"Der Mensch ängstigt mich"

Schon sein Debüt "Trigger" mauserte sich zu einem Bestseller, der zwischenzeitlich auch verfilmt werden soll. Mit seinem dritten Psychothriller "Dunkler Wahn" stürmt Wulf Dorn abermals die Bestsellerlisten. Buchtips.net sprach mit Wulf Dorn über Stalking und seine Vorliebe für Flohmärkte.

Michael Krause: Im Nachwort zu "Dunkler Wahn" erzählen Sie, wie die Idee zu dem Roman entstanden ist. Ausgangspunkt war eine Rose, die Sie vor Ihrem Hotelzimmer gefunden haben. Wie war Ihnen zu Mute?
Wulf Dorn: Das war ein sehr skurriles Gefühl. Am Anfang freut man sich, zumal ich erst an eine Aufmerksamkeit des Hotels dachte. Dann sah ich, dass mein Zimmer das einzige war und das war schon etwas unheimlich, weil einfach keine Nachricht dabei war. Und dann kam der Thrillerautor in mir durch, der diesen Gedanken weiter gesponnen hat.

MK: In Ihren Werken spielen Sie sehr gekonnt mit den Ängsten Ihrer Leser. Woher stammt die Fähigkeit dies aufs Papier zu bringen?
WD: Meine ersten Kurzgeschichten waren klassische Horrorgeschichten und mir liegt immer noch viel daran, dieses Genre in den Psychothriller zu transportieren. Ich habe nur irgendwann festgestellt, dass es nicht Vampire oder Werwölfe sind, die mich ängstigen, sondern der Mensch selber. Wenn wir die Nachrichten einschalten erfahren wir tagtäglich, wozu wir Menschen fähig sind.

MK: Gibt es bestimmte Ereignisse, die Sie ängstigen?
WD: Oft sind es die vermeintlich kleinen Dinge. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es im Nachbarort einen Erbschaftsstreit. Ein Nachbar hat seinen Schwager im Garten erschossen. Und ich frage mich: Was veranlasst Menschen zu so einer Tat? Ich denke, dass ist auch der Grund warum ich mich mit dem Psychothriller auseinandersetze. Mir geht es aber nicht zwingend darum, Gewalt zu schildern. Sie gehört zwar zu meinem Genre dazu, soll aber nicht im Vordergrund stehen. Mir geht es eher um die Hintergründe oder die Beweggründe einer Figur.

MK: Schon Ihr erster Roman „Trigger“ wurde ein Bestseller. Gab es irgendwann eine Phase, in der Sie Angst hatten, die Erwartungen nicht zu erfüllen?
WD: Als ich meinen zweiten Roman ("Kalte Stille") begonnen habe, hatte ich zu Beginn eine Schreibblockade. Genau zu diesem Zeitpunkt kam "Trigger" heraus und entwickelte sich zu einem Erfolg. Dieser Erfolg war für mich überwältigend und sorgte dafür, dass ich eine besondere Erwartungshaltung an meinen nächsten Roman vermutete. Was mir geholfen hat, war die Tatsache, dass ich mich wieder auf meinen Stoff konzentriert habe. Mittlerweile kann ich ganz gut mit diesem Druck umgehen. Wenn ich mit meiner Story zufrieden bin, kann ich darauf hoffen, das auch der Leser zufrieden ist.

MK: Ihre Thriller zeichnen sich durch einen permanenten Spannungsbogen aus. Planen Sie die Handlung oder lassen Sie sich von der Geschichte treiben?
WD: Ich fange mit einer Basisidee an: Worum geht es und wie wird die Geschichte enden? Dann bin ich ein sehr strukturierter Planer, der sich ein Kapitelexposé anfertigt und sich mit den Lebensläufen seiner Figuren auseinandersetzt. Hier stelle ich mir die Frage, wie sich diese in den einzelnen Situationen verhalten. Das ist ähnlich wie ein Storyboard beim Film. Und wenn ich das habe, geht es an das eigentliche Schreiben.

MK: Was hat Sie am Thema Stalking gereizt?
WD: Das ist ein Thema, dass jeden Thrillerautor irgendwann mal kitzelt. Es gibt jedoch sehr viele gute Thriller und mir war es wichtig, dem Thema etwas Neues abzugewinnen. Was mich als Autor am meisten fasziniert ist die Tatsache, dass dir eine unbekannte Person nachstellt, von der du nichts weißt und du der Situation vollkommen hilflos ausgeliefert bist.

MK: Was ist der Grund, dass Sie Ihre Romane im fiktiven Städtchen Fahlenberg spielen lassen?
WD: Ausgangspunkt war damals, das mir die Geschichte von "Trigger" zu heikel war, um sie an einem realen Ort ablaufen zu lassen. So entstand damals die Waldklinik und ich dache mir, wenn ich schon eine fiktive Klinik erschaffe, erschaffe ich auch gleich den Ort dazu. So entstand Fahlenberg und ich habe mich während des Schreibens sehr wohl dort gefühlt. Ich dachte mir, daran kann ich anknüpfen, zumal in der Waldklinik ja ein paar Stellen frei wurden. Nachdem auch das Feedback sehr positiv war, entschloss ich mich dazu, das weiter auszubauen. Und so wird jeder meiner Romane mit dem nächsten verknüpft sein. Sie bleiben zwar eigenständig, sollen dem Leser jedoch einen Wiedererkennungswert geben.

MK: Also werden wir im nächsten Roman wieder nach Fahlenberg kommen?
WD: Nein, der nächste Roman wird an einen anderen Ort gehen, wird aber mit Figuren zusammenhängen, die in "Trigger" schon mal aufgetaucht sind.

MK: Wie ist der große Erfolg zu erklären, den Sie außerhalb Deutschlands gerade in Italien haben?
WD: Ich kam nach der Veröffentlichung von "Trigger" in Italien im Hotel an und fand auf meinem Bett ein Kuvert mit Ausdrucken von Presseberichten und Bestsellerlisten. Dort fand ich mich in der internationalen Liste auf Platz 2 und sogar auf der italienischen Liste auf Platz 4. Woran es liegt? Ich bin immer noch am Rätseln und kann das nicht erklären.

MK: Sie sind ausgebildeter Fremdsprachenkorrespondent. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
WD: Ich habe ziemlich früh mit dem Schreiben begonnen. Mit zwölf habe ich meine erste Kurzgeschichte geschrieben und dann Blut geleckt. Es hat mir einfach Spaß gemacht in eine andere Welt abzutauchen und mir eine Geschichte auszudenken. Ich habe über die Jahre immer weiter geschrieben. Viele Jahre für die Schublade. 1999 hat meine Frau dann mal eine Kurzgeschichte von mir gelesen und mich bestärkt, diese einzusenden. So bin ich dann an einen kleinen Verlag gekommen und habe dann mehrere Jahre für einen Horroranthologie geschrieben.

MK: Sie schlendern gerne über Flohmärkte und kaufen Bücher. Was wandert bevorzugt in Ihren Korb?
WD: Alles mögliche: Biografien, Romane. Besonders reizen mich alte Fachbücher. Vieles wird heute ganz anders dargestellt und es ist interessant zu sehen, wie sich der Wissenstand in den letzten fünfzig Jahren verändert hat.

MK: Gab es Autoren die Sie beeinflusst haben?
WD: Ich bin ein Kind der 70er und 80er, von daher hat mich Stephen King ins Horrorgenre gezogen. "Nachtschicht" war das Buch, was mich maßgeblich beeinflusst hat. Auch Roald Dahl fand ich toll. Diese beiden haben mich dazu gebracht Kurzgeschichten zu schreiben. Aber auch andere Klassiker wie E.T.A. Hoffmann oder Jules Verne haben ihren Anteil.

MK: Wie lange dauert die Arbeit an einem Roman?
WD: Etwa ein Jahr, wobei ich immer einen Vorlauf habe. Als „Kalte Stille“ erschien, war ich schon mitten in "Dunkler Wahn". Den Löwenanteil der Arbeit nimmt die Recherche, die Plotarbeit und dann natürlich das eigentliche Schreiben ein.

MK: Haben Sie Testleser?
WD: Ja. Ich teil mir das auf. ich gucke dass ich zu gleichen Anteilen Männer und Frauen sowie Autoren und Nichtautoren habe. Denn aus allen Gruppen kommt ein anderes Feedback, dass ich in meine Arbeit einfließen lasse.

MK: Wie weit sind die Dreharbeiten zu "Trigger" vorangeschritten?
WD: Das Drehbuch ist schon lange fertig, jedoch gibt es ein paar Probleme mit der Finanzierung. Es ist das klassische Phänomen, dass man dem deutschen Thriller nicht viel zutraut.

MK: Haben Sie am Drehbuch mitgewirkt?
WD: Generell habe ich gesagt: macht mal. Aber der Drehbuchautor hat mich mit einbezogen und mir Fragen zu den Figuren gestellt, so dass ich in das Projekt eingebunden war. Und dies war eine lohnenswerte Entscheidung.

MK: Könnten Sie sich vorstellen in ein anderes Genre zu wechseln?
WD: Das habe ich bereits. Mein nächster Roman ist ein Jugendroman, der im Februar erscheinen wird. Genauer gesagt ein Jugendthriller mit einer jugendlichen Protagonistin. Aber ich denke mir, dass auch meine erwachsenen Leser ihren Spaß haben werden.

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