Interview mit Marc Kayser zu seinem Roman "Hexagon"

Es ist immer gut etwas in Bewegung zu bringen


Im letzten Jahr überzeugte Marc Kayser mit seinem Debütroman TRIAS. Jetzt legt der gebürtige Potsdamer mit Hexagon den zweiten Roman um seine Figur Markus Croy vor. Die Redaktion von Buchtips.net sprach mit Marc Kayser über die Entstehung von "Hexagon", Trinkwasserknappheit und Ähnlichkeiten mit seiner Romanfigur.

Michael Krause: Im Mittelpunkt von HEXAGON steht ein Vertrag um die Trinkwasserresourcen. Wie dicht haben Sie sich bei Ihrer Handlung an der Wirklichkeit orientiert?
Marc Kayser: Das Wasser längst nicht mehr nur ein Lebensmittel, sondern ein internationales Handelsgut ist, weiß jeder. Und das der Finanzmarkt lange Zeit fest in den Händen von Spekulanten war, ist bittere Realität. Über eine UN-Studie wissen wir beispielsweise, dass das weltweit verfügbare Trinkwasser schon 2025, also in knapp 15 Jahren, nicht mehr für alle Menschen ausreichen wird. Was wir mit Sicherheit erleben werden, ist die stetige Verteuerung von Trinkwasser und daraus abgeleitet die steigende Bedeutung von Unternehmen, die weltweit mit Wasser handeln. Immer mehr Metropolen treten ihre Wasserversorgung ab an internationale Konzerne, die ein lukratives Geschäft mit diesem Rohstoff wittern - Berlin ebenso wie Rio de Janeiro. In der Fortschreibung von "Trias" lagen diese Themen also auf der Hand.

Krause: Einmal mehr erzählen Sie einen hervorragend recherchierten Plot und bewegen sich sehr gekonnt auf internationalem Parkett. Wie schwer ist es für einen deutschen Thrillerautoren Informationen über die CIA, dem BND oder dem russischen Geheimdienst zu bekommen?
Kayser: Ich musste natürlich Vertrauen aufbauen. Ich traf und treffe mich mit Menschen, die wissen, dass Sie mit Informationen und Inhalten umgehen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. In diesen Gesprächen ging und geht es nicht nur um das, was jetzt ist, sondern auch was werden wird. Um Tendenzen und Entwicklungen, die angesichts knapper werdender Ressourcen und geopolitischer Interessen ausgelotet und vorbereitet werden müssen. Vielleicht ist exakt das auch Kalkül der Menschen, mit denen ich mich unterhalte: Öffentlich machen von Entwicklungen über das Mittel der Fiktion.

Krause: Markus Croy gewinnt in HEXAGON weiter an Profil. Durch seinen Ost-West-Hintergrund spricht er Leser in ganz Deutschland an. Wie viel von Ihnen steckt in Markus Croy?
Kayser: Ich bin kein Agent einer Geheimabteilung des Bundeskriminalamts. Aber es stimmt, es gibt Parallelen zwischen uns. Ein gewisses Misstrauen gegenüber Obrigkeiten zum Beispiel. Auch Croy hat ja eine Ost-West-Biografie. Seine wie meine Zurückhaltung gegenüber Machtrankünen ist durch die Kenntnis von zwei Gesellschaftsformen geschärft worden. Das Zweite ist, dass ich wie Croy zu DDR-Zeiten mal in eine amerikanische Austauschstudentin verliebt war. Aber irgendwann ließ die Stasi Laura – im Buch heißt sie Shirley – einfach nicht mehr ins Land. Wie ich heute weiß, wollte sie 1993 einen Job bei den Vereinten Nationen annehmen. Da hat man sie einbestellt und ihr gesagt: "Sie haben tolle Referenzen, aber Sie waren 1986 mit einem Ostdeutschen liiert." Die hatten die Stasi-Akten gelesen. Damals ist alles genau protokolliert worden. Sie sehen: Die Schatten der Vergangenheit sind lang. Und in Hexagon kämpft Croy ja nicht nur gegen Terroristen, die Öko-Katastrophen verursachen, sondern auch mit der Frage: Warum holt mich die Vergangenheit ein?

Krause: Wie schon bei TRIAS deutet sich auch im Epilog von HEXAGON der nächste Roman an. Entwickelt sich die jeweilige Idee aus der Handlung oder haben Sie die Ideen schon vorher im Kopf?
Kayser: Ich hatte bei meinen Recherchen, die ja schon vor über drei Jahren gestartet sind, so viel Stoff zusammengetragen, dass ich den unmöglich nur in einem Buch hätte verarbeiten können. Insofern hatte ich natürlich die Idee, "Trias" weitere Bücher folgen zu lassen. Außerdem reizt es mich, meine Hauptfigur weiter zu entwickeln.

Krause: Wollen Sie mit Ihren Büchern eine Botschaft vermitteln?
Kayser: Etwas in Bewegung bringen ist immer gut. Ich wollte mit Markus Croy aber auch ein Alter Ego schaffen, das meine Gedanken, meine Vorstellung von Kraft, auch von Durchsetzungsvermögen ausdrücken kann. Ich hatte die Sehnsucht, mich mit jemand zu beschäftigen, dem ich Teile meiner Biografie überstülpe, um zu gucken, ob diese Teile nicht zu hinterfragen sind. Ich hätte auch zum Psychologen gehen können, aber ich mag Psychologen nicht so.

Krause: Hatten Sie Vorbilder?
Kayser: Meine Mutter hat eine Zeit lang als Buchhändlerin gearbeitet und schenkte mir schon früh, was man damals Bückware nannte: Bücher von Ernest Hemingway, John Updike, Raymond Chandler und Scott Fitzgerald – alles klassische Short-Story-Erzähler. An Ihnen hat mich die Sprache fasziniert, vor allem aber die Fähigkeit, eine Erkenntnis allein aus dem Handeln einer Figur herzuleiten, nicht aus irgendeinem Überbau.

Krause: Gibt es Planungen Ihre Romane zu verfilmen?
Kayser: Ja, TRIAS ist als Stoff an die Bavaria Fernsehproduktion München verkauft.

Krause: Würden Sie gerne das Drehbuch schreiben?
Kayser: Ich schrieb in den letzten Wochen den Roman zu einem Filmkonzept um und hoffe nun, auch das Drehbuch schreiben zu können. Eine Aufgabe, die mich reizt und ganz sicher eine etwas andere Sicht auf die Inhalte benötigen wird.

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