Eine Stadt im Bücherrausch

In Zeiten negativer Schlagzeilen wie Tsunami, Libyen-Einsatz oder Guttenberg-Affäre zieht es die Menschen zu gut erzählten Geschichten – und deren Verfassern. Und so ging die Leipziger Buchmesse 2011 mit einem neuen Besucherrekord zu Ende. Rund 163.000 Besucher drängten durch die Messehallen und interessierten sich für das reichhaltige Angebot der gut 2150 Aussteller. Natürlich zeigte sich auch Messechef Martin Buhl-Wagner über den Zuspruch sehr erfreut. Neben dem Branchenprimus Frankfurt hat sich die Frühjahrsmesse fest im Kalender der Literaturfreunde etabliert. Vor allem der Nachwuchs der Branche hat in Leipzig eine Plattform gefunden, wie auch Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels feststellt: "Hier werden junge Leser für Literatur begeistert, sie erleben Autoren und kommen ins Gespräch".

Und gerade die Möglichkeit Autoren zu erleben, steht im Blickpunkt der Leipziger Buchmesse. Das Lesefest "Leipzig liest" versetzte eine ganze Stadt für vier Tage in einen kollektiven Bücherrausch. An über 300 Leseorten, wie der Leipziger Baumwollspinnerei, dem Landgericht oder im Zoo konnten die Besucher in den Genuss vorgetragener Literatur kommen. Aber auch dem Messebesucher wurde einiges geboten. Ein Höhepunkt war sicher die Lesung der beiden Schwestern Wiebke Lorenz und Frauke Scheuermann, die seit Jahren unter dem Pseudonym Anne Hertz eine breite Leserschaft mit gefühl- und humorvollen Geschichten versorgen und am Samstag ihren neuen Roman "Sahnehäubchen" präsentierten und dabei nicht nur durch eine abgefahrene, selbst gesungene Version von Lady Gagas Hit "Poker Face" überzeugten.

Der Lesenachwuchs hatte am Sonntag Gelegenheit einen echten Indianer zu treffen. Am Stand des TraumFänger Verlags las der Urenkel von Sitting Bull, Ernie LaPointe, aus der Biografie seiner Ahnen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse ist der immer größer werdende Hörbuch- und Hörspielmarkt. Vor allem das klassische Hörspiel, das augenblicklich durch eine Vielzahl neuer Serien eine wahre Renaissance erlebt, hat eine eigene Arena bekommen, in der die interessierten Zuschauer Livelesungen mitverfolgen konnten.

Aber auch geschäftlich hat sich die Leipziger Buchmesse fest etabliert. Mehr als 90 Prozent der Aussteller waren mit dem Verlauf zufrieden und wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Vor allem kleine Verlage freuten sich über die Tatsache, dass die Leser auch Interesse an noch unbekannten Autoren zeigten.

Das eine solche Messe natürlich nicht ohne das tagespolitische Geschäft funktioniert, zeigten die dramatischen Ereignisse in Japan. An mehreren Stellen wurden Spenden gesammelt und bei Jap@Com wurden entsprechend einer alten Legende 1.000 Kraniche gefaltet. Der Legende nach hat der, der das schafft, einen Wunsch frei.

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