Ein Australier in Berlin

Mit einem Liebesroman schickt sich ein Australier an, den Globus zu erobern. "Das Rosie-Projekt" von Graeme Simsion ist der erste Weltbestseller des Jahres 2014. In über 40 Sprachen ist der Roman übersetzt worden und alle Leser sind verzückt von Don Tillman, Simsions Hauptfigur, der einen genialen Plan entworfen hat, um die perfekte Ehefrau zu finden.

Jetzt hat es den australischen Bestsellerautor erstmals nach Deutschland verschlagen. Erste Station seiner Lesereise ist die Literaturstation der Backfabrik in Berlin. Berlin ist, was Lesungen angeht, ein schwieriges Pflaster, doch Graeme Simsion soll die Herzen der Hauptstadtleser im Sturm erobern.

Es ist kurz nach halb acht, als ich als erster Besucher die Backfabrik betrete und vom Autor persönlich begrüßt werde. "Hello. How are you?" Graeme Simsion ist aufgeschlossen und verrät mir in einem lockeren Gespräch, dass diese Lesereise zwar sein erster offizieller Besuch in Deutschland, er aber schon dreimal privat in Berlin gewesen ist. Natürlich versieht er mein bereits gelesenes Exemplar mit einer besonderen Widmung, da mein Buch die erste deutsche Ausgabe ist, in der sich der Autor verewigt. Auch die nachfolgenden Besucher werden von Graeme Simsion persönlich begrüßt. Es ist schön zu sehen, dass sich die Backfabrik zunehmend füllt, denn der überaus aufgeschlossene und sympathische Autor hat ein volles Haus verdient.

Um kurz nach acht Uhr, fast alle Plätze sind belegt, startet der offizielle Teil. Neben dem Autor sind noch die Lektorin Cordelia Borchardt, die den Abend moderiert, und der Schauspieler Robert Stadlober dabei, der das Hörbuch von "Das Rosie-Projekt" eingelesen hat und die deutschen Passagen lesen wird.

Nach einer kurzen Begrüßung folgt der erste Lesepart, in dem die Besucher Don Tillman kennenlernen. Zunächst liest Graeme Simsion einen Part, dann Robert Stadlober. Und beide machen ihre Sache ganz hervorragend. Und so lernen die Besucher einen Protagonisten kennen, der seinen Tagesablauf nach einem strikten Plan organisiert und jede überflüssige Begebenheit aus seinem Kalender gestrichen hat. Dadurch kann er sich voll und ganz auf seine Arbeit als Genetiker konzentrieren, die in einem Lehrauftrag gipfelt. Zwar gerät er hin und wieder mit der Dekanin aneinander, doch Don würde sein Leben als nahezu perfekt beschreiben. Wäre da nicht die Suche nach einer Partnerin. Eines Tages hat Don die Idee seines Lebens: Er entwirft einen mehrseitigen Fragebogen, um mit dessen Hilfe die perfekte Ehefrau zu finden.

In den Pausen zwischen den Lesungen erfahren die Zuschauer, wie der Roman und vor allem, wie die Figur von Don Tillman entstanden ist, der das Resultat der Tatsache ist, dass Graeme Simsion lange mit verschiedenen Informatikern zusammengearbeitet hat. Auf die Frage, ob man über und mit Don Tilmann lachen soll, antwortet der Autor: "Beides. Es ist wie bei Crocodile Dundee, der nach Los Angeles kommt und sich dort wie ein Alien bewegt."

In den folgenden Passagen lernen die Zuhörer dann auch Rosie kenne. Das leicht chaotische Girl, dass so gar nicht in Don Tilmanns Beuteschema passt. Auch hier macht der Autor den starken Leseanfang, bevor Robert Stadlober die Passage kongenial fortführt. Immer wieder herzliches Lachen im Auditorium, ob der tollen Geschichte und der hervorragenden Darstellung.

Nach knapp zwei Stunden geht die Veranstaltung unter großem Applaus zu Ende. Während sich der Autor den Signierwünschen der Besucher stellt, verrät mir Robert Stadlober noch, wie intensiv er sich auf eine solche Hörbuchproduktion vorbereitet. "Meist lese ich das entsprechende Manuskript drei- oder viermal. Um ein Gefühl für die Handlung und die Figuren zu bekommen. Und dann bereite ich mich natürlich auf eine solche Lesung vor, obwohl dies im heutigen Fall eher etwas nachlässig geschehen ist." Diese Nachlässigkeit, die man dem Schauspieler an keiner Stelle angemerkt hat, war der recht lustigen Tatsache geschuldet, dass er bis gestern noch in Dortmund für den Kölner Tatort vor der Kamera stand.

Als Fazit kann ich nur sagen: Ich habe schon viele Lesungen als Zuhörer erlebt, aber selten haben sowohl der Autor, als auch seine deutsche Stimme so viele Sympathiepunkte gesammelt.

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