Interview mit Sebastian Fitzek

An der Kasse von Aldi gibt es keine Überraschungseier!


Sebastian Fitzek ist ohne Übertreibung der Shootingstar unter den deutschen Thrillerautoren. Mit "Die Therapie" und "Amokspiel" hat er nicht nur den deutschen Buchmarkt erobert. In Berlin präsentierte er jetzt seinen neuen Psychothriller "Das Kind". Die Redaktion von buchtips sprach mit dem sympathischen Berliner.

Michael Krause: Wie geht es Simon Sachs?
Sebastian Fitzek: Gut. Zumindest so gut, wie es einem zehnjährigen Jungen gehen kann, der auf eigenen Wunsch auf ein verlassenes Industriegelände gebracht wird. Den Rest muss der Leser dann selbst herausfinden.

MK: Wie schon Ihre beiden ersten Romane, so begeistert auch "Das Kind" durch zahlreiche Cliffhanger am Ende eines Kapitels. Planen Sie diese Höhepunkte oder lassen Sie sich von der Geschichte treiben?
SF: Ich schreibe meine Kapitel nicht so, dass ich bewusst auf einen bestimmten Höhepunkt zusteuere. Oft ist es so, dass ich bei einem längeren Text überlege, an welcher Stelle ich aussteige. Ich mag es selber als Leser, wenn ich von der Handlung getrieben werde.

MK: Ein packender Thriller kommt nicht ohne eine gründliche Vorbereitung aus. Wie wichtig sind die Recherche und die Vorbereitung eines Romans?
SF: Ich stürze mich nicht gerade mit Eifer in die Recherche. Mein Jurastudium hat mich da sehr geprägt, als es nur darum ging, die passenden Fälle zu finden. Ich habe in dieser Zeit aber gelernt, wo ich schnell etwas finde. Weitaus anstrengender finde ich das Plotten, wenn es darum geht, sich einen Überblick über die gesamte Handlung zu verschaffen, die dann letztlich doch ganz anders verläuft.

MK: Sie sprachen gerade Ihr Jurastudium an. War die Schriftstellerei schon immer ein Kindheitstraum?
SF: Nicht unbedingt. Ich wollte zwar in der Grundschule Autor werden, hatte da aber natürlich noch überhaupt keine Ahnung, was das bedeutet. Ich habe aber schon immer viel und gerne gelesen und meine Leidenschaft sind Thriller. Irgendwann habe ich es einfach probiert. Die ersten Versuche waren nicht erfolgreich, aber ich habe nicht aufgegeben. Aber natürlich hatte ich auch große Hilfe, denn ohne meinen Agenten Roman Hocke hätte ich sicherlich niemals einen Vertrag bekommen.

MK: Viele Autoren können nur an bestimmten Stellen schreiben? Haben Sie auch einen Lieblingsplatz zum schreiben?
SF: Ich habe einen Lieblingsplatz in meiner Wohnung, wo jedoch nur eine Couch steht und sich das Schreiben oft etwas kompliziert gestaltet. Ansonsten kann ich überall schreiben, wenn ich die nötige Konzentration finde. Dann tauche ich völlig in meiner Geschichte ab und finde so auch einen Großteil meiner Entspannung.

MK: Die Filmrechte für "Die Therapie" und "Amokspiel" wurden verkauft. Werden Sie an den Projekten beteiligt sein?
SF: Ich habe mir ein Mitlernrecht optionieren lassen. Ich habe zwar noch kein Drehbuch geschrieben, bin aber sehr daran interessiert und habe gemerkt, dass man an meinem kreativen Input interessiert ist.

MK: Wen wünschen Sie sich in der Rolle des Viktor Larenz?
SF: Kevin Spacey wäre sicher eine ausgezeichnete Wahl, wenn man träumen könnte. Es wird jedoch eine deutsche Produktion werden, aber wir haben in Deutschland sicher genügend herausragende Darsteller wie den Oscarpreisträger Sebastian Koch. Wichtig ist, den richtigen Schauspieler für die richtige Rolle zu finden. Deshalb muss der Film auch eine gewisse Eigenständigkeit haben, um auch den Zuschauer überraschen, der schon das Buch kennt.

MK: Sie sind einer der wenigen deutschen Thrillerautoren, der es auf den englischen und amerikanischen Markt geschafft hat. Wie haben Sie reagiert, als Sie die Nachricht bekommen haben?
SF: Ich hatte genügend Zeit, mich auf diese Situation einzustellen, denn der Erfolg kommt in Schüben. Es sind ja mehrere Etappen, in denen man Stück für Stück dem Vertrag näher kommt. Und dann kommt der Moment, wo es heißt: Alles unterschrieben. Und dann sollte ich mich auch freuen. Ich freue mich dann auch, jedoch eher in kleinen Mengen und dafür länger, als einmal euphorisch.

MK: Und wie ist es Fanpost aus Japan zu erhalten?
SF: Einfach irrsinnig. Vor allem, weil sie die Angewohnheit haben, ihre Post in japanischen Schriftzeichen zu übersenden. Ich muss dass dann aus den Mails herauskopieren, gehe dann zu google Sprachübersetzung, bevor ich versuche zu antworten.

MK: Beantworten Sie alle Mails persönlich?
SF: Ja. Ich nehme mir einmal am Tag die Zeit so viele Mails wie möglich zu beantworten. Mir ist der Kontakt zu den Lesern sehr wichtig, denn sie investieren Zeit und Geld in ein Produkt von dem sie vorher nicht wissen, ob es ihnen gefällt. Außerdem wurde ich dadurch auch schon auf Fehler aufmerksam gemacht.

MK: Zum Beispiel?
SF: Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es bei Aldi keine Überraschungseier an der Kasse gibt. Bei der nächsten Auflage des Amokspiels haben wir diesen Fehler dann korrigiert.

MK: Neben Ihrem Aktuellen Roman "Das Kind" sind Sie noch an einem weiteren Projekt beteiligt, dem Killer-Club. Wie kam es dazu?
SF: Der Verlag hatte den Wunsch einen Fortsetzungsroman im Internet zu veröffentlichen und hat mich gefragt, ob ich eine Idee für eine Rahmenhandlung hätte. Da auch großartige Kollegen wie John Katzenbach oder Andreas Franz dabei sind, habe ich mir eine Geschichte ausgedacht, in der jeder Autor völlig losgelöst von irgendwelchen Vorgaben agieren kann. Es geht darum, welcher Auftragskiller am besten, kreativsten oder brutalsten morden kann und den Internetuser haben dann die Möglichkeit über den Podcast abzustimmen.

MK: Letzte Frage: Auf vielen Fotos ist Ihr Bassett Molly zu sehen? Wie sind Sie gerade auf einen Bassett gekommen?
SF: Molly ist ein Erbfall. Sie gehörte meiner Mutter. Als mein Vater nicht mehr mit ihr zu Recht kam, habe ich sie zu mir genommen und sie wurde Hund Nummer drei. Sie ist aber besonders pflegeleicht, da sie bei regnerischem Wetter nicht gerne das Haus verlässt. Und da es in Berlin öfters regnet...

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