Disziplin ist der Schlüssel zum Erfolg

Interview mit Douglas Preston

Zusammen mit seinem Partner Lincoln Child konnte der amerikanische Bestsellerautor Douglas Preston internationale Erfolge feiern. Darunter Thriller wie "Das Relikt" oder "Burn Case – Geruch des Teufels". Jetzt stellt Douglas Preston mit "Der Codex" sein Können als Soloautor unter Beweis. Die Redaktion von buchtips.net hatte Gelegenheit mit ihm über sein Solowerk zu sprechen. Michael Krause: Mr. Preston, "Der Codex" dreht sich um ein altes Maya-Buch, in dem das Heilwissen des Stammes festgehalten wurde. Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert?

Douglas Preston: Seit langem faszinieren mich die alten Mayas und ihre Zivilisation, Literatur, Architektur und Religion. In der Geschichte der Menschheit wurde das Schreiben dreimal neu erfunden. Der Code der alten Mayas galt als unentschlüsselbar, bis es einem Harvardprofessor zusammen mit Gelehrten aus der ganzen Welt gelang, den Code zu knacken.

MK: Gibt es das von Ihnen beschriebene Buch wirklich?

DP: Die meisten der Maya-Codes wurden im Laufe der Zeit und durch die europäischen Eroberer zerstört. Heute existieren leider nur noch Fragmente. Jedoch haben die Nachkommen der Maya ebenfalls ein umfangreiches Wissen angesammelt. Viele Pharmaunternehmen haben die alten Geheimnisse erforscht und außerordentliche Entdeckungen gemacht. Von daher zweifele ich nicht daran, dass der Codex, wie ich ihn in meinem Roman beschreibe, tatsächlich existiert. Und wer weiß, vielleicht liegt das Buch wirklich in einem alten Grab und ist bis heute unentdeckt geblieben.

MK: Neben der Jagd nach dem Codex steht die Suche der drei Broadbent-Brüder nach ihrem Vater im Mittelpunkt des Romans. Hat die Geschichte eine spezielle Moral?

DP: Die Moral dieser Geschichte ist die Tatsache, dass wir unsere Kinder so nehmen wie sie sind und nicht, wie wir sie uns wünschen. Ich denke, dass die meisten Väter diese Lektion erst erlernen müssen.

MK: Der Codex überzeugt durch seine starken Charaktere. Neben den Brüdern Tom, Philip und Vernon fallen besonders der finstere Marcus Hauser und der Indianer Don Alfonso auf. Welcher Charakter liegt Ihnen besonders am Herzen?

DP: Grundsätzlich ist es so, dass mir alle Figuren einer Geschichte ans Herz wachsen. Natürlich auch die Bösen, da von Ihnen oft ein ungeheurer Reiz ausgeht. Die Idee zu Don Alfonso kam so plötzlich, wie die Athena aus der Stirn des Zeus. Er ist mir während des Schreibens immer mehr ans Herz gewachsen und am Ende war ich regelrecht vernarrt in ihn. Aber auch Tom und Sally haben mich so fasziniert, dass ich beschloss, sie in einem weiteren Roman mitspielen zu lassen. (Anmerkung der Redaktion: Die beiden spielen in Douglas Prestons zweitem Solo-Roman "Tyrannosaur Canyon" – noch nicht in Deutschland erschienen – eine Rolle.)

MK: Wie lange hat die Arbeit an "Der Codex" gedauert?

DP: Sehr lange. Ende 1988 begann ich, die Handlung zu skizzieren und in eine Form zu bringen. Etwa drei Jahre später schrieb ich den ersten Entwurf und ließ diesen wieder für ein Jahr liegen. Erst dann begann ich, den Roman zu überarbeiten und plötzlich war er fertig.

MK: Wie sieht ein Arbeitstag von Douglas Preston aus?

DP: Arbeitsreich. Man kann kein erfolgreicher Schriftsteller sein, wenn man heute ein wenig arbeitet, morgen noch eine Seite schreibt und dann einen Tag aussetzt, um fischen zu gehen. Disziplin ist äußerst wichtig. Normalerweise beginne ich morgens um sieben Uhr, da ich um diese Zeit oft die besten Einfälle habe. Ich schreibe dann bis etwa vier Uhr am Nachmittag. Dieses Pensum halte ich sechs bis sieben Tage die Woche durch, wobei ich an den Wochenenden nur am morgen arbeite. Irgendjemand fragte einmal den Komponisten Johann Sebastian Bach, was der Schlüssel zu seiner Brillanz wäre und Bach antwortete: "Junger Mann, wenn Sie so hart arbeiten wie ich, werden Sie mit Sicherheit ein genauso guter Komponist wie ich."

MK: Wie unterscheidet sich die Soloarbeit im Vergleich zum Schreiben mit Lincoln Child?

DP: Die Arbeit mit Lincoln ist weniger einsam und daher deutlich amüsanter. Einen Roman zu schreiben ist immer ein einsamer, manchmal auch furchtbarer Prozess. Wenn ich mit Lincoln zusammenarbeite, reden wir jeden Tag über unsere Arbeit. Wir diskutieren kontrovers, wir regen uns an und wir teilen die Erfolge und natürlich auch Misserfolge miteinander. Das macht es oft leichter.

MK: Wird es dann weitere Solowerke geben?

DP: Ja. Ich arbeite im Augenblick an einem Roman, in dem ein junger Mann begreift, dass der wahre Weg zu Reichtum und Macht in einer neuen Religion liegt.

MK: Mr. Preston, letzte Frage. Was liest ein Bestsellerautor privat?

DP: Alles mögliche. Ich liebe englische und russische Literatur aus dem 19. Jahrhundert. Auch Goethes Faust hat mich außerordentlich beeinflusst. Ansonsten lese ich vor allem Sachbücher, Biografien und historische Werke.

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