Scott McBain hat mit seinem Thriller: "Der Mastercode" ein Buch
geschrieben, welches erkennbar zwei Vorbilder hat: George Orwell und sein Werk:
1984 standen ebenso Pate wie Margaret Atwoods: "Der Report der
Magd."
"Mother" - ein globales Computernetz - beherrscht die Welt. Niemand ist mehr unbeobachtet, un-registriert, ohne Privatsphäre. Es gibt geschützte Zonen, in die nur die Gut-Situierten hineindürfen. Nur wer Gehälter zwischen A1 und A6 verdient, lebt - einigermaßen - gut, wobei - auch in scheinbaren Demokratien - totale Kontrolle angesagt ist. Nur eine winzige Gruppe wird noch nicht von den GlobalComs, den führenden transnationalen Unternehmen, kontrolliert: die Staats- und Regierungschefs, die mit Schrecken zusehen müssen, in welche Welt sie ihre Völker führten. Doch die Global Coms und insbesondere der "Rat der Mother", das Gremium, welches das globale Computernetz bewachsen soll, will die totale Kontrolle. Daher hecken der CIA-Chef und stellvertretende Chef des "Rates der Mother" und der britische Außenminister, der seinen Regierungschef beerben will, ein teuflisches Komplott aus, um die Weltherrschaft vollkommen zu erlangen. Ausgerechnet die amerikanische Präsidentin und der britische Premierminister stellen sich - zusammen mit dem Vorsitzenden des "Rates der Mother" und einer Finnin, gegen diese Bestrebungen. Wer kennt den "Mastercode" zur Vernichtung des Systems? Der Thriller ist durchaus spannend geschrieben. Ich las ihn in einem Zug bis zur letzten Seite. Dennoch arbeitet er deutlich mit Klischees. Die Charaktere sind eindeutig dualistisch: abgrundtief gut oder böse. Dass ausgerechnet die Nutznießer des Systems, die US-Präsidentin und der britische Premier, ihre Menschlichkeit entdecken und sich gegen das System stellen, erscheint unwahrscheinlich. Die Handlung wirkt stellenweise arg konstruiert. Die Botschaft selber - die Gefahr vor einem totalen Überwachungsstaat - wird allzu penetrant wiederholt und jedes Kapitel mit Zitaten, meist über den Mißbrauch von Macht, eingeleitet. Diese Penetranz und die Simplizität von Handlung und Charakteren stört zunehmend. Fazit
Insofern gebe ich ein zwiespältiges Urteil ab: Wer einfach spannende
Unterhaltung lesen möchte - etwa im Urlaub, der ist mit dieser Lektüre gut
bedient - spannend ist das Buch in jedem Fall. Wer aber - und dies scheint der
Anspruch McBains zu sein, anspruchsvolle, nachdenkliche Lektüre im Stil von
Orwell oder Atwood erwartet, dürfte enttäuscht sein. Das Urteil hängt also von
der Erwartungshaltung des Lesers ab. Wegen der Spannung und des an sich
interessanten Themas 5 Punkte.
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