Die Bücherwelt zu Gast bei Freunden

Die Leipziger Buchmesse hat ihren Ruf als familienfreundliche Lesemesse untermauert. Mit 163.500 Zuschauern konnte in den vier Besuchstagen abermals ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden. Gerade am letzten Messetag strömten viele Familien auf das Gelände, was einer besonderen Aktion zu verdanken war: Die Messeleitung lud zum Familienfrühstück ein und gewährte Kindern, die ihr Lieblingsbuch mitbrachten, freien Eintritt. Farbtupfer waren einmal mehr die zahlreichen Manga-Fans, die in die fantasievollsten Kostüme schlüpften und die für ihre Mühe mit einem Kostumwettbewerb belohnt wurden.

Alle Besucher konnten sich in diesem Jahr über ein vielfältiges Messeangebot freuen. Über 2000 Verlage aus 44 Ländern stellten ihr Programm vor. Mehr als man in einem Leben konsumieren kann. Allein die 20.000 Neuvorstellungen würden mehrere Bibliotheken füllen. Und so schob sich die Karawane der Leseinteressierten durch die vollen Gänge. Dabei waren Lesungen und Diskussionsforen immer wieder beliebter Anlaufpunkt vieler Besucher. Gerade die Leipziger Buchmesse ist als Lesemesse bekannt. Auch in diesem Jahr wurde sie durch das Festival "Leipzig liest" begleitet, bei dem über 2500 Autoren und Mitwirkende im gesamten Leipziger Stadtgebiet zu erleben waren. Es verwundert nicht, dass bei dem vielfältigen Programm die Veranstaltungen durchweg gut besucht waren. Martin Walser war ebenso zu erleben, wie der amerikanische Thrillerautor Jeffery Deaver oder der deutsche Autor Markus Stromiedel, der mit "Der Torwächter" seinen ersten Jugendroman in Leipzig präsentierte. Ein Höhepunkt ist der jährliche Preis der Leipziger Buchmesse, der jeweils am ersten Messetag verliehen wird und in diesem Jahr an Wolfgang Herndorf für seinen Roman "Sand" ging. Weitere Preisträger waren der Sachbuch-Autor Jörg Baberowski und die Übersetzerin Christina Viragh.

Natürlich kommt auch die Leipziger Buchmesse nicht ohne Themenschwerpunkt aus. Dieser lief unter dem Motto "Tranzyt" und stellte Literatur aus Polen, der Ukraine und Weißrussland vor. Martin Pollak, Kurator des Themenschwerpunktes zeigte sich sehr zufrieden mit dem Interesse der Besucher. Fester Bestandteil jeder Buchmesse sind inzwischen die neuen Medien wie eBook, Hörbuch oder DVD. Auch wenn das eBook noch immer ein Schattendasein führt, nur ein Prozent des Buchumsatzes in Deutschland erfolgt als eBook, war das Interesse ungebrochen. Weiter auf dem Vormarsch sind Hörbücher und vor allem Hörspiele, die eine wahre Renaissance erleben. Die zum zweiten Mal errichtete Hörspielarena erwies sich als Publikumsmagnet. Hier konnte man sich neben Diskussionsforen und Hörspielausschnitten einen Überblick über die kommenden Highlights verschaffen. Besonders im Blickpunkt stand das junge Label Highscore Music, dessen Chef Sebastian Pobot sich als wahrer Spürhund für Hörspielschätze entpuppt. Er präsentierte die ersten beiden Folgen der SF-Serie Captain Future. Das Besondere daran: Es gelang ihm fast alle Originalstimmen der damaligen Synchronisation ins Studio zu holen. Außerdem enthüllte er ein weiteres Highlight, dass ein Lächeln auf das Gesicht vieler Hörspielfans zauberte. Im Sommer 2012 erscheinen die nächsten Folgen der erfolgreichen Hörspielserie Offenbarung 23, einer Verschwörungsserie aus der Feder von Jan Gaspard, die ursprünglich bei Lübbe Audio erschien und nach einem Zerwürfnis mit dem Autor eingestellt wurde. Sebastian Pobot hat jetzt zusammen mit Jan Gaspard die Serie wiederbelebt. Die Zuschauer erfuhren schon jetzt, dass der Schatz der Nibelungen und das Unglück im Montblanc-Tunnel Gegenstand der kommenden Folgen sein werden.

Das Thema Bildung gehört inzwischen ebenfalls zu jeder Buchmesse dazu. In Leipzig gab es gleich drei Premieren: Ausgezeichnet wurde das Schulbuch des Jahres. Musikpädagogische Angebote luden Kinder zum Zuhören oder Mitmachen ein, was gerade am Sonntag großen Anklang fand. Höhepunkt des Themenblocks Bildung war der Leipziger Lesekompass. Eine Fachjury wählte 30 Kinder- und Jugendbücher aus, die sich besonders für die Entwicklung der Lesekompetenz in Schulen und Kindertagesstätten eignen. Kein Wunder, dass Messechef Martin Wagner ein positives Fazit zog: "Die Leipziger Buchmesse hat 2012 erneut gezeigt, dass sie als Marketing-Plattform für Verlage und Autoren unentbehrlich ist." Eine Aussage, die der Besucher vorbehaltlos bestätigen kann.

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