Interview mit Luc Deflo

"Ich bin ein Workaholic"

Luc Deflo ist der erfolgreichste Thrillerautor Belgiens. Seine Romane um Dirk Deleu erscheinen regelmäßig in den Top Ten. Sein Debütroman "Nackte Seelen", der für den renommierten Hercule-Poirot-Preis nominiert war, ist jetzt auf Deutsch erschienen. Buchtips.net hatte Gelegenheit mit Luc Deflo zu sprechen.

Michael Krause: Wie ist die Figur von Dirk Deleu entstanden?
Luc Deflo: Ich wollte einen Charakter erschaffen, der nicht dem typischen Heldenbild entspricht. Das Wichtigste war mir, dass er Probleme wie alle normalen Menschen haben sollte. Andererseits sollte er die Fähigkeit haben, sich in die Gedankenwelt eines Killers hineinzuversetzen. Und dies setzt ihn mehr als einmal unter einen besonderen Druck.

MK: Warum geben Sie die Identität des Mörders in Ihrem Roman "Nackte Seelen" schon sehr früh bekannt?
LD: Ich wollte keine klassische Who-dunit-Geschichte schreiben, in der der Bösewicht oft der wichtigste Charakter ist. Mich interessiert mehr das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und dem Mörder. Diese Konstellation fasziniert mich mehr, als die Frage wer der Mörder ist.

MK: Sie beschreiben die Arbeit der belgischen Polizei sehr genau. Wie viel Spaß macht ihnen die Recherche?
LD: Ich habe sehr viele Freunde bei der Polizei und versuche ihre Arbeit so genau wie möglich darzustellen. Dazu gehört auch, die Schattenseiten zu zeigen. Auf jeden Fall versuche ich, sehr respektvoll mit den Informationen umzugehen.

MK: "Nackte Seelen" wird gerade verfilmt. Haben Sie am Drehbuch mitgewirkt?
LD: Nein, da mir dazu einfach die Zeit fehlt. Aber ich bin mir sicher, dass die Drehbuchautoren einen guten Job machen.

MK: Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Arbeiten Sie immer zur gleichen Zeit oder müssen Sie sich motivieren?
LD: Ich starte meinen Arbeitstag immer, in dem ich das Kapitel vom Vortag Korrekturlese. Das bringt mich zurück in die Geschichte. Ansonsten habe ich keine besonderen Rituale. Wenn ich in meiner Geschichte vertieft bin, können zwei große Ghettoblaster in meinem Büro stehen ohne mich zu stören.

MK: Planen Sie Ihre Geschichten sehr detailliert im Voraus oder lassen Sie sich von der Geschichte treiben?
LD: Ich habe ein paar Eckpunkte meiner Geschichten im Kopf. Der Rest ergibt sich immer beim schreiben, denn die besten Ideen kommen mir immer spontan.

MK: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
LD: Ich habe als Theaterautor begonnen. Dann habe ich einen Roman probiert und jetzt habe ich das Glück aus meinem Hobby einen Beruf machen zu können.

MK: Wie entspannen Sie sich?
LD: Gar nicht! Ich bin ein Workaholic.

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