Antje Wagner: Vakuum

Vakuum

Verlag: Bloomsbury [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-8270-5437-1

Preis: 1,34 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Als Tamara aus dem Schlaf aufschreckt, steht der Zug irgendwo bei Schwäbisch Gmünd auf freier Strecke. Tamara ist völlig allein; die Zug-Türen sind verschlossen, persönliche Gegenstände der Reisenden liegen noch im Zug. Es ist, als hätten alle Menschen sich in Luft aufgelöst. Aufgrund eines Tipps, den sie bei der Suche nach ihren leiblichen Eltern erhielt, kommt Tamara aus Mecklenburg zu einem Treffen mit der ihr noch unbekannten Kora. Entschlossen marschiert Tamara auf den Gleisen weiter. Im Bahnhof von Mannheim trifft sie auf Alissa und ihren Bruder Leo, denen etwas ähnliches passiert ist wie ihr. Beim Zelten auf einer naturgeschützten Rhein-Insel sind plötzlich die Freunde der Geschwister verschwunden. Die Zeit scheint an diesem heißen Augustnachmittag stehen geblieben zu sein, wie Leo, der gern fotografiert, aus dem unveränderten Stand der Sonne ableitet. Alissa und Leo fuhren durch eine menschenleere Stadt zum Bahnhof, draußen vor den verlassenen, unverschlossenen Geschäften lagen noch die Waren. Hannes, der Horrorgeschichten liebt, wurde durch eine geheimnisvolle Nachricht alarmiert. Die vier Jugendlichen treffen auf Kora, die in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd gerade einer apokalyptischen Situation entkommen ist. Das Mädchen musste sich in einem menschenleeren Gebäudekomplex gegen eine Nebelwand zur Wehr setzen, von der sie wie von einem Lebewesen angegriffen wurde. Ein Brief hatte Kora mit einer verschlüsselten Botschaft ausdrücklich vor diesem Nebel gewarnt. Jugendliche erhielten an unterschiedlichen Orten alarmierende Botschaften; ein merkwürdiges Naturereignis war zu beobachten. Die Fünf sind im Moment offenbar die einzigen Menschen - auf der Suche nach der Verbindung zwischen sich und dem aggressiven Nebel.

Bei Kora, die im ersten Kapitel des Buches auftritt, war schnell klar, dass ihr persönlicher Dämon sich zunächst in ihrer Abneigung gegen den Einschluss in der Zelle zeigt, wenn der Raum um sie und ihre Zellengenossin herum "spannt". Doch der tiefere Grund für Koras traumatisches Erlebnis im Nebel bleibt bis kurz vor Schluss des Buches verborgen. Die Lösung mit der Erkenntnis der Jugendlichen, dass ihre Stärke in ihrer Verschiedenheit und ihrer gegenseitigen Offenheit liegt, kommt für Leser des Romans sehr spät. Antje Wagner stellt hohe Ansprüche an Aufmerksamkeit und Kombinationsfähigkeit ihres Publikums. Wie in Unland bricht die Autorin mit lieben Lesegewohnheiten. Sie inszeniert geschickt das Zusammenfinden von Personen, die sich nie zuvor getroffen haben, und kleidet die Kluft zwischen deren Bewusstsein und Unterbewusstsein mit unheimlichen Erlebnissen aus.
Fazit
"Vakuum" ist ein ungewöhnlicher Roman, von dem Leser sich unvoreingenommen überraschen lassen sollten. Mit seinen feinen Tönen und Gefühlswahrnehmungen entzieht sich das Buch der schnellen Zuordnung zu Genre oder Zielgruppe. Die Handlung wird mit Sicherheit im Unterricht oder unter Literaturliebhabern für Diskussionsstoff sorgen. Antje Wagner zeigt sich erneut als Meisterin in der Charakterisierung eigenwilliger Figuren mit einem Hang zu burschikosen Mädchenfiguren. Die Figur der Alissa, vernünftige ältere Schwester und von Fremden stets für zuständig gehalten, finde ich in Vakuum besonders gelungen. Hervorzuheben sind Wagners sorgfältige Recherche, z. B. im Gefängnismilieu, wie auch ihr Humor, der sich auf leisen Sohlen heranschleicht.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 18. September 2012

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