Menschenmassen und Friedhofslesungen

Mit einem erneuten Besucheransturm ging am 17. März die Leipziger Buchmesse 2013 zu Ende. Seit Donnerstag hatten rund 168.000 Menschen den Weg in die Messehallen gefunden und den Veranstaltern damit ein Plus von gut 5.000 Zuschauern eingebracht. Der Andrang war stellenweise so groß, das am Samstag der Weg in die Hallen mit "Einbahnstraßen" gelenkt wurde, um den Menschenmassen Herr zu werden.

Dafür bekamen die Zuschauer auch einiges geboten. Mehr als 2.000 Aussteller präsentierten rund 100.000 Titel aus Belletristik oder Sachbuch. Vor allem der kriselnde Buchhandel sollte mit der Messe wieder belebt werden. Dazu wurde eine bundesweite Kampagne ins Leben gerufen, die unter dem Motto "Vorsicht Buch!", den Fokus der Leser wieder auf das gedruckte Medium lenken sollte.

Anders als bei der Messe in Frankfurt, wo sich ein Gastland den Besuchern präsentiert, hat die Leipziger Buchmesse Themenschwerpunkte. In diesem Jahr war dies unter anderem die Literatur aus Weißrussland, Polen und der Ukraine. Ebenfalls ein großer Schwerpunkt der Messe ist der Jugendbuch- und Mangabereich, der vor allem am Samstag zahlreiche verkleidete Jünger in die Messehallen zog. Der Fantasie der Kostüme war hier keine Grenzen gesetzt.

Natürlich gibt es keine Buchmesse ohne Preisverleihung. In diesem Jahr ging der begehrte Preis im Bereich Belletristik an David Wagner, dessen Roman "Leben" die Jury überzeugen konnte. In seinem Werk setzt sich der Autor gekonnt mit dem Thema Leben und Tod auseinander. Freuen konnte sich auch Helmut Böttiger, der für die Darstellung der Schriftstellervereinigung "Die Gruppe 47" den Preis für das beste Sachbuch entgegennehmen konnte. Die Leipziger Buchmesse geht mit der Zeit und vergibt seit Jahren auch einen Onlinepreis, der in diesem Jahr an Anna Weidenholzer ging. Ihr Roman "Der Winter tut den Fischen gut", der sich um das Leben einer arbeitslosen Textilverkäuferin dreht, erhielt gut 38 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Neben der eigentlichen Buchmesse hat sich auch das Lesefestival "Leipzig liest" zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Ein Festival, dass auch von Autoren gerne genutzt wird. "Die Lesungen auf der Messe und um die Messe herum haben selbst bei großem Publikum etwas Intimes", sagt die Bestsellerautorin Tanja Kinkel, die schon mehrfach in Leipzig zu Gast war. Auch in diesem Jahr wurde den Besuchern wieder ein abwechslungsreiches Programm geboten. An über 360 Orten wurde aus allen Bereichen der Literatur gelesen. Und so fanden die Erinnerungen von Michail Gorbatschow in der Leipziger Passionskirche ebenso interessierte Leser, wie die Friedhofslesung von Derek Landy, der mit seinem deutschen Hörbuchsprecher Rainer Strecker auf dem Südfriedhof den neuesten Fall seines Skelettdetektives Skulduggery Pleasant präsentierte.

Gelesen wurde aber auch an anderer Stelle. Die Leipziger Buchnacht gehört seit mehr als 20 Jahren zur festen Größe im Messerummel. Bei der von 3Sat, MDR FIGARO und MDR Fernsehen übertragenen und von Axel Bulthaupt moderierten Lesung präsentierten Martina Rosenberg, Sabine Ebert, Christoph Hein, Cordula Stratmann, Sabine Rennefanz, Dirk Kurbjuweit und Rolf Schneider Auszüge aus ihren Werken. Gerade Sabine Ebert stand im Blickpunkt, setzt sie sich in ihrem Roman "1813 – Kriegsfeuer" mit der Völkerschlacht bei Leipzig auseinander und hat für die Zeit der Arbeit an diesem Roman sogar ihren Wohnsitz nach Leipzig verlegt.

Einmal mehr stellte die Leipziger Buchmesse unter Beweis, das sie als Stimmungstest, Trendmeter und Publikumsmagnet aus dem deutschen Messe- und Literaturkalender nicht mehr wegzudenken ist. Das wichtigste Signal in diesem Jahr ist einfach die Tatsache, dass die Lust am Lesen ungebrochen ist. Eine Tatsache, die trotz stagnierender Verkaufszahlen positiv in die Zukunft blicken lässt.

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