Interview mit Marc Kayser

Mit "Trias" hat der Journalist Marc Kayser einen politischen Thriller geschrieben, der den weltweiten Kampf gegen die Verknappung der Rohstoffe zum Thema hat. Michael Krause hatte Gelegenheit mit Marc Kayser zu sprechen.

Michael Krause: In TRIAS zeichnen Sie ein reales Bild der Arbeitsweise von Kanzleramt und Geheimdiensten. Gab es von dieser Seite schon Reaktionen auf Ihren Roman?
Marc Kayser: Ja, denn auch Politiker gehören zu meinen Lesern. TRIAS ist im Bundeskanzleramt angekommen und kann in der Merkel-Bibliothek ausgeliehen werden. Und aus dem Bundesinnenministerium war zu hören, dass mein Roman für einige Stimmung sorgte.

Krause: TRIAS beinhaltet eine Vielzahl politischer Hintergrundinformationen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, diese in die Handlung einzubauen?
Kayser: Schwer fiel mir das deshalb nicht, weil ich umfangreiche, monatelange Recherchen angestellt hatte. Und die sollte natürlich Früchte tragen und in einen Roman münden.

Krause: Haben Sie TRIAS im Vorfeld sehr genau geplant oder sich von der Handlung und den Reaktionen Ihrer Figuren treiben lassen?
Kayser: Geplant war der Plot. Manche der Figuren kamen erst beim Schreiben hinzu. Die Charaktere von Markus Croy, der Bundeskanzlerin, der beiden ostdeutschen Agenten und des chinesischen Geheimdienstgenerals standen von vornherein fest. Nach Sibirien reiste ich erst als feststand, dass nach dort ein Handlungsstrang weisen sollte.

Krause: Haben Sie sich bei Ihren Figuren an realen Persönlichkeiten orientiert?
Kayser: Ja, als Orientierung dienen doch jedem Autor die Menschen, die ihn umgeben oder beeindrucken. Bei Thomas Mann war das so im Zauberberg, bei Raymond Chandler war das so bei einem Polizisten der Los Angeles Police. Bei mir waren es Personen der aktuellen, politischen Administration und Menschen aus der Vergangenheit, deren Wirken bis heute nachhaltig ist.

Krause: Wann ist bei Ihnen das Interesse an der Politik erwacht?
Kayser: Als mein Vater mir als Kind einschärfte, nur nicht auf eine bestimmte Straßenseite in Potsdam-Babelsberg zu wechseln, weil dort die ostdeutschen Grenztruppen patrouillierten. Unglücklicherweise wuchs ich auf DDR-Seite auf und hätte daher erschossen werden können. Später verließ ich mein Land vor dem Mauerfall und noch ein wenig später studierte ich in München Politik.

Krause: Welche Rolle spielt die Politik heute in Ihrem Leben?
Kayser: Ich gehe immer noch wählen, obwohl ich manchmal den Eindruck habe, die Konturen der Parteien von SPD, CDU und Grüne verschwimmen allmählich ineinander. Außerdem lese ich noch immer regelmäßig die politischen Teile von SZ, FAZ und der schweizerischen NZZ. 

Krause: Vor TRIAS haben Sie jahrelang journalistisch gearbeitet. Wie unterscheidet sich das journalistische Arbeiten von der Tätigkeit als Romanautor und welche Arbeit macht Ihnen mehr Spaß?
Kayser: Als Journalist schreibe ich über Passiertes, bleibe dicht an Menschen, die tatsächlich existieren; als Romanautor darf ich aus Passiertem eine Fiktion stricken, mehr noch: Ich darf Menschen neu erfinden, darf ihre Charaktere mixen und ihnen Mentalitäten zu schreiben, wie ich sie gerne hätte. Diese Art der Arbeit hat tatsächlich eher etwas Künstlerisches und geht über das reine (journalistische) Handwerk hinaus.

Krause: Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
Kayser: Ich stehe spätestens um 8 Uhr auf, brauche sofort einen Kaffee und ein großes Glas Wasser. Dann betrachte ich von meinem Balkon in Ruhe das Leben unter mir auf einem der belebtesten Plätze Berlins. Gegen 10 Uhr sitze ich am Schreibtisch und arbeite bis Mittag. Oftmals gönne ich mir einen 10-Minuten-Schlaf und recherchiere, schreibe oder korrigiere bis zum Abend. Schreibtischarbeit nach 20 Uhr mag ich nicht. Da beginnt die Zeit der Belohnung.

Krause: Die wie aussieht?
Kayser: Ich sehe vor allem viele Filme mit politischem Hintergrund auf DVD oder im Kino. Zuletzt las ich Gedichte von E.E.Cummings, Kurzprosa von Patricia Highsmith und Texte der Al-Quaida, dokumentiert von französischen Journalisten. Außerdem glaube ich an Gott und finde Kraft in spirituellen Texten.

Krause: Haben Sie einen Lieblingsplatz zum Schreiben?
Kayser: Ja, in meinem 35 Quadratmeter großen Wohnzimmer, an einem Schreibtisch aus einem Justizministerium, nahe einem Erker mit Blick auf die Mitte Berlins. Oder auch in einem ICE. Ich liebe es, in Zügen zu arbeiten. Zugfahren hat schon beinahe etwas Meditatives. Riding and writing = eine tolle Formel.

Krause: Haben Sie in Ihrem Roman eine Lieblingsfigur?
Kayser: Es gibt zwei Figuren: Die der Bundeskanzlerin und die meines Haupthelden Markus Croy. Ich mag aber auch das (an)mutige Mädchen Janina aus dem Hotel "Storch" im Ostseebad Marienstrand. 

Krause: Auf ein Wiedersehen mit welchen Figuren können wir aus bei der geplanten Fortsetzung freuen?
Kayser: Auf die Bundeskanzlerin Lydia Sprado und den BKA-Agenten Markus Croy. Allerdings bekommt er eine tatkräftige, russische Agentin an seine Seite, mit der nicht nur er einige Kämpfe auszufechten hat.

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