eriksons Bücher sind sicherlich nichts für Leser leichter Literatur, denn die Geschichte ist vielschichtig und nicht ohne Brutalität. Andererseits kann ich jedem, der sich nur einen Funken für Literatur dieser Art erwärmen kann oder der nur einfach eine komplexe Geschichte genießen möchte, Eriksons Werke empfehlen.

The Bonehunters (der Name spielt übrigens auf den "Spitznamen" der 14. Armee an) stellt da keine Ausnahme dar. Die Handlung wird geschickt vorangetrieben, wobei jedoch am Ende jeder, der sich für die Malazaner begeistern konnte, enttäuscht sein dürfte - es ist zu vermuten, dass die folgenden Bände das Imperium eher am Rande behandeln werden. Dennoch: Es bleibt eine großartig erzählte Geschichte, die nicht nur Fantasyleser begeistern kann.

Lesern mit eher rudimentären Englischkenntnissen sei allerdings dringend zur deutschen Übersetzung geraten (Verlag Blanvalet, dort werden die Originalbände jedoch ab dem zweiten englischen Band für die Übersetzung geteilt).
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 18. Dezember 2006

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