"Es war zum Haare raufen..."

Nach dem plötzlichen Tod von Andreas Franz im März 2011 schien die Serie um die Frankfurter Kommissarin Julia Durant am Ende. Jedoch fand der Knaur-Verlag in Daniel Holbe einen jungen Autor, der den Roman im Sinne des geistigen Schöpfers zu Ende führte und der die Serie fortbestehen lassen soll. Buchtips.net sprach mit Daniel Holbe darüber, wie er an diesen Job gekommen ist und welche Probleme es bei der Entstehung des Romans gab.

Michael Krause: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie den Roman von Andreas Franz beendet haben?
Daniel Holbe: Ich hatte ein eigenes Manuskript beim Verlag eingereicht, nämlich einen regionalen Krimi. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich natürlich nie damit gerechnet, dass ich daraufhin ein solches Projekt angeboten bekomme, aber vielleicht war ich wirklich einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Jedenfalls saß ich ein paar Wochen später Haare raufend inmitten eines Berges von Recherche und Material und schrieb einen anderen regionalen Krimi fort...

MK: Sie schreiben im Nachwort, dass es nicht so einfach war, diesen Roman zu schreiben. Wo lagen die Schwierigkeiten?
DH: Nun, ich stand einerseits unter dem Druck, eine sehr viel beachtete und diskutierte Gruppe von Charakteren zu übernehmen. Und dann diese riesigen Fußstapfen, das war schon manchmal beängstigend, denn ich wusste, dass seitens der Leser stets eine sehr hohe Erwartung an Andreas Franz gerichtet wird.

MK: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, sich in die Gedankenwelt von Andreas Franz hineinzuversetzen?
DH: Da ich die Hauptpersonen schon lange kenne und an ihrer Entwicklung von Buch zu Buch teilgenommen habe, war das nicht all zu schwer. Eine bestehende Story zu übernehmen, bei der so mancher Gedankensprung erst akribisch nachvollzogen werden musste, war aber eine sehr mühsame Aufgabe. Ich würde sagen, es hat mich sehr gefordert aber es war auch ein spannendes Arbeiten.

MK: Kannten Sie Andreas Franz zu Lebzeiten?
DH: Leider nein.

MK: Wie viel war von dem Roman fertig, als Sie den Auftrag übernommen haben?
DH: Die Dinge waren gut und sorgfältig entwickelt, wie man es von Andreas Franz eben kennt. Man kann nun aber nicht sagen, es sind x Prozent Franz und x Prozent Holbe, aber am wichtigsten sollte schließlich auch sein, dass es sich um 100% Julia Durant handelt.

MK: Konnten Sie schon eigene Ideen oder Figuren einbringen?
DH: Sabine Kaufmann zum Beispiel ist ein noch weitgehend unbeschriebenes Blatt. Da gibt es noch Spielraum, ebenso natürlich wie bei künftigen zwischenmenschlichen Dingen. Aber vielleicht unterhalten wir uns darüber besser noch einmal nach dem nächsten Werk :-)

MK: Der Roman macht einen Zeitsprung von zwei Jahren. War dieser von Beginn an geplant oder hat er sich durch die realen Ereignisse ergeben?
DH: Der war von Anfang an mit eingeplant.

MK: Im Frühjahr des nächsten Jahres wird ein weiterer Julia-Durant-Roman erscheinen. Stand von Anfang an fest, dass Sie die Serie über mehrere Bände fortsetzen?
DH: Ja, es waren von Anfang an zwei Bände geplant.

MK: Sind weitere Romane geplant?
DH: Ich könnte mir durchaus vorstellen, Julia Durant weiter ermitteln zu lassen. Aber für solche Pläne ist es einfach noch zu früh.

MK: Basiert der nächste Roman auf einer eigenen Idee?
DH: Eine Idee gab es seitens Andreas Franz schon, aber das war noch nichts spruchreifes. Die Richtung aber hat mir sofort zugesagt und wäre auch meine Intention gewesen. Manchmal braucht es nicht mehr als das.

MK: Wie sind Sie zum Scheiben gekommen?
DH: Hmm. Mein erster Kurzkrimi entstand in meiner Schulzeit in einem Hausaufgabenheft. Aber so richtig gepackt hat es mich erst später, als ich beim Lesen verschiedener Bücher immer mehr eigene Ideen bekam, was ich gerne darin gelesen hätte.

MK: Welche Autoren außer Andreas Franz haben Sie beeinflusst?
DH: Kann ich nicht sagen. Ich hätte viel zu viel Angst, jemanden zu vergessen oder zu übergehen. Aber in den vergangenen Monaten gab es ohnehin niemand anderen neben Andreas Franz.

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