Digitalisierung auf dem Vormarsch!

Mit einem ungewöhnlich großen Publikumsandrang ging am 19.10.2008 die 60. Frankfurter Buchmesse zu Ende. Allein am Sonnabend, dem ersten Publikumstag, besuchten 78.218 Menschen die Messe und informierten sich über 100.000 Neuerscheinungen, die die rund 7300 Aussteller aus 100 Ländern präsentierten. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Buchmesse-Direktor Jürgen Boos ein positives Fazit zog. "Die Digitalisierung zieht die Menschen nach Frankfurt."

In der Tat war die neue eBook-Generation eine der Hauptattraktionen der diesjährigen Buchmesse. Lesegeräte wie Kindle, iLiad und Sonys E-Reader waren in diesem Jahr stark gefragt. Für 2009 ist daher gerade im Bildungs- und Belletristikbereich jede Menge Bewegung im Markt zu erwarten. Zwar wird in den nächsten fünf Jahren den digitalen Inhalten noch nicht der Siegeszug über das gedruckte Buch zugetraut, dennoch sind viele Fachleute der Ansicht, dass sich die Haltung der Verbraucher ändern wird. Gerade bei der jungen Generation ist man sich sicher, dass diese eher bereit sein werden, für digitale Inhalte zu bezahlen. Vorreiter in diesem Segment sind einmal mehr die USA. Dort hat der Online-Händler Amazon im vergangenen Jahr sein Lesegerät Kindle auf den Markt gebracht. Genauso schnell war er auch vergriffen, und das, obwohl das Gerät nicht sonderlich trendy aussieht. Allerdings sprechen andere Fakten für ihn: Rund 200 digitale Romane, Lexika oder Sachbücher kann das 300 Gramm leichte Gerät aufnehmen. Der Bildschirm besteht aus einem besonderen elektronischen Papier und lässt sich genauso gut lesen wie eine Buchseite. Ob und wann der Kindle in Deutschland auf den Markt kommt, ist bisher nicht bekannt.

Gastland der Frankfurter Buchmesse war in diesem Jahr die Türkei, die sich nach den Worten der Co-Vorsitzenden des Komitees, Müge Gürsoy Sökmen, zufrieden mit dem Messeergebnis zeigte. Auch die Menschenrechtsorganisation amnesty international zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Messeauftritt positiv auf die Situation der Meinungsfreiheit in der Türkei auswirken wird. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist man auf die nächste Buchmesse gespannt, denn China, Ehrengast der Messe im Jahr 2009, gehört zu den wachstumsstärksten Buchmärkten der Welt.

Natürlich war aber auch die Finanzkrise ein großes Thema in Frankfurt. Auch wenn es über die Auswirkungen auf die Branche unterschiedliche Ansichten gibt, so ist der Tenor, dass die Krise durchaus spürbar ist. Mit konkreten Folgen für das kommende Weihnachtsgeschäft wollten sich viele Verlage aber zurückhalten. Einigkeit bestand aber in jedem Fall in der Meinung, dass die kommenden Monate nichts Gutes erwarten lassen.

Ungeachtet dessen, stürmten an den Publikumstagen so viele Besucher wie nie zuvor nach Frankfurt. Und wie immer wurden sie mit einem vielfältigen Programm belohnt. Neben den aktuellen Neuheiten wie Uwe Tellkamps DDR-Roman "Der Turm", der auf der Messe mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, oder dem neuen Thriller "Verstummt" der amerikanischen Bestsellerautorin Karin Slaugther, hatten die Besucher auch Gelegenheit Autoren wie Sebastian Fitzek, Orhan Parmuk oder Cecilia Ahern zu sehen. Erfreulich auch die Zahl der jungen Besucher, die sicherlich nicht nur wegen Christopher Paolinis drittem Band der Eragon-Saga den Weg nach Frankfurt gefunden haben.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass sich der Weg nach Frankfurt insgesamt für alle gelohnt hat. Und der Leser konnte sich Gewissheit verschaffen, dass der Bücherherbst 2008 überaus interessant wird.

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