And the Winner is... Island

Mit einem Besucheransturm ging am 16.10. die diesjährige Frankfurter Buchmesse zu Ende. Insgesamt tummelten sich rund 283.000 Besucher in den Messehallen und sorgten für ein Besucherplus von etwa einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Buchmessen-Chef Juergen Boos sehr zufrieden zeigte. "Die Buchbrance ist in Aufbruchstimmung." Ein Aufbruch, der sich vor allem darin zeigte, dass auch die digitalen Medien immer mehr Raum einnahmen. Die elektronischen Bücher fristen zwar noch ein Schattendasein, dennoch gab es kaum eine Diskussionsrunde oder Konferenz, in der die digitalen Bücher nicht Gegenstand der Gespräche waren. Auch wenn viele Leser dem neuen Medium noch skeptisch gegenüberstehen, ist das eBook durchaus eine Alternative. Was mit diesem Medium möglich ist, zeigte der Verlag Kiepenheuer und Witsch, der mit dem Sachbuch "Rangas Welt" ein eBook präsentierte, dass dieses Medium neu definiert. In 48 Themenwelten stellt Ranga Yogeshwar, bekannt aus der ARD-Serie "Wissen vor Acht" wissenschaftliche Themen vor, die immer mit einer simplen Einstiegsfrage beginnen: "Warum funkeln die Sterne?", "Warum summen Mücken?". Neben der klassischen Textfassung kann der Leser auch aufwändige Videos, Animationen oder Links zu weiterführenden Seiten nutzen, um seine Informationen zu bekommen. Zusammen mit Ranga Yogeshwars Fähigkeit wissenschaftliche Zusammenhänge einfach zu erklären, ist mit diesem eBook ein wichtiger Schritt gelungen, um die Stärken dieses Mediums voll auszuspielen.

Mit Island hatte die Buchmesse in diesem Jahr ein Gastland, das sich sowohl für die Aussteller, als auch für die Besucher als absoluter Volltreffer erwiesen hat. Obwohl nur 318.000 Einwohner, gehört Island zu den belesensten Ländern der Welt. Gerade im Krimibereich zählen die isländischen Schriftsteller zu den Lieblingsautoren der Deutschen. Zusammen mit über 40 Kollegen gaben sich auch Arnaldur Indrioason oder Arni Thorarinsson in Frankfurt die Ehre. Mit einem eigenen Messepavillion, im dem hunderte Photos und Videoporträts von privaten Heimbibliotheken gezeigt wurden, absolvierte Island einen der sympathischsten Gastauftritte der letzten Jahre. Gastland-Koordinator Halldor Gudmundsson zeigte sich sehr zufrieden und von einer "überwältigenden, fast schon euphorischen Resonanz" sprach.

Zwei andere Themenbereich legten in diesem Jahr an Resonanz und Publikumsinteresse zu: Die Gourmet Gallery war auch in diesem Jahr Anlaufpunkt für alle, die von Kochshows nicht genug bekommen können. Hier gab es Leckerbissen zum Probieren und zahlreiche Starköche wie Alfons Schuhbeck bereiteten ihre Spezialitäten live zu – sehr zu Freude der Besucher. Der zweite Bereich, der seit Jahren an Zuwachs gewinnt, ist die Welt der Sprechblasen und der bunten Bilder. Das Comic-Zentrum in Halle 3.0 ist nicht nur für Manga-Fans einen Besuch wert. Unter anderem bewies der Amerikaner Craig Thompson was in diesem Genre möglich ist. Seine Graphic Novel "Habibi", eine fantastische Erzählung über das gemeinsame Erbe von Islam und Christentum, liegt jenseits von dem, was man sich allgemein unter Comics vorstellt. Und so war es nicht verwunderlich, dass sich zur Signierstunde mit dem Autor lange Schlangen bildeten. Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen Japans: Der japanische Generalkonsul Toyoei Shigeeda berichtete über die Geschehnisse vom März, die auch in comichafter Form im Lande Nippons verarbeitet wurden.

Frankfurter Buchmesse heißt auch Veranstaltungen ohne Ende. Allein 2.200 richteten sich explizit an ein breites Publikum. Wie in jedem Jahr fanden zahlreiche Diskussionen auf der großen ARD-Bühne statt, die zusätzlich durch ein gläsernes Hörfunkstudio und dem Blauen Sofa, als Kooperation zwischen Club Bertelsmann, ZDF und Deutschlandradio Kultur unterstützt wurde. Außerdem wurden im Rahmen der Buchmesse auch zahlreiche Preise verliehen. Den Abschluss bildete traditionsgemäß der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der in diesem Jahr an den algerischen Autor Boualem Sansal ging. Dieser nahm den mit 25.000 Euro datierten Preis ergriffen entgegen und drückte in seiner Dankesrede die Hoffnung aus, dass die Welt vor einer Wende zur universellen Demokratie stehe.

Nach drei Fachbesuchertagen hatten dann die Leser am Wochenende die Möglichkeit, die Messe zu besuchen. Wo früher der Hunger auf die Neuerscheinungen Antriebsmotor für einen Messebesuch war, ist es jetzt die Sehnsucht, Stars und Sternchen aus der Literatur-, Film- oder Fernsehwelt aus der Nähe zu erleben. Dies hat auch Juergen Boos erkannt. "Der Hunger nach Geschichten und nach dem persönlichen Treffen mit den Autoren wächst in Zeiten der Globalisierung." Und die Besucher wurden nicht enttäuscht. Skandalautorin Charlotte Roche stand nicht nur den Journalisten Rede und Antwort, sondern signierte auch ihr zweites Buch "Schoßgebete". Auch die Bestsellerautoren Jussi Adler-Olsen, Umberto Eco, Ferdinand von Schirach, Wulf Dorn oder Sebastian Fitzek standen den Lesern Rede und Antwort.

Insgesamt zeigten sich die Aussteller mit dem Messeverlauf 2011 zufrieden. Besonders der Rechtehandel im Bereich Bildung und Kinderbücher sei besonders erfolgreich verlaufen. Als Gewinner sah sich auch das Gastland Island, denn der Besuch in Frankfurt habe den Durchbruch auf dem Internationalen Markt geschafft. Laut Islands Verlegerpräsident Kristjan B. Jonasson gebe es auch in den USA oder Südostasien großes Interesse an isländischer Literatur. Als Gewinner kann sich aber auch der Besucher, egal- ob Fach-oder Privatbesucher sehen, der mit einer bunten, informativen und abwechslungsreichen Frankfurter Buchmesse 2011 belohnt wurde.

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